Software für Sicherheitsbehörden Palantir ist jetzt 17 Milliarden Dollar wert

Die Datenanalysefirma von Facebook-Investor Peter Thiel ist an die Börse gegangen. Die Firma wird oft für ihre Überwachungstechnik kritisiert, doch einige Insider sagen, sie habe noch ganz andere Probleme.
Die New Yorker Börse

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Foto: ANDREW KELLY / REUTERS

Die Datenanalysefirma Palantir hat in New York einen erfolgreichen Börsengang hingelegt. Der Einstandskurs lag bei zehn Dollar und damit erheblich über dem Referenzpreis von 7,25 Dollar. Insgesamt wurde das Unternehmen im frühen US-Handel am Mittwoch mit rund 17 Milliarden Dollar bewertet.

Die 2004 von Peter Thiel - bekannt als PayPal-Gründer, Facebook-Investor und ehemaliger Berater von Donald Trump - mit aufgebaute US-Firma ist spezialisiert auf die Analyse von Daten aus verschiedenen Quellen und arbeitet viel mit Polizeibehörden und Geheimdiensten zusammen. Zu den frühen Investoren gehört In-Q-Tel, die Wagniskapitalfirma der CIA, Thiel selbst besitzt 15 Prozent der Anteile.

Palantir wählte beim Börsengang den Weg einer Direktplatzierung. Dabei werden die Papiere ohne Begleitung durch Investmentbanken und ein vorheriges Preisbildungsverfahren gelistet. Mit dieser kostengünstigeren Variante waren zuvor schon andere größere Firmen wie der Musikdienst Spotify oder die Bürochat-App Slack erfolgreich.

Palantir machte 2019 rund 590 Millionen Dollar Verlust

Palantir geht davon aus, im laufenden Jahr einen Umsatz zwischen 1,05 Milliarden und 1,06 Milliarden Dollar (894 bis 903 Mio Euro) zu machen, was einem Wachstum von über 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen würde. Zu den Kunden gehören das Pentagon, die US-Grenzbehörde Immigration and Customs Enforcement (ICE) und in Deutschland die hessische Polizei.

Auch im Gesundheitsbereich wird Palantir zunehmend aktiv, ein Vertrag mit dem Department of Health and Human Services zur Verarbeitung von Covid-19-Daten brachte knapp 25 Millionen Dollar ein, einer mit dem britischen National Health Service (NHS) etwa eine Million Pfund.

Datenschützer fürchten seit Langem, dass die Firma eine kaum zu kontrollierende und nicht transparente Überwachungsplattform anbiete. Konkrete Fälle von einem verbotenen Einsatz der Technik sind bisher aber nicht bekannt geworden.

Das Unternehmen schreibt aber tiefrote Zahlen, im Geschäftsjahr 2019 fiel ein Verlust von rund 590 Millionen Dollar an, zum zweiten Mal in Folge.

Insider beschreiben Palantir-Technik als zu personalintensiv

Das liegt einem Bericht des "New York Magazine"  zufolge auch daran, dass die Software von Palantir zwar als leicht zu bedienen gilt, davor aber erheblichen und personalintensiven Anpassungsbedarf für jeden Kunden hat. "Selbst einige der frühen Bewunderer", heißt es in dem Artikel, "warnen davor, dass die Software dem Tamtam, das um sie gemacht wird, möglicherweise nicht gerecht wird." Kunden wie die NSA und auch manche US-Polizeibehörden seien mittlerweile wieder abgesprungen, ein Palantir-Produkt für Finanzunternehmen sei ein Reinfall gewesen. Ein Kernproblem sei, dass die verschiedenen Datenquellen, mit denen Palantirs Software arbeiten und aus denen sie schwer zu erkennende Verbindungen herausarbeiten kann, oft manuell aufbereitet werden muss.

Das Magazin zitiert einen ehemaligen Sicherheitsbeamten, der bezweifelt, dass Palantirs Technik den hohen Bewertungen der Firma gerecht wird. Palantir sei eher berühmt dafür, berühmt zu sein - so wie die Reality-TV-Familie Kardashian.

pbe/dpa
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