Rechtes soziales Netzwerk Parler teilweise wieder online – offenbar mit russischer Hilfe

Die bei Trump-Anhängern beliebte Plattform Parler ist teilweise wieder online. Einem Experten zufolge sollen die jetzt benutzten Internetadressen einer von zwei Russen geleiteten Firma gehören.
Trump-Anhänger am Smartphone (Archiv): Parler will bis Ende Januar wieder komplett aktiv sein

Trump-Anhänger am Smartphone (Archiv): Parler will bis Ende Januar wieder komplett aktiv sein

Foto: BING GUAN / REUTERS

»Hallo, Welt. Ist das Ding an?«: Mit diesen Worten hat sich der Chef der bei den Anhängern des scheidenden US-Präsidenten Donald Trump beliebten Twitter-Alternative Parler, John Matze, am Sonntag zurückgemeldet. Das rechte soziale Netzwerk sei guter Dinge bis Ende des Monats wieder komplett zugänglich zu sein, teilte Matze mit. Man arbeite an der Wiederherstellung der Funktionen der sozialen Plattform.

Das schnelle Comeback des umstrittenen Angebots  geht einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge auch auf russische Hilfe zurück. Der Internet-Experte Ronald Guilmette sagte demnach, die jetzt von Parler benutzten Internet-Adressen gehörten der Firma DDos-Guard, die von zwei Russen geleitet werde.

Parler beruft sich auf Meinungsfreiheit

DDos-Guard hatte in der Vergangenheit mit rassistischen Internet-Seiten zusammengearbeitet. Zudem hat das Unternehmen Websites der russischen Regierung unterstützt. Weder Matze noch DDos-Guard haben hierzu bislang Stellung bezogen.

DDos-Guard führe auf seiner Website zwar eine Adresse in Schottland unter dem Firmennamen Cognitive Cloud LP auf, sagte Guilmette. Diese Firma gehöre allerdings zwei Russen aus Rostow am Don. Einer der beiden Männer hatte laut britischem »Guardian« vor Kurzem gesagt, ihm seien nicht alle Inhalte bekannt, die über die Firma verbreitet würden.

Sollte Parler tatsächlich aus Russland gestützt werden, wäre dies politisch heikel: Das Land hatte versucht, die US-Präsidentschaftswahl 2016 zugunsten Trumps zu beeinflussen. Über Parler wiederum schlossen sich Krawallmacher vor dem Sturm aufs US-Kapitol zusammen und koordinierten den Angriff.

Nachdem der Plattform der Dienstleister für den Serverbetrieb abgesprungen war, ging Parler schließlich vor gut einer Woche vom Netz. Eine Hackerin hat jedoch viele der dort veröffentlichten Daten, die einige Nutzer nach den Ausschreitungen von Washington wieder löschten, eigenen Angaben zufolge noch gesichert.

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Bevor Parler offline ging, hatten Amazon, Google und Apple die Parler-App blockiert. Die Unternehmen führten an, dass die Plattform keine ausreichenden Regelungen zum Schutz vor gefährlichen Inhalten biete. Amazon nannte als Beispiel Beiträge wie »Nur ein toter Demokrat ist ein guter Demokrat. Kill'em all.« Parler entgegnete, die meisten problematischen Beiträge seien entfernt worden. Beleidigungen – wie etwa gegen die ehemalige First Lady Michelle Obama – seien zwar hasserfüllt, aber durch die Verfassung geschützt.

apr/Reuters