Online-Kooperation Scharfe Kritik an Werbung neben WDR-Videos auf WAZ-Webseiten

Seit kurzem zeigt das Webangebot des WAZ-Verlages Videoclips des WDR. Daneben blinken munter Werbebanner. Und das, obwohl der öffentlich-rechtliche Riese angekündigt hatte, seine Videos würden werbefrei präsentiert. Politiker fordern eine Stopp der Kooperation, der WDR winkt ab.
Von Robin Meyer-Lucht

Als die beiden nordrhein-westfälischen Mediengroßkonzerne WAZ und WDR im März dieses Jahres ihre Online-Kooperation bekannt gaben, war die Skepsis groß: Meinungskartell, mangelnde Trennung von privaten und öffentlich-rechtlichen Online-Angeboten oder Eingriff in die Zuliefermärkte lautete der Tadel (siehe Kasten "Zehn Argumente"). Befürworter betonten hingegen, der öffentlich-rechtliche Qualitätsjournalismus brauche neue Bündnisse im Netz.

Nun stehen die ersten WDR-Videos auf dem WAZ-Portal "DerWesten" – und bestätigen die Befürchtungen der Kritiker: Auf den gleichen Internet-Seiten, auf denen die WDR-Videos abgespielt werden, blinken Werbebanner  (siehe Fotostrecke unten).

Das WDR-Material wird zum Werbeumfeldprogramm. Im Netz stehen der Name WDR und Werbung auf einer Seite. Auf diese Weise wird das Werbeverbot der Öffentlich-Rechtlichen im Internet aufgeweicht.

Die Politik ist nicht amüsiert: "Das ist nicht im Sinne des Erfinders", sagt Marc Jan Eumann, medienpolitischer Sprecher der SPD und zugleich Mitglied des WDR-Rundfunkrats: "Die Videos sollten auf werbefreien, eigenständigen Seiten laufen." FDP-Mediensprecher Hans-Joachim Otto fordert gleich die sofortige Aussetzung der Kooperation: Dass hier nicht einmal "minimale Zugeständnisse" eingehalten würden, zeige die "mangelnde Sensibilität" der Verantwortlichen.

WDR: "normales Verwerwertungsgeschäft"

Die WDR sieht dies erwartungsgemäß anders: "Entscheidend ist, dass mit unserem Beitrag nicht unmittelbar Werbung verbunden ist. Es darf keine Pre- oder Post-Roll-Werbung im Player-Fenster geben", sagt WDR-Sprecherin Gudrun Hindersin. "Die übrige Gestaltung der Internetseite ist Sache der WAZ." Die Kooperation ein normales Verwertungsgeschäft und unterlaufe nicht das Gebot der öffentlich-rechtlichen Werbefreiheit im Netz.

Dieser Argumentation schließt sich auch Katharina Borchert, die Chefredakteurin von "DerWesten" an. Sie argumentiert, dass die Seiten so vom WDR abgenommen wurden, wie sie jetzt im Web stehen. Borchert: "Der Gesetzgeber fordert lediglich, dass die Werbung nicht dem WDR zugerechnet werden kann." Wie das auszusehen habe, wurde von den Vertragspartner im Vorfeld offenbar klar geregelt. Paul Binder, Unternehmenssprecher der WAZ erklärt: "Wir halten uns genau an die mit dem WDR im 'Letter of Intent' vereinbarten Bedingungen: In die Videos selbst darf keine Werbung eingebunden werden. Wir halten diese Kooperation auch weiterhin für wegweisend."

Beobachter merken an, die Argumentation des WDR sei formaljuristisch wohl richtig. Es bedürfe aber politischer Diskussionen, was Werbefreiheit in integrierten Medienangeboten eigentlich genau bedeute. Die Werbefreiheit hatte der WDR allen Beteiligten zugesichert, als er die unter Vermittlung von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers entstandene Kooperation im März vorstellte.

RTL-Medienjurist Tobias Schmidt: "Es wird nicht das letzte Mal sein, dass uns der WDR mit der interpretatorischen Exegese seiner eigenen Aussagen Freude machen wird. Der WDR sollte aber wissen, dass ein solches Verhalten perspektivisch seiner Glaubwürdigkeit schadet - dass muss man sich vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen auch erst mal leisten können."

Für SPD-Mediensprecher Marc Jan Eumann steht die gesamte WAZ-WDR-Kooperation nun ohnehin in Frage: "Da die WAZ seit Anfang des Monat am Sender NRW.TV beteiligt ist, stellt sich die Frage, ob der WDR mit diesem Wettbewerber überhaupt noch zusammenarbeiten sollte."

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