Panne bei Gewinnspiel PayPal zieht sich aus der 500-Euro-Affäre

Das könnte es gewesen sein mit dem 500-Euro-Geldsegen für viele PayPal-Kunden: Der Finanzdienstleister hat die fälschlich verschickten Gewinnbenachrichtigungen noch am selben Tag angefochten. Trotzdem sollten die Empfänger sie aufbewahren.

Gewinnspiel-Ankündigung im Netz: Erst Freude, dann Enttäuschung

Gewinnspiel-Ankündigung im Netz: Erst Freude, dann Enttäuschung


Viele PayPal-Kunden hatten am Freitag eine E-Mail in ihrem Postfach, in der stand, sie hätten 500 Euro gewonnen. Die Nachrichten seien versehentlich verschickt worden, hieß es zunächst in einem Facebook-Eintrag des Unternehmens; darauf folgte eine E-Mail an die Betroffenen, berichtete unter anderem Caschys Blog.

In der Nachricht steht: Die E-Mail werde in Bezug auf das Gewinnspiel nach den Paragrafen 119 und 120 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) angefochten. Die genannten Paragrafen regeln die Anfechtbarkeit einer Willenserklärung wegen Irrtum und falscher Übermittlung: Nach Paragraf 119 kann so eine Erklärung anfechten, wer sie gar nicht abgeben wollte. In Paragraf 120 heißt es, dass eine Willenserklärung, die "unrichtig übermittelt worden ist", angefochten werden kann.

Paypal hatte am Freitag massenhaft Gewinnbenachrichtigungen verschickt: "Herzlichen Glückwunsch", stand darin, "Sie gehören zu den glücklichen Gewinnern! Schauen Sie gleich mal in Ihrem PayPal-Konto nach, denn dort haben wir Ihnen die 500 Euro gutgeschrieben." Über das Geld könne man vom eigenen PayPal-Konto aus verfügen.

"Machen Sie sich und anderen doch eine Freude"

Das Gewinnspiel gibt es tatsächlich: Ausgerechnet unter der Überschrift "Willste? Kriegste" wird auf der PayPal-Seite ganz offiziell versprochen, dass einmal pro Woche zehn Nutzer je 500 Euro gewinnen können. "Das geht ganz einfach", steht da - man müsse nur seinen nächsten Einkauf mit PayPal bezahlen, um teilzunehmen. "Machen Sie sich und anderen doch eine Freude."

Freude kam bei den vermeintlichen Gewinnern nur kurz auf - denn schnell wurde klar, dass es sich um einen Irrtum handelte. Als SPIEGEL ONLINE darüber berichtete, meldeten sich viele enttäuschte Leser, die auch eine derartige E-Mail bekommen hatten. Sie beriefen sich ihrerseits auf das Bürgerliche Gesetzbuch, diesmal auf den Paragrafen 661a. Darin nämlich steht, dass ein "Unternehmer, der Gewinnzusagen oder vergleichbare Mitteilungen an Verbraucher sendet" und damit "den Eindruck erweckt, dass der Verbraucher einen Preis gewonnen hat", dem Betroffenen diesen Preis auch zu leisten hat. Da reiche es doch nicht aus, sich mit einem simplen Facebook-Posting zu entschuldigen, schrieben die Leser.

Stimmt. Im Netz erklären Juristen, dass die allgemeine Information im Netz nicht ausreiche. Eine Anfechtung wegen Irrtums wäre "die einzige Möglichkeit für PayPal, wieder aus der Gewinnzusage herauszukommen", und die müsse unverzüglich erfolgen, nachdem das Unternehmen von dem Irrtum erfahren habe. Mit den E-Mails vom Freitag könnte der Traum von den 500 Euro womöglich also geplatzt sein.

