Online-Statistik Die YouTube-ifizierung Europas

Online-Filmchen sind populär wie nie. Vor allem Briten und Franzosen lassen sich gern von den meist selbstgemachten Clips unterhalten. Durch die zunehmende Verbreitung schneller Internet-Zugänge landen die Video-Quickies in Millionen Wohnzimmern.

Als hätte man sich abgesprochen: Passend zum Bohei um die YouTube-Fragerunden der demokratischen Präsidentschaftskandidaten in den USA meldet der Branchenverband Bitkom statistische Auswertungen über die Nutzung von Online-Videos in den Ländern der Europäischen Union.

Eine vom Bitkom in Auftrag gegebenen Erhebung des Marktforschungsunternehmens Comscore habe ergeben, dass zwei Drittel der deutschen Internetnutzer (ganz genau: 71 Prozent) sich Web-Videos anschauen. Besonders beliebt seien bei der sanften Berieselung per Internet privat gedrehte Clips, gefolgt von TV- und Kinoproduktionen.

Im internationalen Vergleich liegen die deutschen Online-Glotzer aber nicht auf demselben Niveau wie die anderen von Comsore untersuchten Nationen. Spitzen-Glotzer sind laut Studie die Briten, die sich zu 83 Prozent dazu bekennen, die meist kurzen Filmschnipsel im Internet zu betrachten. Dicht gefolgt von den Franzosen, bei denen der Anteil der Videogucker auf 80 Prozent taxiert wird. In den USA, dem Mutterland aller Web-Videos, lassen sich immerhin 74 Prozent der Online-Nutzer von Webfilmchen berieseln.

DSL und Co. treiben die Entwicklung voran

"Zu dieser Entwicklung hat vor allem die Verbreitung schneller Internetanschlüsse beigetragen", sagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. Nach Angaben des Verbands wird bis 2008 jeder zweite deutsche Haushalt über einen Hochgeschwindigkeits-Internetanschluss verfügen. Damit setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort. Seit 2004 habe sich die Zahl der schnellen Web-Zugänge verdreifacht, so der Bitkom. Vor drei Jahren lag deren Anteil noch bei zwölf Prozent. Als Grund für die zunehmende Popularität von DSL und Co. sieht der Bitkom die Preisstürze auf dem Breitband-Markt.

Etwas weit hergeholt wirkt allerdings die Annahme, steigende Marktanteile von Notebooks hätten ebenfalls einen signifikanten Einfluss auf die Popularität von Videoportalen. Schließlich, so die Bitkom-Begründung, könne man die jetzt nahezu überall aufrufen. Bislang fehlen jedoch verlässliche Angaben darüber, was die Käufer dieser vielen Mobilrechner mit ihren Kisten tatsächlich anfangen und wie deren mobile Nutzung wirklich aussieht.

Eine europaweite Studie des Marktforschungsunternehmens GfK NOP ergab, dass Notebooks in erster Linien in der Bahn, dem Auto und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln genutzt werden, Plätzen also, die meist nicht mit dem Internet verbunden sind. Wer aber doch einen per W-Lan vernetzten Standort, etwa ein Restaurant oder Café, aufsucht, versorgt sich dort vornehmlich mit Wettervorhersagen, Reiseinformationen oder E-Mails.

Web-Videos scheinen primär am Arbeitsplatz oder zu Hause abgerufen zu werden - Orten, an denen man online gehen kann, ohne auf ein Laptop angewiesen zu sein.

mak

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