"Operation AntiSec" LulzSec stellt Arizonas Autobahnpolizei bloß

Hunderte interne Dokumente stehen im Netz: Die Hackergruppe LulzSec hat vertrauliche Informationen des Department of Public Safety im US-Bundesstaat Arizona veröffentlicht - offenbar als Rache für ein umstrittenes Einwanderungsgesetz. 
Mitteilung von LulzSec: Jede Woche neue Enthüllungen?

Mitteilung von LulzSec: Jede Woche neue Enthüllungen?

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Hamburg - Die Hackergruppe LulzSec hat Hunderte interne Dokumente einer Polizeibehörde im US-Bundesstaat Arizona veröffentlicht. Das gaben die Hacker in der Nacht von Donnerstag auf Freitag bekannt . Dabei handelt es sich um E-Mails, Bilder, Adressdaten, Dienstanweisungen und interne Bekanntmachungen des Department of Public Safety, das unter anderem für die Sicherheit von Arizonas Autobahnen zuständig ist.

Die Behörde bestätigte gegenüber Reuters, dass es Probleme mit der Computersicherheit gegeben habe. Man prüfe die Angelegenheit und erhöhe nun die Sicherheitseinstellungen, erklärte ein Sprecher.

LulzSec hatte zusammen mit der Web-Guerilla Anonymous dazu aufgerufen, die Netzwerke von Regierungseinrichtungen anzugreifen. Erklärtes Ziel ist es, möglichst viele geheime Dokumente an die Öffentlichkeit zu bringen. Vier Tage nach dem Start der "Operation AntiSec" feiern die Hacker einen ersten Erfolg. Die veröffentlichen Dokumente aus Arizona bezeichnen sie als "Payload #1" - und kündigten weitere Enthüllungen im Wochenrhythmus an.

Mit dem Leak der Polizeidokumente protestieren die Hacker gegen die harten Einwanderungskontrollen in Arizona, die im letzten Jahr eingeführt wurden. Seither sollen Polizisten Personen, die sie für illegale Einwanderer halten, jederzeit und ohne näheren Grund kontrollieren. Auch der Name der Operation deutet darauf hin: "Chinga La Migra", was auf Spanisch in etwa "Verflucht die Immigrationspolizei" bedeutet.

Das rund ein halbes Gigabyte große Datenpaket, das LulzSec über die Torrent-Seite Pirate Bay zum Download anbietet, enthält über 700 Dokumente. Reuters hat die Richtigkeit von einzelnen Angaben darin geprüft; auch das "Wall Street Journal" meldete, die Polizei in Arizona habe deren Echtheit bestätigt. Wie LulzSec an die Dokumente gelangte, ist bislang unklar - womöglich handelt es sich um eine "Zulieferung" von Anonymous-Anhängern .

Auch das Blog BoingBoing hat mit der Sichtung der Dokumente begonnen und urteilt:  Vieles davon seien uninteressante Details über Dienstzeiten, persönliche Informationen. Einige Dokumente blamieren die Ermittler allerdings; sie enthalten Berichte über Ermittlungspannen oder offen rassistische Äußerungen.

Im Gegensatz zu der Enthüllungsplattform WikiLeaks, die zuletzt Regierungspapiere erst nach redaktioneller Bearbeitung veröffentlichte und bei personenbezogenen Informationen ein Interesse der Öffentlichkeit abwog, sind die Daten offenbar unverändert.

Die Hackergruppe LulzSec hatte sich in den vergangenen Wochen mit den Großen angelegt: Die Website des US-Geheimdienstes CIA wollen sie blockiert haben, dann veröffentlichten sie Konfigurationsdateien und Dateiübersichten einzelner Verzeichnisse der Website des US-Senats. Zuletzt hatte das FBI in einer Razzia in Zusammenhang mit LulzSec zahlreiche Rechnerschränke beschlagnahmt.

Anmerkung der Redaktion: In einer älteren Version des Textes war aufgrund eines Übersetzungsfehler von "Grenzpolizei" die Rede. Tatsächlich ist das Department of Public Safety nicht für Grenzkontrollen zuständig, sondern u.a. für den Schutz der Autobahnen. SPIEGEL ONLINE hat die Darstellung berichtigt und bittet, den Fehler zu entschuldigen.

kad/ore/Reuters/AP
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