Angeklickt Dieses Magazin zeigt die Menschen hinter den Websites - nur auf Papier

"Offscreen"-Macher Kai Brach: Ein Mann, ein Magazin
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"Offscreen"-Macher Kai Brach: Ein Mann, ein Magazin

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Webdesigner, App-Entwickler, junge Gründer: Das Magazin "Offscreen" erzählt vom Alltag von Menschen aus der Tech-Branche. Es stellt Pixel-Künstler und Einzelkämpfer vor, aber auch Angestellte von Konzernen wie Google.

"Offscreen" ist eine Zeitschrift ohne Großverlag im Rücken, ein sogenanntes Independent-Magazin. Hinter dem Heft, das drei bis vier Mal im Jahr erscheint, steckt Kai Brach. Ursprünglich kommt er aus Saarbrücken. Heute lebt er im australischen Melbourne, übers Internet vertreibt er sein Magazin in alle Welt. Neun englischsprachige Ausgaben sind bislang erschienen. Derzeit lässt Brach das Heft 4500-mal drucken.

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Independent-Magazin: Was "Offscreen" so besonders macht
Anders als in Tech-Lifestyle-Magazinen wie "Wired" kommen in "Offscreen" die Menschen aus der IT-Branche und ähnlichen Gebieten selbst zu Wort, Angestellte wie Freiberufler. Reflektionen über das eigene Leben und den eigenen Job sind in der Ichperspektive geschrieben, über ein gemeinsames Google-Dokument feilt Brach mit den Autoren an den Texten. Außerdem finden sich in "Offscreen" kleine Essays und Protokolle typischer Arbeitstage, ebenso lange Interviews. Bei Letzteren verraten die Interviewpartner auch, welche Musik sie hören, welche Apps sie mögen und welche Websites sie häufig besuchen.

Einblicke ins Twitter-Büro

Auch optisch ist "Offscreen" ein ansprechendes Heft, einen Einblick gibt unsere Bildergalerie. Die Fotostrecke "Where the Magic happens" gibt zum Beispiel Einblicke in die Firmengebäude von Unternehmen wie Twitter. Die Bilder in "Offscreen" wirken durchweg hochwertig, selbst die für Tech-Magazine scheinbar obligatorische Gadget-Seite ist so schick, dass man sich daran nicht groß stören kann.

Während viele Independent-Magazine Hobbyprojekte sind, ist "Offscreen" Kai Brachs Hauptberuf: Bei seinem Ein-Mann-Magazinprojekt ist er Unternehmer, Textchef und Blattmacher zugleich. Bevor Brach Anfang 2012 zum Heftmacher wurde, hat er rund zehn Jahre im Bereich Webdesign gearbeitet - dann hatte er genug und wollte "einfach Geschichten erzählen".

"Das Leben eines Verlegers kann ich mit einem Wort zusammenfassen", sagt Brach auf seinen Alltag angesprochen: "E-Mails." Täglich schreibe er unzählige Nachrichten, etwa, um mehr oder wenige bekannte Menschen zur Mitarbeit am Heft zu überreden. Leicht ist das nicht immer, denn Honorare zahlt Brach seinen Autoren in der Regel nicht. Dafür ist ein Artikel in "Offscreen" auch Werbung in eigener Sache.

Acht Sponsoren bezahlen den Druck

Finanziell sichert Brach sein Projekt über acht Sponsoren ab, die Druck- und Produktionskosten des Hefts tragen. "Wenn ich die Hefte vom Drucker bekomme, weiß ich, dass sie bereits bezahlt sind." Sein eigenes Einkommen bestreitet er dann durch den Verkauf der Hefte. "Das gibt ein gewisses Maß an Sicherheit", sagt Brach.

Dass die "Offscreen"-Redaktion nur aus ihm besteht, hat für den Magazinmacher Vor- wie Nachteile: "Da nur ich selbst für Entstehen des Heftes verantwortlich bin, bekomme ich all das Lob, die vielen freundlichen E-Mails", sagt er. Oft stehe er auch auf Bühnen, um über sein Magazin zu reden, auf Fachmessen wie der "Indiecon". Anderseits sei die Verantwortung hoch: "Wenn mal etwas falschläuft, bin ich der Einzige, der dafür geradestehen muss."

Was für eine Herausforderung das Magazinmachen ist, lässt sich gut in Kai Brachs Blog nachverfolgen, einer Art Making-of zum Magazin. Dort dokumentiert Brach zum Beispiel, welche Software er im Alltag verwendet, wie typische Tage ablaufen und wie seine finanzielle Situation aussieht. Derart viel Transparenz bietet kaum ein etabliertes Magazin.

So interessant das Projekt "Offscreen" ist, günstig ist das Magazin nicht: Die rund 150 gedruckten Seiten kosten online 22 Dollar inklusive weltweitem Versand. Dass es keine elektronische Variante des Hefts gibt, hat Kai Brach bewusst entschieden: "Wie der Name andeutet, ist 'Offscreen' ein Magazin, das erkundet, was abseits des Bildschirms passiert", heißt es auf der Heft-Website, "außerhalb unserer digitalen Welt." Man solle das Magazin daher auch offline lesen - in einer Umgebung, in der man nicht ständig abgelenkt sei.



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