Onlinewerbung Datenschutz-Aktivisten legen Beschwerden gegen Medienhäuser ein

Die Bürgerrechtsaktivisten von noyb halten die Gestaltung der Nutzungsoptionen für Websites wie SPIEGEL.de für datenschutzwidrig. Die Preise für werbefreie Abos erscheinen ihnen »wucherisch«.
Max Schrems, Mitgründer von noyb

Max Schrems, Mitgründer von noyb

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JOE KLAMAR / AFP

Die Bürgerrechtsorganisation noyb (»none of your business«, übersetzt: Das geht dich gar nichts an) hat eine Reihe von Datenschutzbeschwerden gegen Medienunternehmen eingelegt. Es geht den Aktivisten dabei um die Optionen, die der SPIEGEL, »Zeit Online«, »heise online«, FAZ.net, »t-online« und Krone.at den Leserinnen und Lesern beim Besuch ihrer Websites anbieten: entweder Werbung und Tracking zu akzeptieren und die Seite dafür unentgeltlich zu nutzen oder ein Abo abzuschließen und dafür (so gut wie) keine Werbung mehr zu sehen und nicht getrackt zu werden.

Beim SPIEGEL kostet dieses sogenannte PUR-Abo 4,99 Euro im Monat, für Kunden von SPIEGEL+ sind es 1,99 Euro monatlich.

In der Beschwerde von noyb gegen den SPIEGEL , die beim Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz eingereicht wurde, heißt es: »Auf die durch das Tracking gesammelten Daten haben bis zu 190 Unternehmen unmittelbaren und weitere Hunderte, wenn nicht Tausende, Unternehmen mittelbaren Zugriff.« Die gesamte Kette des »Datenhandels« werde dabei »zu keinem Zeitpunkt nachvollziehbar offengelegt«.

Die Ausgestaltung der Optionen verstößt nach Ansicht der Organisation gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), unter anderem auch, weil das PUR-Abo als Alternative »wucherisch« und »mit einem hohen praktischen Aufwand verbunden« sei.

Noyb geht davon aus, dass »Medienhäuser mit direkt gebuchter und meist nicht personalisierter Werbung gutes Geld machen« während »die ›Restplätze‹ auf den Websites an Google & Co für ein paar Cent verscherbelt« würden. »Die an sich wertvollen Nutzerdaten gehen dabei gleich mit auf die Reise zur Konkurrenz, die damit den größten Teil des Werbekuchens für sich behält.« Die Datenweitergabe aber bringe »den Medienhäusern nur ein paar Cent pro Nutzer:in«. Würden aber alle Leserinnen und Leser von SPIEGEL.de ein Pur-Abo abschließen, würde der Verlag »schon alleine damit einen Umsatz von etwa 1,2 Milliarden Euro machen«.

»Die Leute müssten mitunter das zehn-, zwanzig- oder hundertfache zahlen, damit ihre Daten nicht mehr weitergegeben würden«, sagt Alan Dahi, Datenschutzjurist bei noyb. »Man bekommt den Eindruck, dass es hier nicht um eine faire Alternative zur Einwilligung geht, sondern darum, teure Abos zu verkaufen.«

Der SPIEGEL teilt dazu mit: »Wir standen und stehen noyb jederzeit zu Gesprächen über PUR zur Verfügung, so wie wir auch bei früheren Nachfragen transparent über diesen Lösungsansatz diskutiert haben. Über den Preispunkt reden wir selbst intern regelmäßig und starten ohnehin gerade Tests im Markt, ob wir ihn generell auch für Nichtabonnent:innen senken sollen. Die Kalkulation, die noyb aufmacht, krankt allerdings daran, dass man sich mit PUR keineswegs nur Tracking-Freiheit kauft wie vorgerechnet, sondern fast vollständige Werbefreiheit. Insofern geht gerade das finanzielle Argument am Ende so nicht auf, wie es hier vorgebracht wird.« Um es anschaulicher zu machen: Ein gedruckter SPIEGEL ohne Werbung wäre auch viel teurer als einer mit Anzeigen.

Der Verlag betont, »dass das Modell jung ist und die ersten Preispunkte, mit denen man solche neuen Ansätze startet, immer ein Stück weit experimentell sind und danach wie das gesamte Modell weiterentwickelt werden, um Verlage keinen zusätzlichen finanziellen Unsicherheiten auszusetzen – denn darunter leiden sie ohnehin genug.«

Es bestünden aber »keine Zweifel an der Freiwilligkeit der Einwilligung, wenn nahezu werbefreie Inhalte von einer angemessenen Bezahlung abhängig gemacht werden«.

pbe
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