Online-Musik Experten zweifeln an Phonoline

Bei BMG Deutschland hält man die mit großen Plänen gestartete Musikplattform Phonoline ökonomisch für gescheitert. Auch ein Musikshop erwägt, Phonoline den Laufpass zu geben. Die Plattform selbst sieht ihre Zukunft allerdings rosiger denn je.


"Um Phonoline steht es bestens", sagte der Sprecher der Label-übergreifenden Plattform für Musikdownloads im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Derzeit liege der Online-Musikgroßhändler hinter Apple in Deutschland auf Platz zwei, was die Zahl der verkauften Songs betrifft. Nach Spieseckes Angaben werden über Phonoline derzeit monatlich 150.000 Titel heruntergeladen. Deutschlandweit sind es über eine Million Titel pro Monat. Davon entfallen mehr als 500.000 auf Apples iTunes Music Store. AOL und T-Online (Musicload) sollen jeweils knapp 150.000 Songs verkaufen.

Maarten Steinkamp, Chef bei BMG Deutschland, hat eine ganz andere Meinung von dem Branchenportal. "Wir sehen Phonoline äußerst kritisch", sagte er in einem Interview mit dem Fachblatt "Musikwoche". "Wir müssten eigentlich das Geld, das wir in Phonoline gesteckt haben, zurückbekommen. Es ist ein Wahnsinn." Steinkamp erklärte, dass Phonoline in dieser Form ökonomisch gesehen keine Zukunft habe.

Spiesecke, der als Sprecher auch den Branchenverband IFPI vertritt, ficht das nicht an: "Der Online-Musikmarkt kommt richtig in Fahrt." Derzeit verkauft Phonoline über die drei Portale popfile.de, eventim-music.de und coke-musik.de kopiergeschützte MP3s. Hinzu kommen 30 so genannte Linkportale, die Phonoline nutzen.

Coke-music.de: Vier Codes für einen Song

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Die 150.000 abgesetzten Titel sind allerdings vor allem auf eine PR-Aktion von Coca Cola zurückzuführen, wie Spiesecke einräumt. Der Getränkekonzern hat Flaschenetiketten mit Codes bedruckt. Mit vier solcher gesammelter Codes kann ein Song gratis aus dem Internet heruntergeladen werden. Die Kosten der Aktion trägt Coca Cola.

Gegenwind bekommt Phonoline nicht nur von BMG. Auch der Konzertticket-Verkäufer CTS Eventim ist mit dem Musikgeschäft unzufrieden. "Wir verkaufen etwa 1000 bis 1500 Lieder am Tag, hatten aber eigentlich mit der zehnfachen Anzahl gerechnet", sagte CTS-Vorstandschef Klaus-Peter Schulenberg der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Auch finanziell lohne sich das Engagement nicht: "Wir zahlen bei jedem Download für 99 Cent 20 Cent drauf." CTS verhandelt nach eigenen Angaben bereits mit anderen Anbietern und will im Herbst über die weitere Zusammenarbeit mit Phonoline entscheiden.

Holger Dambeck



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