Online-Keksverkauf Pfadfinder wollen Wohltätigkeitsaktion stoppen

Die achtjährige Wild Freeborn hat ein großes Ziel: Ihre ganze Pfadfindertruppe will sie ins Sommercamp einladen. Das nötige Geld will sie durch den Verkauf von Keksen verdienen - per Internet. Den Pfadfinderführern war das zu modern: Sie stoppten die Geschäftsidee.


Wild Freeborn mag zwar erst acht Jahre alt sein, aber wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, lässt sie sich nicht so leicht davon abbringen. Im vergangenen Jahr, so erzählt sie im TV-Interview, habe sie mit einer Freundin Kataloge von Sommercamps gewälzt. So eine Sommerreise "wäre ein großer Spaß", da waren sich die Mädchen schnell einig, doch woher sollte das dafür nötige Geld kommen?

Wild Freeborn: Mit Online-Video für Pfadfinderkekse geworben

Wild Freeborn: Mit Online-Video für Pfadfinderkekse geworben

Die Lösung war schnell gefunden: Der Verkauf von Keksen, sogenannten Girl Scout Cookies, sollte die Aktion finanzieren. In den USA ist das vollkommen üblich: Um etwas Gutes für die Gemeinschaft zu tun, ziehen Pfadfinder von Tür zu Tür, bieten ihren Nachbarn Kekse zum Kauf an, stehen vor Supermärkten, um ihr Gebäck loszuschlagen. Die Einnahmen fließen in die Kassen der Pfadfinderorganisation. Seit rund 100 Jahren macht man das so.

Doch dass das für sie nicht funktionieren würde, wurde dem Mädchen aus dem US-Bundesstaat North Carolina schnell klar. 12.000 Packungen müsse sie verkaufen, um die Gruppenreise finanzieren zu können, rechnete Wild aus, eindeutig zu viel, um ihr Ziel durch Klinkenputzen zu erreichen.

Online-Werbung statt Klinkenputzen

Die kleine Wild griff zu einer naheliegenden Lösung, bat ihren Vater, einen Webdesigner, um Hilfe. Und die gewährte Bryan Freeborn nur zu gerne. Im Wohnzimmer nahm er eine kurzes Werbevideo auf, in dem seine Tochter die Pfadfinderkekse anpreist. In dem 36-Sekunden-Clip erklärt die Achtjährige nicht nur, weshalb sie 12.000 Kekspackungen verkaufen will, sondern preist auch noch den tieferen Sinn solcher Kekskäufe an. Mit den so erwirtschafteten Geldern würde Kindern aus armen Familien die Mitgliedschaft bei den Pfadfindern ermöglicht - und natürlich seine die Kekse einfach "Yummy", also lecker.

Das auf YouTube veröffentlichte Werbevideo kam gut an, sorgte dafür, dass Wild ihrem Vater zufolge binnen kurzer Zeit rund 800 Kekspackungen zu je 3,50 Dollar verkaufen konnte. Das kleine Mädchen mit dem ungewöhnlichen Namen war auf dem richtigen Weg.

Die Pfadfinder bremsen das Erfolgskonzept

Bis die Pfadfinder davon Wind bekamen. Denen nämlich ist das moderne Treiben ihres jungen Mitglieds viel zu voreilig. Den Statuten der Girl Scouts zufolge sind Online-Verkäufe den Pfadfinderinnen verboten. Diese Einschränkung aber würde im Fall von Wild Freeborn gar nicht greifen, argumentiert ihre Vater. Schließlich hätten Wild und Bryan ihr Keksangebot bewusst auf ihre Heimatstadt Asheville begrenzt. Bestellungen werden nur persönlich gegen Barzahlung ausgeliefert. Anfragen aus anderen Städten oder Staaten werden abgelehnt. Als Online-Handel könne man dieses Verfahren kaum bezeichnen, so Freeborn.

Versuche der Pfadfinderorganisation, die Online-Aktion zu stoppen, wirken etwas ungeschickt. So bat man Bryan Freeborn zwar, das Werbevideo von YouTube zu entfernen, was dieser auch sofort tat. Die Kekse-Bestellseite aber, die der Vater auf der Webseite seiner Firma eingerichtet hat, ist weiterhin erreichbar.

Und das dürfte auch sinnvoll sein, denn im CNN-Interview erklärt Freeborn, das Video habe er zwar aus YouTube gelöscht, es sei jedoch mittlerweile von etlichen Websites kopiert und weiterverbreitet worden. Auch er selbst scheint dazu beizutragen, dass das Filmchen zu sehen bleibt. So ist es beispielsweise noch auf Facebook zu bestaunen, eingestellt von einem Nutzer namens Bryan Freeborn.

Kekse für die Community

Damit nicht genug: Im Web sammeln sich immer mehr Begeisterte, die die Idee der Freeborns unterstützen. So haben Studenten der University of North Carolina Asheville eine Facebook-Seite geschaffen, die das Vorhaben erklärt und auf die Bestellseite verlinkt. 320 Mitglieder hat diese Gruppe mittlerweile. Und auch im Microblogging-Dienst Twitter soll die Kunden von der kleinen Keksverkäuferin schon die Runde gemacht haben.

Vor allem aber machen Blogger aus Asheville selbst nun Werbung für die Aktion. So wie beispielsweise Jennifer Saylor, die sich nicht nur über das Verhalten der Pfadfinderorganisation ereifert, sondern auch zum Kekskauf auffordert.

Und so muss man das Vorhaben der Freeborns zumindest aus Sicht des Vaters als Erfolg werten. Dessen Firma empfiehlt sich außer für Webdesign auch für Marketing - und das dürfte in diesem Fall wohl als gelungen bezeichnet werden. Die achtjährige Wild freut sich unterdessen, dass sie vom Fernsehsender CNN nach New York eingeladen wurde und ist sich sicher, dass es schon klappen wird mit den 12.000 Packungen Keksen. Zu wünschen wäre es ihr.

mak



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