Allerdings riet die "Welt" am Montag ausdrücklich dazu, die E-Mails mit der Gewinnbenachrichtigung gut aufzubewahren: "Denn ob Anfechtungen bei Gewinnzusagen überhaupt möglich sind, ist unter Juristen umstritten", heißt es in dem Bericht. Und selbst wenn, könnte man mit Glück vielleicht Anspruch auf Ersatz haben, wenn man im Glauben des Geldgewinns schon Geld ausgegeben habe. Klingt vage - aber löschen kann man später schließlich immer noch.

fkn/juh



insgesamt 19 Beiträge
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thorkhan 10.06.2013
1. Wie geil...
... muss man auf die 500 €uronen denn jetzt sein, um sich diesen juristischen Nervkram anzutun? Und: wir wünschen uns so oft Kulanz von Firmen. Nun bittet einmal eine Firma um Kulanz und muss doch die für jeden eindeutig erkennbar aus Versehen gesendete Mail juristisch anfechten. Die Gier, immer wieder die Gier...
thor1708 10.06.2013
2. Fehler passieren!
Wer jetzt kommt und meint ich hab ein Recht darauf, der hat nicht alle Tassen im Schrank! Egal was Recht und Gesetz dazu sagen, Fehler müssen nicht immer ausgenutzt werden. Hier sollte Vernunft herrschen und nicht die pure Raffgier. Aber dafür ist es bestimmt schon wieder zu spät und einige arbeiten bestimmt schon daran dieses Geld zu bekommen...
bina85x 10.06.2013
3. haaaaa von wegen Fehler passieren....
Was für eine Vernunft bitte???Genauso wie PayPal sich auf Paragrafen beziehen kann, so können wir uns auch auf Paragrafen beziehen. Es ist zwar ein blöder Vergleich aber wenn dir jetzt jemand über den Fuß fährt und zu dir sagt:§ Ahh sorry, es war aus versehen, ich habe Gast mit Bremse verwechselt" nimmst du das dann auch so locker hin???Ich sag ja, ist ein etwas blöder Vergleich aber so verarscht kam ich mir vor als ich die Mail gelesen habe.PayPal hat genug Geld um bestimmt alle ohne große Mühe auszuzahlen also warum dann so??In Europa ist man als Bürger in jeder Hinsicht auf gut Deutsch gesagt "Am Arsch" in Amerika hätten die noch Schadenersatz bezahlt der sich gewaschen hätte. Ich finde das nicht in Ordnung und sollte es ein Klage diesbezüglich geben dann werde ich ganz sicher mitmachen. Wenn dem Bürger ein Fehler unterläuft gibt es keine Gesetze die uns schützen, es heißt dann immer "Dummheit schützt vor Strafe nicht" und im Fall PayPal sollte es auch nicht anders sein. Ich habe nämlich auch eine Transaktion durchgeführt und habe an dem Gewinnspiel Rechtmäßig teilgenommen.Woher wollen die den jetzt wissen wer nun wirklich gewonnen hat und bei wem die "angeblich falsche Mail angekommen ist"???? Man verarscht uns von vorne nach hinten und wir können uns nicht mal in einem "demokratischen Staat" währen!!!
aueronline.eu 10.06.2013
4. ich habe auch gewonnen
Und ich bin sicher, daß PayPal eine kulante und nette Lösung für uns findet. Denn die möchten mich ja nicht verärgern, sondern weiter an mir verdienen. Ich denke, wir alle schreiben PayPal, dass wir das auch so sehen und die Sache mit der Hälfte erledigt ist. So bewahren die ihr Gesicht und wir alle auch.
MarkInTosh 10.06.2013
5.
Zitat von aueronline.euUnd ich bin sicher, daß PayPal eine kulante und nette Lösung für uns findet. Denn die möchten mich ja nicht verärgern, sondern weiter an mir verdienen. Ich denke, wir alle schreiben PayPal, dass wir das auch so sehen und die Sache mit der Hälfte erledigt ist. So bewahren die ihr Gesicht und wir alle auch.
Die Anzahl der vermutlich versendeten Gewinnbestätigung multipliziert mit 250,- € dürfte immer noch geeignet sein, Paypal in die sofortige Insolvenz zu schicken.
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