Online-Fotodienst Twitpic lässt Nutzer im Unklaren

Der Foto-Dienst Twitpic verwirrt seine Nutzer mit dem Kleingedruckten: Die mehrfach geänderten Nutzungsbedingungen erlauben eine Weitergabe an Dritte, womöglich gegen Geld - von dem die Fotografen nichts sehen. Selbst Juristen sind ratlos.

Twitpic-Nutzerin Demi Moore: Deal zur Vermarktung von Celebrity-Fotos

Twitpic-Nutzerin Demi Moore: Deal zur Vermarktung von Celebrity-Fotos


Hamburg - Jetzt soll alles nicht so gemeint sein: Der Online-Fotodienst Twitpic hat nach der Ankündigung eines umstrittenen Lizenzierungs-Abkommens mit einer Bildagentur seine Nutzungsbedingungen erneut geändert. Die Agentur "Wenn" und Twitpic hatten mitgeteilt, dass künftig von Berühmtheiten auf Twitpic hochgeladene Fotos exklusiv und weltweit vermarktet würden.

Wie die "New York Times" nun berichtet, soll der Deal mit der Bildagentur "Wenn" die Fotos von einigen Hundert Promis umfassen. Ob diese an den Einnahmen beteiligt werden, ist unklar. Twitpic hat auf mehrere Anfragen, auch von SPIEGEL ONLINE, bis heute nicht reagiert. Dabei wäre das dringend notwendig, um Unklarheiten zu beseitigen.

Twitpic hatte sich in die "Terms of Service" offenbar kurz zuvor einen Passus geschrieben, der eine Lizenzierung der Nutzerfotos an Dritte erlaubt. Dabei ist es allerdings geblieben, auch wenn der Urheber nun stärker betont wird. Die strittige Passage wurde nicht geändert, auch in der neuen Version der Nutzungsbedingungen erlaubt sich Twitpic, hochgeladene Fotos weiterzugeben. Damit sei eine recht weitgehende Vermarktung möglich, so die erste Einschätzung eines Fachanwalts für Urheber- und Medienrecht, der sich die Nutzungsbedingungen angesehen hat.

In einem Blogeintrag erklärt Firmenchef Noah Everett, das geschehe alles nur zum Wohle der Nutzer. Denn in der Vergangenheit seien Nutzer-Fotos widerrechtlich von Twitpic kopiert und genutzt worden. Als Beispiel nennt Twitpic-Chef Everett das Foto einer großen Passagiermaschine, die im Hudson River in New York notlanden musste. Twitpic-Nutzer Janis Krums schoss das Bild - das anschließend um die Welt ging. Viele kommerzielle Websites hätten die spektakuläre Aufnahme ohne die Erlaubnis des Nutzers verwendet. Deswegen haben man sich mit Organisationen zusammengeschlossen, um "berichtenswerte Inhalte in angemessener Weise" zu verbreiten.

Unklar formulierte Nutzungsbedingungen

Genau das passierte womöglich, als eine Twitpic-Nutzerin vor einer Woche den Start des US-Space-Shuttles Endeavour fotografiert, aus einem Flugzeug heraus, über der Wolkendecke. Während Stefanie Gordon von einigen Nachrichtenorganisationen direkt kontaktiert wurde und zum Teil auch Geld für die Nutzung ihres Fotos bekam, gaben andere Medien als Bildquelle nur "Twitpic" an, nicht die Fotografin.

Gordon war enttäuscht - doch offenbar erlauben die Twitpic-Nutzungsbedingungen es so: Medien müssen bei Twitpic um Erlaubnis fragen, wenn sie ein Foto verwenden wollen. Den Urheber brauchen sie hingegen nicht zu nennen, so sehen es die "Terms of Service" vor. Weil Twitpic bisher aber nicht auf Anfragen reagiert hat, ist unklar, inwiefern das Unternehmen in diesem Fall die Nutzung des Fotos genehmigt oder sich sogar hat bezahlen lassen.

Was genau Twitpic sich mit den "Terms of Service" erlaubt, ist bisher unklar: Mehrere Juristen weisen darauf hin, dass in den Nutzungsbedingungen eine klare Definition des "Service" fehlt, auf den fortwährend Bezug genommen wird. Die Wortwahl sei verwirrend und irreführend, kritisiert der US-Anwalt Paul Jacobson. Auch wenn eine kommerzielle Verwertung der Bilder nicht explizit genannt sei, deuteten die Klauseln daraufhin, dass Twitpic genau dies vorhaben könnte.

Das hatte Twitpic-Chef Noah Everett auch angekündigt.

ore

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deedl 24.05.2011
1. LoL
Zitat von sysopDer Foto-Dienst Twitpic verwirrt seine Nutzer mit dem*Kleingedruckten:*Die mehrfach geänderten Nutzungsbedingungen erlauben eine Weitergabe an Dritte, womöglich gegen Geld - von dem die Fotografen nichts sehen. Selbst Juristen sind ratlos. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,761838,00.html
Juristen sind ja sonst auch bekannt dafür, immer zu logischen und eindeutigen Schlüssen zu kommen ...
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