Zielgerichtete Werbung Google erkennt Eltern am Nutzungsverhalten

Google bietet einigen Werbekunden an, gezielt Eltern anzusprechen oder von Werbekampagnen auszunehmen. Ob jemand Kinder hat oder nicht, kann der Konzern anhand der Internetgewohnheiten der User erkennen.
Mutter am Laptop (Symbolbild): "Spezifische Zielgruppe"

Mutter am Laptop (Symbolbild): "Spezifische Zielgruppe"

Foto: Corbis

Ein Mädchen bittet Google, ihrem Vater einen Tag für seinen Geburtstag freizugeben - und Google macht gleich eine ganze Woche daraus . Diese rührende, wahre Geschichte  lässt den Internetkonzern derzeit in einem warmen Licht erstrahlen: Die verstehen etwas vom Elternsein! Doch wie intensiv sich Google tatsächlich derzeit mit Eltern beschäftigt, dürfte weit weniger wohlige Gefühle hervorrufen.

Neuerdings können einige amerikanische Werbekunden ihre Anzeigen bei Google zielgerichtet an Eltern richten oder Eltern als Zielgruppe ausnehmen. Neben Suchbegriffen, Interessengebieten, Alter und Geschlecht gibt es für fünf Prozent der Kunden von Googles Werbenetzwerk Adwords erstmals als Anzeige-Kriterium auch den elterlichen Status: Eltern/keine Eltern/unbekannt. Die Informationen darüber, ob jemand vermutlich ein Elternteil ist oder nicht, schöpft Google aus dem Onlineverhalten der Person. Brisantes Timing: Die Tracking-Möglichkeiten erinnern an die Probleme, die die Soziologin Janet Vertesi im Mai beschrieb , als sie ihre Mutterschaft vor Internet-Werbefirmen wie Google geheimzuhalten versuchte.

Die Personalisierung der Anzeigen könne man ja ausschalten

Dem Werbefachmann Larry Kim sind die neuen Werbemöglichkeiten frühzeitig aufgefallen. In einem vielbeachteten Blogeintrag äußert er sein Unbehagen: "Ist Google zu weit gegangen?" . Zwar attestiert er Google damit, "enormes Marketingpotenzial" freigelegt zu haben. Auf der anderen Seite aber befürchtet er unangenehm zielgruppenspezifische Werbungen.

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE schickt Google sein offizielles Statement zu der Sache: "Wir bieten schon seit 2009 interessenbasierte Werbung an, und zu diesen Interessengebieten gehören auch Elternthemen", heißt es darin. Zu "sensiblen Themen wie Gesundheit oder Sexualität" gebe es hingegen keine Personalisierung der Anzeigen. Übrigens könne sich jedes Google-Mitglied aus so einer Profilierung austragen - auf einer eigenen Seite für die "Einstellungen für Google Anzeigen" ; unter dem Begriff " Interessenbezogene Anzeigen auf Google".

So identifiziert der Konzern die Eltern am Rechner

Über Umwege erreichte Larry Kim eine interne Nachricht aus Googles Community für Werbeagenturen . Demnach wurde dort schon am 10. Juni auf die neuen Einstellungsmöglichkeiten hingewiesen, die zunächst nur für fünf Prozent der amerikanischen Google-Werbekunden freigeschaltet wurden. Ob das Eltern-Tracking irgendwann auch in Europa freigeschaltet wird, ließ der Konzern offen - klar ist damit aber: Auch wenn es diese Funktion nicht für die breite Masse gibt, weiß Google trotzdem sehr genau, wer gerade seine Dienste nutzt.

Auch wie Google überhaupt Eltern identifiziert, erklärt der Konzern in dem Community-Schreiben: Big Data und Fragebögen. Anhand der Antworten von Hunderttausenden Umfrageteilnehmern identifiziere Google Nutzungsmuster, mit denen dann Nutzer in Googles Display-Netzwerk und bei YouTube herausgesiebt werden.

Der Ansatz sei Gold wert, erklärt Google weiter. Nur 14 Prozent aller Internetnutzer seien Mütter mit Kindern, weswegen eine zielgruppenspezifische Ansprache bisher sehr schwierig sei, die Streuverluste seien bei einer unspezifischen Ansprache viel zu groß. "Dass wir diese spezifische Zielgruppe nun abdecken, ist tatsächlich ziemlich bedeutsam."

fko
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.