Partyzubehör Vier Australier zu verkaufen

Im November 2003 versteigerten sich in Deutschland sechs junge Frauen als "Partyzubehör" - und kassierten 25.050 Euro für einen Abend. Zurzeit macht in Australien eine ähnliche Auktion von vier jungen Männern Schlagzeilen - und offenbart kulturelle Unterschiede.


Sie nannten sich "Sixpack", und aus ihrer sektseligen Idee, sich für einen Partyabend selbst als Gute-Launebringer zu versteigern, schien sich zeitweilig eine regelrechte Kurzkarriere zu entwickeln. Mehr als 800.000 Menschen verfolgten im November 2003 die skurrile Auktion bei eBay. Am Ende kassierten die sechs Mädels aus Gütersloh nicht nur 25.050 Euro, sondern possierten gemäß ihres Werbevertrages auch mit Krombacher-Bierkästen. Die Party, zu der sie sich versteigert hatten, stieg mit reichlich B- und C-Prominenz bestückt in einem Münchner Schicki-Micki-Club. "Bild" und RTL berichteten.

Der Erfolg lockte in Deutschland wie immer zahlreiche Nachahmer, doch niemand konnte ihn wiederholen. Für einige Wochen wunderte sich das Publikum über den "eBay-Wahnsinn" - und vergaß ihn bald wieder. Der "Sixpack" wurde zu einer der vielen eBay-Legenden, wie schimmelnde Kunst-Käsebrötchen, Toastscheiben mit Marienerscheinungen und Captain Kirks Sessel - lauter Trash, der unter viel "Oha!" und "Aber hallo!" für viel zu viel Geld den Besitzer wechselte.

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Australien: Zechkumpane zu ersteigern

In Australien wundert sich die Öffentlichkeit gerade über vier junge Männer, die sich wie weiland der deutsche Sixpack als Bespaßer für den Abend anbieten. Ganz geheuer war das dem eBay-Management "Down under" - bisher weniger Kokolores-erfahren als ihre deutschen Kollegen - nicht: Als möglicherweise sittenwidrig strichen sie die Auktion für einige Stunden aus dem Angebot. Doch wie das so ist, wenn der eBay-Wahnsinn zuschlägt: Das liebe Publikum protestierte, die Medienvertreter telefonierten - und jetzt steigen die Preise wieder.

Gegen Mittag lagen die vier Jungs aus Sydney bei immerhin 1300 australischen Dollar - nur dafür, mit dem glücklichen Gewinner der Auktion eine Nacht auf Tour zu gehen.

Und zwar kräftig, das steht außer Frage. Egal, wie die Auktion am Ende ausgeht: Deftiger als die von RTL und anderen Medien adoptierte Sixpack-Party in München dürfte sie allemal ausfallen. Denn wenn der gemeine Australier "feiern" sagt, dann meint der das auch so.

Die vier offenbar trinkwilligen Gestalten bieten nicht mehr und nicht weniger als "Instant-Freundschaft" für alle, "die keinen Bock haben, in der Kneipe nach neuen Freunden zu suchen", oder die Nase voll haben von ihren eigenen Bekannten und deren "Nerd-Geschichten". Das Kontrastprogramm: "ein paar Biere, ein paar Snacks und jede Menge Lacher." Die eigentümliche Orthografie ("snags") der Selbstbeschreibung auf der Auktionsseite macht dabei klar, dass das auf eine Nacht ohne allzu viele intellektuelle Stressmomente hinaus läuft.

Als besonderen Anreiz locken die vier noch mit einer mysteriösen Nummer 5: Mit ein wenig Glück - ohne Gewähr, versteht sich - geselle sich möglicherweise vielleicht aber vielleicht auch nicht noch ein Prominenter zu der Trinkrunde hinzu. Wer das sein könnte, verraten die auf ihren Fotos anscheinend grundsätzlich Bierflaschen schwenkenden "Blokes" nicht - nur, dass er "Geschichten über London erzählen" könne, die einen "zum Lachen oder Weinen" bringen könnten. Das riecht danach, dass sich auch in Australien gerade eine Kurz-Karriere ankündigt. Nur der TV-Bericht über die Nacht der Nächte dürfte deutlich deftiger ausfallen.

Frank Patalong



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