Online-Filmshops Disney erlaubt permanente, portable Film-Downloads

Als erste Filmfirma spielte kürzlich der Pornovertrieb Vivid Medienpionier und kündigte an, über das Web brennbare Videodateien vertreiben zu wollen. Während sich die großen Studios noch zieren, wagt Disney-Chef Bob Iger den nächsten Schritt.


Am liebsten wäre den Chefs der Filmindustrie eine Art virtuelles Videothekenmodell: Der Kunde ruft on demand seine gewünschten Filme ab, zahlt und bekommt einen gewissen Zeitraum, in dem er sich die Ware ansehen kann. Dann verfällt die Datei.

Mut zum Risiko: Robert A. Iger, der neue am Ruder von Disney
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Mut zum Risiko: Robert A. Iger, der neue am Ruder von Disney

Der Film mit Ablaufdatum, per DRM-Software davor geschützt, vervielfältigt, verteilt oder gar gebrannt zu werden, war die erste virtuelle Ware, mit der die Filmbranche ihre Kundschaft direkt belieferte. Schön und gut ist das, aber wohl nicht genug, denn Cineasten sind Sammler: Ihre Sammelleidenschaft hat der Filmbranche in den letzten Jahren volle Kassen beschert, obwohl an den Kinokassen anhaltend Flaute herrschte. Längst jedoch macht Hollywood weit mehr Geld mit DVDs als im Kino.

Da lockt natürlich auch der Download-Markt, verspricht er für die Studios doch noch einmal höhere Renditen. Vervielfältigung, Lagerhaltung, Logistik und Handel entfallen und natürlich - siehe Musikmarkt - ist es wenig wahrscheinlich, dass die Firmen diese Vorteile gänzlich als Preisnachlass an den Kunden weitergeben. Dazu jedoch kommt die Angst, das eigene Geschäft zu kanibalisieren.

So hat derzeit offiziell keiner der großen Filmvertriebe Pläne, Filme zum Download und Brennen zur Verfügung zu stellen - das überlässt die Industrie den schmuddeligen Verwandten aus der Pornobranche. Mitte Mai gab das Pornounternehmen Vivid bekannt, den Schritt zu brennbaren Filmdownloads wagen zu wollen. Die Filmbranche wird mit Interesse beobachten, wie sich das auf den Verkauf auswirkt.

Schrittweise zum virtuellen Vertrieb

Ein kleinen Schritt in diese Richtung unternimmt nun auch Disney, die ihr Angebot von Filmdownloads (über den gleichen Onlinehändler wie Vivid, CinemaNow) um die Option einer permanenten Datei ohne Ablaufdatum erweitern. Die lässt sich also auf dem Rechner speichern und beliebig oft ansehen.

Disney folgt damit dem Beispiel der anderen Majors, die seit April über den Downloaddienst Movielink vergleichbare Angebote machen. Die allerdings sind auch ein prächtiges Beispiel dafür, wie groß die Angst der Branche vor ihrer eigenen Courage tatsächlich ist: Verkauft werden die permanenten Downloads für Preise zwischen 20 und 30 Dollar pro Stück - und sind damit teils deutlich teurer als entsprechende DVDs. Preise, die garantiert kaum jemand zu zahlen bereit ist, sind ein prächtiges Mittel, den Erfolg zu verhindern.

So wie DRM-Systeme, die die Bewegung der Dateien verhindern: Sinnvoll ist ein reiner Datei-Download nur, wenn die Datei beispielsweise auf portable Geräte bewegt oder zum Fernseher gestreamt werden kann. Genau das aber will CinemaNow bis Ende Juni implementieren - womit die Zukunft des kommerziellen Film-Downloads wirklich beginnt. Denn auch Disneys Filme wird man dann auf dem Fernseher sehen können - zugespielt ab Festplatte, nicht DVD. Movielink verhandelt derweil mit den konkurrierenden großen Studios, um vergleichbares anbieten zu können. Bis 2007, glaubt man bei Movielink, sollte es soweit sein.

pat/AP



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