Papstwahl Experten warnen vor Lauschern und Hackern
Wenn sich die Kardinäle am 18. April versammeln, um einen neuen Papst zu wählen, werden viele die Ohren spitzen - das befürchten zumindest Sicherheitsexperten. Regierungen und verschiedenste Organisationen haben ein großes Interesse daran, frühzeitig über den nächsten Papst Bescheid zu wissen. Enthüllungen über Diskussionen und frühe Wahlrunden könnten zudem peinlich für die Kirche sein.
Der Vatikan wird deshalb Maßnahmen ergreifen, eventuelle Lauschangriffe abzuwehren, auch wenn der hauseigene Sicherheitsdienst sich mit Details zurückhält. Die Sixtinische Kapelle sei auf Wanzen hin untersucht wurden, teilte man immerhin mit. Gerüchten zufolge holt sich der Vatikan Hilfe von der italienischen Polizei und auch von Experten privater Sicherheitsfirmen. Der Chicagoer Kardinal Francis George sagte gegenüber Reportern, man habe dem Kollegium versichert, es gebe Möglichkeiten, alle Gespräche vor Lauschern zu schützen.
Ferngesteuerte Handys als Wanze?
Vorsicht scheint angebracht, denn seit dem letzten Konklave im Jahr 1978 ist viel Zeit vergangen, und die technischen Möglichkeiten zur Überwachung und Bespitzelung sind stark gewachsen. Für die Kardinäle herrscht striktes Handyverbot, auch Taschencomputer dürfen nicht zum Konklave mitgebracht werden.
Eine Vorsichtsmaßnahme, die Experten für dringend notwendig halten, und zwar nicht in erster Linie aus Misstrauen gegenüber den Purpurträgern: Ein technisch versierter Hacker könnte sich von außen Zugang zu einem Mobilfunk-Gerät verschaffen und es zur Wanze umfunktionieren, warnen Fachleute. Man könne in die Software eines Handys oder PDAs eindringen und das interne Mikrophon einschalten - ohne dass der Besitzer etwas davon merkt.
Eine weitere, weniger leicht zu kontrollierende Gefahr geht von hochempfindlichen Richtmikrophonen aus. Ein Lasermikrophon könnte Gespräche aus Hunderten von Metern Entfernung aufnehmen, indem es die Vibrationen des Glases oder anderer harter Oberflächen misst - und die Sixtinische Kapelle hat Fenster in der Nähe des Daches. Die Schwingungen der Scheiben könnten aufgezeichnet und in gesprochene Worte zurückverwandelt werden. Schwere Vorhänge oder ablenkende Hintergrundgeräusche könnten die Kardinäle aber vor derartiger Bespitzelung schützen.
Wer die Geheimhaltung bricht, wird exkommuniziert
Wer von sich aus die Geheimhaltung bricht, kann nach einem Dekret, das Johannes Paul II. erlassen hat, aus der katholischen Kirche ausgeschlossen werden. Manchem erscheint die Gefahr bei diesem Konklave besonders groß, denn die Kardinäle genießen ungewohnte Freiheiten: Erstmals müssen sie nicht im Apostolischen Palast direkt neben der Sixtinischen Kapelle nächtigen, sondern dürfen sich zum Schlafen ins Hotel Domus Sanctae Marthae zurückziehen. Außerdem dürfen sie in den Kapellen des Vatikan an Messen teilnehmen.
Eine gewisse Nervosität reflektiert der Beschluss des Kardinalskollegiums, alle Medieninterviews zu stoppen. Die größte Bedrohung, glauben Experten, geht von einem Spion im Inneren des Vatikan aus. Denn kleine Spioniergeräte könnten in einem Brillengestell oder einem Kreuz eingeschmuggelt werden. Ob, und wenn ja, in welcher Form, die Kardinäle vor Beginn des Konklaves durchsucht werden sollen, ist nicht bekannt.