Online-Brief Post arbeitet Anmeldungen langsam ab

Bis zu sechs Tage braucht die Post, um eine Anmeldung für den E-Postbrief umzusetzen - die Nachfrage sei so hoch. Die Stiftung Warentest kritisiert die Anmeldung als umständlich, Anwälte wundern sich über die eigenwilligen Geschäftsbedingungen des Webpostkastens.

E-Brief (Erklärgrafik der Deutschen Post): Zustellung digital oder auf Papier

E-Brief (Erklärgrafik der Deutschen Post): Zustellung digital oder auf Papier


Einige Postkunden warten immer noch auf ihre Adressen für den E-Postbrief. Der Konzern verspricht rechtssichere Briefe per zertifizierter E-Mail, verlangt von den Kunden aber eine arg umständliche Anmeldeprozedur. Nun bestätigt eine Post-Sprecherin der Nachrichtenagentur AFP: Statt bis zu vier müssen Kunden eher bis zu sechs Tage auf die Registrierung warten - wegen des "großen Andrangs". Die Stiftung Warentest kritisierte das Anmeldeverfahren schon zum Start: es sei "umständlich" und könne dauern.

Kritik provozieren auch die Geschäftsbedingungen der Post für den Dienst. So steht in dem Dokument zum Beispiel: "Der Nutzer wird daher aufgefordert, mindestens einmal werktäglich den Eingang in seinem Nutzerkonto zu kontrollieren." Das nennt der Anwalt Udo Vetter einen "weitgehenden Eingriff in den Lebensbereich der Kunden". Beim normalen Postbrief sei dies nicht so eng gefasst.

Auch andere Passagen der Geschäftsbedingungen sind überraschend. Da versichern die Kunden zum Beispiel, keine "Inhalte im System" einzustellen, die "das Ansehen der DPAG schädigen können" - gemeint ist die Deutsche Post AG.

Ein Postsprecher kündigte im Blog des Journalisten Richard Gutjahr an, man werde auf Kritik "eingehen", bislang hat sich das Unternehmen nicht geäußert.

Die Deutsche Post hatte den E-Postbrief Mitte Juli gestartet. Er kostet wie der traditionelle Brief 55 Cent - egal ob er im Internet abgeschickt und dann in Papierform ausgetragen oder vollständig elektronisch übermittelt wird.

Für den Versand von Online-Briefen berechnet die Deutsche Post wie für den klassischen Brief 55 Cent. Andere Anbieter der De-Mail haben angekündigt, diese Gebühr deutlich niedriger festzulegen. Die Post bietet auch den sogenannten hybriden E-Postbrief an, bei dem die Sendung für nicht dort registrierte Empfänger in ausgedruckter Form im Briefkasten eingeworfen wird. Zusatzleistungen wie Einschreiben oder Farbausdrucke werden extra berechnet. "Wir erreichen jeden", sagte Gerdes. Das neue System mache E-Mails "genauso verbindlich, vertraulich und verlässlich" wie herkömmliche Briefe auf Papier.

Neben der Deutschen Post bieten auch andere Unternehmen wie die Deutsche Telekom, GMX und Web.de das neue De-Mail-Verfahren an. Bei den Wettbewerbern können sich Verbraucher bislang aber nur Adressen für den Internetbriefversand reservieren. Die Unternehmen wollen ab dem kommenden Jahr ein Konkurrenzangebot starten. Online-Briefe sollen den rechtssicheren Briefverkehr über das Internet ermöglichen, etwa zwischen Verbrauchern und Behörden oder Unternehmen. Die Bundesregierung muss hierfür aber noch die Regularien festlegen. Bislang ist de De-Mail noch ein Entwicklungsprojekt, auch die Post will den Dienst aber anbieten - geht nur schon einmal voran, ohne gesetzliche Grundlage.

Auch United Internet (GMX, Web.de) hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass Kunden ab sofort Hybrid-Mails nutzen können, bei denen per Internet versandte Online-Briefe an zentraler Stelle ausgedruckt und weiterversandt werden. Die Dienstleistung soll inklusive Druck, Kuvert, Porto und Zustellung ab 54 Cent kosten.

Die Deutsche Post konnte eigenen Angaben zufolge zudem bereits 50 Geschäftskunden für ihr Vorhaben gewinnen, darunter die Versicherer Allianz und das Software-Unternehmen SAP. Sie wollen unter anderem Gehaltsabrechnungen künftig per Online-Brief verschicken und Kunden schneller vertrauliche Schreiben zusenden.

lis/ddp/dpa

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