Umstrittene Personalie Dropbox-Nutzer protestieren gegen Condoleezza Rice

Dropbox steht in der Kritik, nachdem die Firma Condoleezza Rice in ihren Verwaltungsrat berufen hat. Auf Twitter und im Forum der Firma protestieren Nutzer gegen das Engagement der früheren US-Außenministerin.
Ehemalige US-Außenministerin Rice: Umstrittene Personalie

Ehemalige US-Außenministerin Rice: Umstrittene Personalie

Foto: ? Mike Segar / Reuters/ REUTERS

New York - Normalerweise geht es im offiziellen Dropbox-Forum  um technische Probleme, etwa um versehentlich gelöschte Dateien oder aktuelle Sicherheitslücken. Momentan jedoch finden sich auf der Diskussionsplattform auffällig viele kritische Einträge, mit Zeilen wie "Auf Wiedersehen", "Habt ihr den Verstand verloren?" und "Ich werde meinen Account kündigen".

Grund für den Nutzeraufstand ist die jüngste Personalentscheidung des Speicherdienstes: Am Mittwoch hatte Dropbox bekanntgegeben , dass das Unternehmen Condoleezza Rice in seinen Verwaltungsrat beruft. Rices Firma RiceHadleyGates soll Dropbox schon zuvor beraten haben .

Rice ist in den USA seit Jahren eine umstrittene Persönlichkeit. Vor ihrer Zeit als Außenministerin war sie in der Regierung von George W. Bush dessen Nationale Sicherheitsberaterin. Aus diesem Grund gilt Rice als mitverantwortlich für den Ausbau des staatlichen Überwachungsapparats nach den Anschlägen vom 11. September 2001.

Die Welle der Empörung, mit der sich Dropbox nun konfrontiert sieht, geht so weit, dass Nutzer Rice als Kriegsverbrecherin bezeichnen oder Hitler-Vergleiche bemühen. Doch abgesehen von Beschimpfungen wird auch aktiv gegen ihr Engagement vorgegangen: So steht mit "Drop Dropbox" bereits eine Anti-Rice-Website  im Netz, die mithilft, bei Twitter den Hashtag #DropDropbox zu etablieren.

Rice soll bei Firmenexpansion mithelfen

Dropbox hatte die Berufung von Rice per Blogpost bekanntgegeben . Laut Mitgründer Drew Houston soll die Politikerin helfen, die weltweite Expansion von Dropbox voranzutreiben. Houston verweist in seinem Post unter anderem auf ihre Tätigkeit in den Verwaltungsräten des Computerbauers Hewlett-Packard und der Finanzfirma Charles Schwab: "Wir fühlen uns geehrt, jemand so brillantes und verdienstvolles wie Dr. Rice in unserem Team willkommen heißen zu können."

Dropbox bietet die Möglichkeit, Dateien online zu speichern und von verschiedenen Geräten aus abzurufen. Die Firma verdient ihr Geld mit Gebühren für zusätzlichen Speicherplatz. Dropbox hat mehr als 200 Millionen Nutzer und gehört zu den prominentesten Unternehmen des Silicon Valley. Immer wieder wird über einen möglichen Börsengang spekuliert.

Im September hatte sich Dropbox der Forderung anderer US-Technologiekonzerne nach mehr Transparenz bei Geheimdienstanfragen angeschlossen. Mitgründer Houston gehörte außerdem zu den Firmenchefs, die im März bei Präsident Barack Obama eingeladen waren, um über den NSA-Skandal zu sprechen. Die Firmen fürchten, dass sie das Vertrauen ihrer Nutzer insbesondere im Ausland verlieren könnten, nachdem die weitreichende Internet- und Telefonspionage des US-Geheimdienstes bekannt geworden ist.

mbö/dpa
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