Österreich Posse um gecrackte FPÖ-Seite

Schon seit zwei Tagen hat die österreichische Partei FPÖ mit einem Cracker zu kämpfen, der die Webseiten böswillig verändert. Zu sehen ist ein Bild, das den früheren Parteichef Jörg Haider mit Hitler-Bärtchen zeigt.


Achtung: Bei dieser Seite handelt es sich nicht um die offizielle Präsenz der Salzburger FPÖ, sie wurde vielmehr von einem böswilligen Hacker verändert (Stand Montag)

Achtung: Bei dieser Seite handelt es sich nicht um die offizielle Präsenz der Salzburger FPÖ, sie wurde vielmehr von einem böswilligen Hacker verändert (Stand Montag)

Salzburg - Am Montag hatte ein unbekannter Eindringling die Webseite des Salzburger Ablegers der Haider-Partei FPÖ mit einem neuen Outfit versehen. Statt Parteipropaganda und Informationen der Freiheitlichen fand sich dort nun unter anderem ein Bild des Kärtner Landeshauptmannes Jörg Haider mit einem aufgemalten Hitler-Bärtchen und dem Schriftzug "Hail Haider du Wuschelhase". Neben einigen Verwünschungen gab der Cracker zum Besten, dass er den "Dummschädeln" der von ihm verhassten Partei "viel Glück und wenig Kinder" wünsche.

Werden solche verunstalteten Webseiten, so genannte Defacements, von ihren Besitzern bemerkt, verschwinden sie meist in minutenschnelle vom Netz - immerhin reicht es theoretisch aus, ganz brutal den Stecker des betreffenden Servers zu ziehen. Doch nicht so bei der FPÖ. Mehr als 24 Stunden war die Hasstirade auf die Partei im Netz zu finden, offenbar weil es den zuständigen Webmastern nicht gelang, die betreffende Seite zu löschen.

Löschen unmöglich - doch wer ist daran schuld?

Der Fraktionssekretär der Salzburger FPÖ-Landtagsfraktion Richard Voithofer sagte gegenüber dem Internetdienst "Heise online", der Eindringling habe sämtliche Administrationsrechte an sich gerissen, sodass der Provider machtlos gewesen sei und die Seite nicht habe entfernen können. Mittlerweile habe man aber den Anbieter für das Webhosting gewechselt. Die deutsche Firma 54Grad, die diese Aufgabe bisher übernommen hatte, weist die Darstellung der FPÖ zurück. Nach Auskunft des Geschäftsführers Karsten Vogt hätten sowohl seine Firma als auch die FPÖ jederzeit Zugriff auf den Server gehabt, bevor er etwas habe tun können, sei der Vertrag aber von den Österreichern gekündigt worden. Daher sehe er keine Veranlassung mehr, dies zu tun.

Was danach kam war eine Posse sondersgleichen. Gegen Dienstagmittag wurde unter der Adresse www.fpoe-salzburg.at für einen "Nightlife-Guide" geworben - Unwahrscheinlich, dass das im Sinne der ordnungsliebenden Freiheitlichen war. Am Nachmittag dann ging es spaßig weiter. Zunächst war eine weiße Seite zu sehen, später dann hatte der Cracker vom Montag erneut zugeschlagen.

Und auch diese Seite stammt nicht von der FPÖ (Stand Dienstag)

Und auch diese Seite stammt nicht von der FPÖ (Stand Dienstag)

Auf hellblauem Grund prangte die Überschrift "Dies hier ist der Salzburger Wohnslum der Österreichischen FPÖ". Zu sehen war wieder das altbekannte Haider-mit-Hitlerbart-Bild. Und schon wieder wurde der Landeshauptmann ungehörigerweise als "Wuschelhase" bezeichnet. Als Hintergrundmusik war das in Deutschland verbotene Horst-Wessel-Lied zu hören. Bislang konnte die FPÖ ihr Problem noch nicht beheben.

Die Partei hatte bereits im Februar 2000 mit - wie sie es damals nannte - "Cyberterroristen" zu tun. Unbekannte hatten damals unter der Adresse www.fpo.at eine täuschend ähnliche Kopie der offiziellen FPÖ-Website hinterlegt, angereichert allerdings mit Links zu Nazi-Seiten wie dem Thule-Net, von denen sich die Parteiführung sonst betont distanziert hatte.



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