Online-Drogenhandel Ermittler schließen kriminelle Chatgruppen auf Telegram

Der Messenger Telegram hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Darknet-Alternative entwickelt, auf der diverse Drogen gehandelt werden. Nun gelang Ermittlern ein Erfolg gegen die Szene.
Dieses Bild steht seit Freitagmorgen in den abgeschalteten Gruppen

Dieses Bild steht seit Freitagmorgen in den abgeschalteten Gruppen

Foto: Bundeskriminalamt

Bis tief in die Nacht von Donnerstag auf Freitag sind Ermittler deutschlandweit gegen Drogenhandel über den Messenger Telegram vorgegangen. Razzien in insgesamt 30 Objekten waren Teil einer von Cybercrime-Ermittlern geführten Aktion gegen 13 Männer, die über die Chat-App Drogen verkauft oder den Handel damit ermöglicht haben sollen.

"Der Drogenhandel auf Telegram ist eine relevante Darknet-Alternative geworden", sagt Staatsanwalt Benjamin Krause von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) in Frankfurt am Main. Tatsächlich hat sich in den vergangenen Jahren ein offenbar florierender Markt für den Drogenhandel über Telegram entwickelt.

In verschiedenen, häufig regional angepassten Kanälen und Gruppen werden Drogen mehr oder weniger offen beworben. Auf den ersten Blick sehen die Gruppen oft nicht anders aus als Gruppen zu legalen Themen. Kommuniziert wird mit Emojis, kurzen Videos und Sprachnachrichten. "Diese Gruppen sind bewusst kundenorientiert angelegt", sagt Staatsanwalt Krause.

Tausende Mitglieder

Den Ermittlern ist es mit der koordinierten Aktion nun jedoch gelungen, neun soche Gruppen zu übernehmen und den illegalen Handel dort zu stoppen, wie sie in einer Pressemitteilung erklärten. Die Gruppen hatten insgesamt rund 8000 Mitglieder und trugen eindeutige Namen, die beispielsweise an ältere Drogenmarktplätze im Darknet wie "Silk Road" angelehnt waren.

Bei den Razzien beschlagnahmte Drogen

Bei den Razzien beschlagnahmte Drogen

Foto: Bundeskriminalamt

In den Gruppen wurde größere Mengen Drogen verkauft, heißt es aus Ermittlerkreisen. Gehandelt wurden demnach vorwiegend mit Cannabis und Kokain. Bei den Razzien wurden vier Kilogramm Drogen, acht Waffen, 8000 Euro Bargeld und diverse Datenträger beschlagnahmt, heißt es.

Einige der Beschuldigten sollen als Betreiber der Gruppen fungiert haben, andere sollen ihre Waren in den Gruppen als "verifizierte Händler" angeboten haben. Die Ermittler hoffen, in einem zweiten Schritt auch gegen die Kunden vorgehen zu können, heißt es von der Staatsanwaltschaft.

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Ein digitales Plakat soll abschrecken

Die Ermittler haben in den Gruppen ein Sicherstellungsbanner veröffentlicht, wie es sonst bei Ermittlungen gegen Darknet-Schwarzmärkte verwendet wirdt. "Es sollte klar sein, dass es weder im Darknet noch in den alternativen Kanälen einen rechtsfreien Raum gibt", sagte Benjamin Krause dazu, dass man nun auch dezidiert den Drogenhandel auf Telegram ins Visier nehme. Die ZIT hat in der Vergangenheit bereits mehrfach Darknet-Schwarzmärkte für Drogenhandel vom Netz genommen.

Auch Waffen und Computer wurden beschlagnahmt

Auch Waffen und Computer wurden beschlagnahmt

Foto: Bundeskriminalamt

Die Ermittlungen gegen den illegalen Handel auf Telegram liefen laut Pressemitteilung seit Juni dieses Jahres. "Wir haben diese Gruppen über einen längeren Zeitraum überwacht", so Krause. Neben der ZIT und dem Bundeskriminalamt, die den Ermittlungskomplex koordinieren, waren deutschlandweit mehrere weitere Staatsanwaltschaften und Polizeidienststellen an der Aktion beteiligt.

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