Vermeintliche Support-Anrufe Deutsche Fahnder bremsen Onlinebetrüger in Indien

Der Staatsanwaltschaft Osnabrück ist ein schwerer Schlag gegen Internetkriminelle gelungen. Die Täter hatten ihre Opfer mit vermeintlichen Hilfsangeboten per Telefon abgezockt.

Telefonanruf (Symbolbild)
DPA

Telefonanruf (Symbolbild)


Deutschen Fahndern ist bei einem Einsatz in Indien ein Schlag gegen Onlinebetrüger gelungen, die Tausende Deutsche mit vorgegaukelten Computerpannen abgezockt haben. Von einem Callcenter mit 250 Arbeitsplätzen in Kalkutta aus hätten die Betrüger mit Anrufen in englischer Sprache von abgelaufenen Lizenzen, Viren oder anderen Problemen berichtet, teilte die Staatsanwaltschaft Osnabrück am Montag mit.

Im Rahmen solcher Anrufe werden den Opfern auch bestimmte Details über ihren Computer mitgeteilt, um die Glaubwürdigkeit der Anrufer zu erhöhen. Um die angeblichen Probleme zu beheben bieten die Betrüger in den Gesprächen neue Software-Lizenzen und vermeintliche Reparaturprogramme an. Zudem fordern sie die Betroffenen auf, ein Fernsteuerungsprogramm herunterzuladen, das den Zugriff auf den Rechner ermöglicht.

Im Gegenzug werden die Opfer aufgefordert, 180 bis 250 Euro für diese Arbeiten zu überweisen. Der Staatsanwaltschaft zufolge seien die online in die Überweisungsmaske eingetragenen Beträge dann aber unbemerkt von den Betrügern erhöht worden.

Sollten sich die Angerufenen weigern, die geforderte Summe zu bezahlen, hätten die Täter Daten auf dem Rechner gelöscht oder den PC gar mit einem neuen Kennwort gesperrt.

Tausende Geschädigte

Bundesweit gibt es 7647 Geschädigte. Die Schadenssumme ist nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt gehen allerdings von einer Vielzahl weiterer Opfer aus, die den Betrug nicht den Behörden gemeldet haben. Die Betrüger sind mit der als Microsoft-Technical-Support-Calls bezeichneten Betrugsmasche laut Staatsanwaltschaft weltweit tätig.

Bei dem Einsatz in Kalkutta, bei dem ein Osnabrücker Staatsanwalt und drei LKA-Experten dabei waren, wurde das Callcenter stillgelegt und sämtliche Rechner sichergestellt. Sieben Beschuldigte, die Vermieter und Betreiber des Callcenters, befinden sich in Haft.

Unmittelbar nach dem Einsatz in Indien ist die Zahl der gemeldeten Betrugsfälle merklich zurückgegangen und seither nicht wieder angestiegen. Die Betrüger mussten also einen herben Rückschlag hinnehmen, sind aber immer noch aktiv.

Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

mak/dpa

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Oberleerer 05.09.2016
1.
Deswegen Internetführerschein. Die Menschen bekommen Geräte in die Hand gedrückt und wissen nichts über die Funktion und einhergehende Gefahren. Viel größere Firmen laden bei den Leuten das gesamte Privatleben herunter, brechen das Fernmeldegeheimnis, verfolgen die Position der Bürger auf Schritt und Tritt.
rst2010 05.09.2016
2. wie enttäuscht die burschen in indien immer sind
wenn sie nach einer halben stunde und vielen mühen erfahren, dass sie an einem linux rumzudoktern versuchen ...
Selbstzweck 05.09.2016
3. super
Die Burschen waren echt penetrant und haben immer wieder angerufen. Ihre Webseite sah ulkig aus.
hdudeck 05.09.2016
4. Sie scheinen den Artikel entweder nicht gelesen oder
Zitat von rst2010wenn sie nach einer halben stunde und vielen mühen erfahren, dass sie an einem linux rumzudoktern versuchen ...
verstanden zu haben. Vielleicht filtert auch ihr Linux zu viel Information aus dem Artikel herraus. Die Anrufer haben nicht versucht irgentwie rumzudoktern sonder Geld aus den Leuten rauszukitzeln und zu deren Computer zu infekten, geradezu das Gegenteil von rumdoktern. Hier schreibt mal wieder ein aroganter linuxer der glaubt ueber den Rest der Computernutzter zu stehen.
stianoph 05.09.2016
5.
So so... na denn... Hatte letzte Woche einen Anruf aus Griechenland und zwei aus Kasachstan mit der Masche...
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