P2P-Journalism Der Traum vom unendlich großen Korrespondentennetz

Die Internet-Gemeinde träumt von absolut demokratischen Informationsmöglichkeiten. Doch die Betreiber entsprechender Web-Sites sehen auch Hindernisse.
Von Daniel Meuren

Berlin - Die Wahrheit liegt auf der Straße. Womöglich auf jeder einzelnen Straße dieser Welt. Häufig sogar, man mag es kaum glauben, irgendwo, wo keine CNN-Kamera draufhält. Irgendwer muss diese Wahrheit nur aufpicken, ins Netz stellen, und schon weiß es die ganze Welt.

Das ist der Traum der Pioniere des so genannten P2P-Journalismus, die am Donnerstag beim Internet-Kongreß "Wizards of Os" in Berlin zusammenkamen. Die Abkürzung P2P steht für Peer-to-Peer, was heißen soll, dass Gleiche für Gleiche Nachrichten und Meinungen produzieren. Jeder soll kostenlos Korrespondent für den anderen sein und berichten, was in seinem Umfeld passiert, oder aber seine Sicht der Weltdinge in Kommentaren äußern. Die Macher der bislang existierenden Seiten hoffen dadurch, wirklich unabhängigen Journalismus zu produzieren.

"P2P wäre frei von wirtschaftlicher Zensur"

Der herkömmliche Journalismus ist nach Ansicht von Erik Möller, dem Betreiber des P2P-Portals InfoAnarchy.org  , stets vom Geld abhängig. Zunächst einmal seien Journalisten zu bezahlen, die die Informationen zusammentragen, zudem müsse der Kunde zur Nutzung des Angebots bewegt werden und vor allem verhinderten gewichtige Interessen von Werbekunden beispielsweise aus der Tabak- oder Ölindustrie, dass so manche Meinung veröffentlicht wird. "Geld regiert den Journalismus", stellt Möller fest. Beim P2P-Medium wäre das anders. Hier herrsche keine wirtschaftliche Zensur.

Kann man Informationsmüll von Fakten, Fakten, Fakten trennen?

Allerdings gibt es andere Probleme, wie Möller zugesteht. So müssten geeignete Filter geschaffen werden, die Hetze und Propaganda von ehrlichen Meinungen, und Informationsmüll von zuverlässigen Nachrichten trennt. Die Technik des Netzes bietet hierzu vielfältige und simple Möglichkeiten, wie Timothy Lord, Redakteur von Slashdot.Com  und monkey.org  , sagt. So könnten die Leser selbst durch ihre Bewertung Beiträge hoch- oder runterstufen. Daneben bedürfe es aber auch weiterhin einer Redaktion, die die Inhalte beaufsichtigt und gegebenenfalls Autoren verbannt, wenn sie Müll produzieren.

Und zu guter Letzt müssten irgendwie doch diejenigen belohnt werden, die gute Informationen für die Netzgemeinde recherchieren. Denn während eine Meinung schnell geäußert ist, erfordert die gesicherte Information doch ein gerüttelt Maß an aufklärerischer Energie. "Wer sich die Mühe macht, immer wieder gute und seriös recherchierte Geschichten zu schreiben, der muss irgendwie ein Stück Anerkennung erfahren", sagt Lord. Dabei müsse es sich aber nicht um geldwerte Belohung handeln, sondern eher um entsprechende Würdigung auf der Internet-Plattform. Davon ließen sich viele Menschen begeistern, denen Anerkennung mehr wert sei als der schnöde Mammon.

Bärendienst für P2P-Medien

Ein brasilianischer Mitwirkender der P2P-Plattform Indymedia.org  wäre dann wahrscheinlich nicht mehr so gut gelitten. Denn der Student Marcio stellte eine Vermutung seines Hochschuldozenten ungeprüft als belegte Tatsache ins Netz und somit die Glaubwürdigkeitschwierigkeiten der P2P-Foren weltweit in Frage. Er behauptete, CNN habe am 11. September Bilder von jubelnden Palästinensern gezeigt, die bereits 1991 während des Golfkriegs und keineswegs nach dem Anschlag aufgenommen worden seien. Die Vorwürfe wurden von CNN schnell widerlegt. Indymedia wurde dank des brasilianischen Mitarbeiters berühmt, aber eben auch berüchtigt.