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11. August 2009, 10:52 Uhr

Online-Netzwerke

Facebook kauft FriendFeed, integriert Bing

Das Online-Netzwerk Facebook übernimmt den Web-2.0-Aggregator FriendFeed. Der Kaufpreis für den im Verhältnis zu Twitter relativ kleinen Dienst liege bei 50 Millionen US-Dollar, berichtet das "Wall Street Journal". Nun wird spekuliert, ob FriendFeed bald verschwindet.

Bar bezahlt würden von der Gesamtsumme von 50 Millionen nur 15 Millionen Dollar, der Rest werde in Facebook-Aktien ausbezahlt. Mit dem Kauf von FriendFeed hat das derzeit weltweit größte Online-Netzwerk jetzt einen Konkurrenten von Twitter übernommen. Ein Kaufangebot der Facebook-Gründer über 500 Millionen US-Dollar war von Twitter 2008 abgelehnt worden.

Friendfeed: Facebook kauft Aggregator

Friendfeed: Facebook kauft Aggregator

FriendFeed war 2007 von vier ehemaligen Google-Mitarbeitern gegründet worden. Die Idee: Nutzer sollten ihre Online-Aktivitäten an einem Ort gebündelt sichtbar machen und gleichzeitig miteinander kommunizieren können. Blogeinträge, Flickr-Fotos, Webshop-Wunschlisten, Lieblingslieder bei LastFM, Netz-Bookmarks bei del.icio.us und anderes (siehe Kasten am Ende des Artikels) kann FriendFeed gebündelt darstellen.

Das Konzept geht also weiter als Twitter, das Nutzern nur erlaubt, miteinander mit 140-Zeichen-Nachrichten zu kommunizieren. Unter anderem das komplexere Erscheinungsbild von Friendfeed mag jedoch viele Menschen bis auf einen harten Kern von Internet-Enthusiasten abgeschreckt haben: Der Dienst kam zuletzt laut Schätzungen auf knapp eine Million Nutzer, während es bei Twitter inzwischen rund 45 Millionen sein sollen.

Facebook ist ungleich größer, hat mehr als 250 Millionen Mitglieder. Bei dem Online-Netzwerk können Nutzer ihre Profile anlegen und miteinander kommunizieren. Im Lauf der Zeit hat Facebook zunehmend Funktionen in sein Angebot integriert, die stark an Friendfeed erinnern - auch dort kann man jetzt Web-2.0-Beiträge aus anderen Plattformen zusammenziehen. Auch deshalb wird bereits spekuliert, ob FriendFeed wohl demnächst von der Bildfläche verschwindet, und Facebook sich mit dem Deal eher Mitarbeiter und Know-How als eine Konkurrenzplattform zugelegt hat.

Zusätzlich zu dem Kauf von FriendFeed hat Facebook auch sein eigenes Angebot aufgestockt. Auf der englischsprachigen Seite kann man jetzt neben Profilen und Seiten von Facebookmitgliedern auch das Internet durchsuchen. Die Suchergebnisse stammen von Microsofts Suchmaschine, dem Google-Konkurrenten Bing. Microsoft besitzt einen kleinen Anteil an Facebook.

Nach der Allianz mit Yahoo ist die Integration von Bing in Facebook ein weiterer Schritt, mit dem der Software-Riese Google Marktanteile im Bereich Web-Suche abnehmen möchte.

Der Schritt ist strategisch klug: Marktanteile von Suchmaschinen werden in den USA als prozentuale Anteile an der Gesamtzahl der Suchanfragen ausgewiesen, nicht primär anhand von Nutzerzahlen. Social Networks generieren aber überproportional viele Seitenaufrufe, weil sich deren Nutzer weit überdurchschnittlich rege in diesen Netzen bewegen. Eine typische News-Seite bringt es auf vier bis sechs Seitenaufrufe ("page impression") pro Besuch ("visit"), Social Networks liegen üblicherweise im Bereich über 30 Seitenaufrufe pro Besuch.

mcc/dpa/reuters

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