Unsicherheit online Deutsche gehen unbekümmert mit persönlichen Daten um

Die meisten Deutschen sind trotz der Ausspähskandale sorglos: Nur die wenigsten haben seit den Enthüllungen ihr Verhalten im Netz geändert, zeigt eine aktuelle Umfrage der "WamS". Die häufigste Begründung: "Ich habe nichts zu verbergen."

Sicheres Passwort? Ein Jahr nach dem NSA-Schock gehen die meisten Internetnutzer weiterhin sorglos mit ihren Daten um
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Sicheres Passwort? Ein Jahr nach dem NSA-Schock gehen die meisten Internetnutzer weiterhin sorglos mit ihren Daten um


Hamburg - Die Heartbleed-Sicherheitslücke hat erneut gezeigt, wie abhängig Internetnutzer von ihren Passwörtern sind. Doch trotz des millionenfachen Passwortklaus herrscht beim Thema IT-Sicherheit große Gleichgültigkeit. Die meisten Menschen sind zu faul, ihre Passwörter zu ändern, auch viele deutsche Firmen sind einer Studie zufolge nur unzureichend auf Cyber-Kriminalität vorbereitet.

Auch eine aktuelle Umfrage, die die "Welt am Sonntag" ("WamS") in Auftrag gegeben hatte, macht deutlich, wie sorglos die meisten Privatleute in Deutschland sind: Trotz der Enthüllungen über das hemmungslose Datensammeln der NSA und anderer Geheimdienste bewegen sich die meisten Deutschen so unbedarft im Internet wie eh und je.

Demnach haben gut drei Viertel (76,9 Prozent) ihren Umgang mit persönlichen Daten nicht geändert. Nur 12,2 Prozent der 984 Befragten gaben an, für sich Konsequenzen gezogen zu haben, etwa indem sie weniger internetbasierte Dienste wie Online-Speicher und E-Mail-Portale nutzen (10 Prozent) oder auf andere Computerprogramme oder sogar Geräte umgestiegen sind (4 Prozent).

41,9 Prozent der Befragten meinen, ihre Daten seien ausreichend gesichert. Und 49,8 Prozent sagten: "Ich habe nichts zu verbergen." Die repräsentative Umfrage vom Marktforschungsunternehmen GfK fand zwischen 14. und 21. März statt, also noch bevor die Heartbleed-Sicherheitslücke bekannt wurde.

Die Umfrage zeigt aber auch, dass vor allem jüngere Menschen äußerst sorglos mit ihren Daten umgehen: Unter den 14- bis 19-Jährigen sagten 90 Prozent der Teilnehmer, dass sie ihr Verhalten in Folge der Ausspähskandale durch NSA und Co. nicht umgestellt haben. Dagegen sind Menschen mit Hochschulreife oder einem Studienabschluss eher bereit, ihr Nutzungsverhalten zu ändern: 20 Prozent der Befragten aus dieser Gruppe hat demnach seinen Umgang bereits angepasst. Gleichwohl ist auch dort laut "WamS" ein Großteil der Meinung, bereits gut geschützt zu sein: 56 Prozent der höher Gebildeten gaben an, ihre Daten seien ausreichend geschützt.

"Die Dimension des Angriffs auf die digitalen Grundrechte lässt viele Menschen weitgehend ratlos zurück", sagte Johannes Caspar, Hamburgischer Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit der "WamS". Das Problem: Oft sei nicht einmal der Rat von Experten einheitlich. Und Verschlüsselung sei für den durchschnittlichen Nutzer nicht trivial.

cib/dpa

insgesamt 58 Beiträge
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susuki 13.04.2014
1.
Es ist zu früh für eine Bürger-Hochsicherheits-Mesh-Netzwerk auf Basis des Raspberry-Pi. Die 40 Euro für den Computer, die 5 Euro pro Jahr für den Strom und die ca. 10% Nutzung der Bandbreite des hauseigenen Internetanschlusses ist viel zu teuer. In einigen Jahren vielleicht...
AlbertGeorg 13.04.2014
2. Es ist ihr freier Wille
Zitat von sysopDPADie meisten Deutschen sind trotz der Ausspähskandale sorglos: Nur die wenigsten haben seit den Enthüllungen ihr Verhalten im Netz geändert, zeigt eine aktuelle Umfrage der "WamS". Die häufigste Begründung: "Ich habe nichts zu verbergen." http://www.spiegel.de/netzwelt/web/nsa-heartbleed-und-co-umfrage-zeigt-sorglosen-datenumgang-a-964132.html
Wir wissen es jetzt eigentlich alle. Wir tun es trotzdem nicht. Es gibt sicherlich auch reichlich Gründe dafür, natürlich auch dagegen. Wir wissen aber auch: Die Journalisten sind nicht unsere Erzieher. Also lasst es jetzt gut sein - Ihr langweilt!
dertt 13.04.2014
3. Aber wenn ich doch nichts zu verbergen habe..
Mir ist es doch völlig egal, wenn Menschen aus einem anderem Land, die ich nicht persönlich kenne, theoretisch meine Daten lesen könnten. Es wäre was anderes, wenn zB meine Nachbarn meinen Kontostand sehen könnten, oder Freunde, was ich ihnen bei Amazon bestellt habe. Aber solange ich die "Mitleser" nicht kenne, ist es mir doch völlig egal. Klar kann ich es verstehen bei Leuten, die wirkliche Geheimnisse haben, zB ihnen unangenehmen Pornokonsum oder Sammlungen peinlicher Fotos. Da würde ich wohl mit anonymen Accounts arbeiten. Aber ich benutze (Halb-)Anonyme Accounts höchstens zum Kommentieren auf Seiten wie dieser. Und wenn sie "enttarnt" würden, würde ich das auch überlebenden. Mache ja nichts illegales. Von daher kann ich zwar die Aufregung bei manchen verstehen, aber sie sollten auch einsehen, dass es viele Leute nicht betrifft.
Kryszmopompas 13.04.2014
4. Völlig dämliche Schlussfolgerungen
Die Preisgabe von Daten ist das eine. Die machen wir gegenüber Payback, Facebook usw. freiwillig. Hier muss jeder wissen, was er bereit ist preiszugeben. Facebook kann jeder sehen, das Problem hat mit NSA nix zu tun. Die Spionage unserer Regierungen gegen das Volk (NSA - und BND usw. durchsuchen alles, was nicht extrem gut verschlüsselt ist, teilweise auch verschlüsseltes (SSL)) ist was anderes. Was soll der Bürger dagegen tun? Sicherheit klappt hier nur, wenn beide Seiten extrem gut verschlüsseln mit Codes die man schon mal versucht hat zu verbieten (warum nur wohl?). Das ist kein Problem der Bürger, sondern der Provider und Anbieter. Ändern könnten wir das nur, wenn wir denen so großen Druck machen, damit die was ändern. Der Einzelne kann nichts machen - außer die Kommunikation einstellen.
privado 13.04.2014
5. Kein Wunder
Die dröge Masse hat noch gar nicht verstanden, wie problematisch die totale Überwachung zu sehen ist. "Ich hab nichts zu verbergen" ist eine bequeme Ausrede für den Unwillen, aktiv zu werden. Oder mit anderen Worten: Faulheit. Weiter sollten die Medien nicht ständig auf einen Passwort-Wechsel drängen, denn wenn die Passwortdaten ausgelesen wurden, dann hilft auch das komplexeste Passwort nichts. Vielmehr sollten die Unternehmen stärker in die Verantwortung genommen werden, damit die dort gespeicherten Daten auch sicher sind.
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