Online-Angebote Beckstein will ARD und ZDF zügeln

Bayerns Ministerpräsident Beckstein will keine großen Text-Angebote von ARD und ZDF im Netz. Eine Konkurrenz zu den Online-Angeboten der Printmedien könne es nicht geben. SPD-Chef Beck sieht das anders - droht Krach in der großen Koalition?


Im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) verwies Beckstein (CSU) auf den Finanzierungsvorteil der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. "Die Verlage", so Beckstein weiter, "haben nun einmal nicht den Vorteil, dass sie ihre Angebote wie ARD und ZDF von Gebührenzahlern finanziert bekommen". Einen Verdrängungswettbewerb "zwischen der unabhängigen Presse und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk" könne sich niemand wünschen. Eine öffentlich-rechtlich finanzierte "unmittelbare Konkurrenz zu den Angeboten der Printmedien kann es nicht geben", so der bayerische Ministerpräsident im Gespräch mit der "FAZ".

Günther Beckstein: "Verdrängungswettbewerb kann sich niemand wünschen"
DPA

Günther Beckstein: "Verdrängungswettbewerb kann sich niemand wünschen"

Die öffentlich-rechtlichen Sender müssten sich "eine Grenzziehung gefallen lassen", sagte Beckstein weiter: "Nicht jedes Ratgeber-Angebot zu Haus und Hof, Garten und Herd fällt unter den öffentlich-rechtlichen Auftrag zur Grundversorgung, zumal im Internet."

Den Zensur-Vorwurf des ZDF-Intendanten Markus Schächter, wies Beckstein zurück. Man wolle das Internet für ARD und ZDF nicht "sperren", weil man den Sendern sonst ihre Zukunftsfähigkeit nehme. Schächter hatte im Rahmen der Mainzer Tage der Fernsehkritik gesagt: "Wer im Jahr 2008 den öffentlich-rechtlichen Sendern Textbeiträge im Internet verbieten will, steht unter Zensurverdacht."

Beckstein sagte in dem Interview, es müsse eine Begrenzung auf die Programme geben, die live und parallel ins Internet gestellt werden, sowie eine Beschränkung auf "sendungsbezogene" Inhalte. Zusätzlich schlug er eine zeitliche Begrenzung der verfügbaren Inhalte vor - er sprach von einem Zeitraum von sieben Tagen. Die finanzielle Begrenzung der Online-Ausgaben auf 0,75 Prozent der Gesamtetats der Sender könnten "ein Anhaltspunkt für die Zukunft" sein.

Die Bundesländer verhandeln im Augenblick über den zwölften Rundfunkänderungsstaatsvertrag, der auch das künftige Online-Angebot von ARD und ZDF regeln soll. Ein Arbeitsentwurf, der dafür Einschränkungen vorsieht, stieß bei den Intendanten von ARD und ZDF auf harsche Kritik - darunter der Zensur-Satz von Schächter. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) hatte die öffentlich-rechtlichen Anstalten in Schutz genommen. Man müsse ARD und ZDF online unterstützen, um im Internet "Inseln der Qualität" zu gewährleisten, so Beck.

Beckstein sieht das anders - was in der großen Koalition in Berlin noch für Streit sorgen dürfte. "Ich habe mir zuletzt die Internetangebote einiger Medien angeschaut", sagte der bayerische Ministerpräsident der FAZ, "und stelle fest, dass es nicht-gebührenfinanzierte Qualitätsangebote gibt. Das heißt, es gibt längst einen regen Wettbewerb und nicht ein Vakuum, das ARD und ZDF füllen müssten."

cis



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Seite 1
Severine1985, 15.04.2008
1. Was spricht gegen die Texte?
Zitat von sysopSollen ARD und ZDF ihre Gebührengelder in Textangebote im Internet stecken? Oder sich auf Radio und Fernsehen beschränken?
Ich lese lieber einen Text, als mir einen Film anzusehen oder eine Radiosendung zu hören. Anstatt die Tagesschau anzusehen, lese ich die Nachrichten auf tagesschau.de und fände es sehr schade und rückschrittlich, wenn dieses Angebot wegfallen würde.
DJ Doena 15.04.2008
2.
Sie sollten mal versuchen, den Großteil der sieben Milliarden in vernünftiges Programm zu stecken: Und bevor jemand mit dem Feigenblättchen arte/Phoenix kommt: Die kosten Peanuts.
kleiner-moritz 15.04.2008
3.
Zitat von sysopSollen ARD und ZDF ihre Gebührengelder in Textangebote im Internet stecken? Oder sich auf Radio und Fernsehen beschränken?
Nein, denn was nützt es, die doch meist dünnschichtige Berichterstattung auch noch aufzuschreiben? Die Anregung zu sehen reicht aus. Beim Deutschlandfunk finde ich es allerdings gut - ist aber nicht das Thema.
tomkater 15.04.2008
4.
Zitat von DJ DoenaSie sollten mal versuchen, den Großteil der sieben Milliarden in vernünftiges Programm zu stecken: Und bevor jemand mit dem Feigenblättchen arte/Phoenix kommt: Die kosten Peanuts.
Ich finde das Programm von ARD und ZDF um Klassen besser, als das, was RTL, Sat1 und Co zu bieten haben.
Severine1985, 15.04.2008
5. Was spricht gegen Texte?
Zitat von sysopSollen ARD und ZDF ihre Gebührengelder in Textangebote im Internet stecken? Oder sich auf Radio und Fernsehen beschränken?
Ich lese lieber einen Text, als mir eine Fernsehsendung anzuschauen oder Radio zu hören. Anstatt mir die "Tagesschau" anzusehen, nutze ich lieber das Internetangebot www.tagesschau.de. Warum wurde mein erster solcher Beitrag hier (mit gleichem Inhalt) eigentlich zensiert??
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