Jugendschutz Pornoseiten im Visier der Medienwächter

Die Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen will gegen ausländische Pornoseiten vorgehen - weil sie vielfach das Alter ihrer Nutzer nicht überprüfen.

Viele populäre Porno-Webseiten sind ohne Altersprüfung erreichbar
Federico Gambarini/ DPA

Viele populäre Porno-Webseiten sind ohne Altersprüfung erreichbar


Die Landesanstalt für Medien (LMA) in Nordrhein-Westfalen geht gegen in Deutschland populäre Anbieter von Onlinepornografie vor. Die Medienwächter vermuten einen Verstoß gegen den Staatsvertrag zum Jugendmedienschutz, weil die Anbieter bei den Nutzern keine Altersprüfung vornehmen.

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Wer ihre Adressen der fraglichen Anbieter in seinen Webbrowser eingibt, werde sofort mit harter Pornografie konfrontiert. Gleich mehrere dieser Anbieter gehören laut dem Web-Rankingdienst Alexa zu den 20 meist abgerufenen Seiten hierzulande.

Die Durchsetzung deutschen Rechts dürfte sich jedoch schwierig gestalten, weil mindestens zwei der Unternehmen auf Zypern residieren. Tobias Schmid, Direktor der Landesmedienanstalt NRW, will sich davon nicht abschrecken lassen und ein Exempel statuieren. "Die Gefahr für den Jugendschutz wird ja nicht geringer, nur weil sie aus dem Ausland kommt", sagt er. Mit den Medienwächtern auf Zypern hat sich Schmid bereits in Verbindung gesetzt.

Außerdem will die LMA unerlaubte Kaufappelle in der Smartphone-App "Coin Master" unterbinden, die derzeit wegen der Gefährdung von Kindern und Jugendlichen auf eine mögliche Indizierung hin geprüft wird. "Coin Master" gehört zum Genre des simulierten Glücksspiels und wird von Jugendschützern als Einstiegsdroge für klassische Casino-Games kritisiert. In diesem Fall haben die Medienwächter nach einem Austausch mit den israelischen Behörden den Anbieter "Moon Active" aus Tel Aviv zu einer Stellungnahme aufgefordert.

Mitte November wollen sich mehrere europäische Regulierungsbehörden in Brüssel unter anderem für eine Neuregelung der E-Commerce-Richtlinie starkmachen. Sie soll es den Medienanstalten erleichtern, Rechtsverstöße ausländischer Anbieter zu verfolgen.

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insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
frenchie3 08.11.2019
1. Eine super Idee
im Ausland heimischen Seitenbetreibern irgendwas vorzuschreiben. Geht's noch bekloppter? Wenn eine Firma aus xxx was anbietet schickt sie den Link nicht nach Deutschland sondern die Seite wird bewußt aus Deutschland aufgerufen. Kommt im Prinzip darauf hin daß der Tourist im Ausland rast und die deutsche Polizei "blitzt" und will den Führerschein. Und ein deutscher Pornohoster zieht schnell ein Kabel nach sonstwo und sendet dann aus der Sahara. Die Idee in allen Ehren aber außer IP Adressen sperren (und was man locker umgehen kann) bleibt da nicht viel übrig. Seht es ein, der Geist ist aus der Flasche, den packt keiner wieder ein.
franz01 08.11.2019
2. Überfällig
Harte Pornografie gibt's im Internet bequem für 12jährige mit Smartphone. Filtersoftware nützt nur teilweise. Im Grunde kommt jeder Jugendliche an das Material dran. Sekt wird kontrolliert, Vergewaltigungsphantasien nicht. Das verstehe, wer kann.
bammbamm 08.11.2019
3.
Zitat von franz01Harte Pornografie gibt's im Internet bequem für 12jährige mit Smartphone. Filtersoftware nützt nur teilweise. Im Grunde kommt jeder Jugendliche an das Material dran. Sekt wird kontrolliert, Vergewaltigungsphantasien nicht. Das verstehe, wer kann.
Sie haben noch nicht so richtig verstanden was das Internet ist und wie es funktioniert, oder? Und Schmuddelhefte und Filme die unter Jugendlichen rumgereicht wurden gab es schon lange vor Smartphones und Internet
danmage 08.11.2019
4.
Zitat von franz01Harte Pornografie gibt's im Internet bequem für 12jährige mit Smartphone. Filtersoftware nützt nur teilweise. Im Grunde kommt jeder Jugendliche an das Material dran. Sekt wird kontrolliert, Vergewaltigungsphantasien nicht. Das verstehe, wer kann.
Wilkommen im 21. Jahrhundert, im Informationszeitalter. Ich kann ihre Besorgnis verstehen. Leider sind ausländische Webseiten nicht an deutsche Gesetze gebunden. Jugendschutz ist wichtig. Aber hier hilft nur Aufklärung und Sensibilisierung. Ein eine 100% Zensur des Internets würde aus uns ein China 2.0 machen.
alfredo24 08.11.2019
5. Verbieten, verbieten, verbieten?
Vielleicht sollte die Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen weniger auf grundsätzliches Verbieten, sondern auf die Erziehung der jungen Menschen durch die Eltern/Schulen einwirken. Soll denn jeder Nutzer seine persönlichen Daten freigeben müssen, um sein Alter festzustellen? Ich kann keinem Menschen vorschreiben, sein Haus nicht zu verlassen, damit er nicht auf der Straße von einem Auto umgefahren werden kann. Das ist nicht die Lösung. Und auch die Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen sollte erst ihre Gehirnmasse aktivieren, bevor es populistisch nach Scheinlösungen schreit.
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