Online-Office Adobe steigt in Textverarbeitung ein

Es ist ein Überraschungscoup: Der Software-Hersteller Adobe hat am Montag angekündigt, eine viel beachtete Online-Textverarbeitung zu übernehmen. Gleichzeitig gab Microsoft bekannt, künftig Mietsoftware gegen Monatsgebühren anbieten zu wollen.

Es sei die erste "echte Textverarbeitung für das Web", so unbescheiden bezeichnet die Herstellerfirma Virtual Ubiquity ihr Programm "Buzzword". In der Tat kann die Software einiges, womit Konkurrenzprodukte noch Schwierigkeiten haben. Vor allem die Integration von Bildelementen ist gut gelöst. Die Benutzeroberfläche hebt sich mit ihrem edlen schwarzen Look wohltuend von der Konkurrenz ab.

Zudem ermöglicht es Buzzword seinen Benutzern, Dokumente auf ihren Rechnern oder im Internet alleine oder in Gruppen auf gemeinsam zu bearbeiten.

Der für seinen Acrobat Reader und die Bildbearbeitungssoftware Photoshop bekannte US-Konzern kündigte Adobe kündigte nun an, Virtual Ubiquity für eine nicht genannte Summe zu übernehmen. Mit dem Schritt tritt Adobe auf diesem Sektor in Konkurrenz zu Firmen wie Microsoft, Google oder IBM.

"Wir haben nach einer Technologie gesucht, um ein modernes Textverarbeitungsprogramm zu erschaffen", sagte Erik Larson von Adobe. "Die gemeinsame Arbeit an einem Dokument ist ein ungelöstes Problem, und wir glauben, dass wir es lösen können."

"Was? Adobe?"

Melissa Webster von der Forschungsgruppe IDC sagte, die meisten Leute würden auf die Nachricht von Adobes Einstieg in den Markt mit den Worten reagieren: "Was? Adobe?" Sie wies darauf hin, dass Buzzword das gleiche Aussehen habe, egal, ob es als Programm auf dem Computer des Benutzers oder in einem Webbrowser laufe und ob es mit dem Internet verbunden sei oder nicht. Weder Microsofts Word noch Googles Google Docs könnten dies in dieser Form, sagte sie.

Bereits am Sonntag hatte Branchenprimus Microsoft seine neue Online-Strategie verkündet. Demnach will das Unternehmen seine Bürosoftware Office mittels des Web-Portals "Microsoft Office Live Workspace" erweitern. Das Angebot soll unter anderem Speicherplatz für eigene Webseiten und E-Mail-Konten bieten. Darüber hinaus sollen Office-Anwender, je nach gewähltem Paket, Dokumente untereinander austauschen beziehungsweise gemeinsam bearbeiten können. Zudem soll es möglich sein, über den Dienst von unterwegs auf heimische Office-Anwendungen zugreifen zu können. Um den Dienst voll nutzen zu können, ist allerdings eine Vollversion der Microsoft-Office-Programme notwendig.

Online-Office nur für Unternehmen

Derzeit befindet sich der Dienst noch in einer öffentlichen Beta-Phase und ist komplett kostenlos. Sobald der Dienst jedoch in den Regelbetrieb übergeht, sind Monatsgebühren von bis zu 32,99 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer fällig.

Ein echtes Online-Office will Microsoft dagegen ausschließlich Unternehmenskunden anbieten. Diese sollen, statt die Bürosoftware auf ihren Rechnern zu installieren, via Web auf Programme wie Word und Excel zugreifen. Dieses Angebot beschränkt der Windows-Hersteller allerdings auf Firmen mit mindestens 5000 PC-Anwendern. Eine echte Konkurrenz zu den Online-Angeboten von Google und Co. dürfte Microsoft damit nicht anstreben.

mak/Reuters

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