Peter Thiel Der Milliardär und der Wrestler

Er macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt: Der mächtige Tech-Investor Peter Thiel steckt hinter Hulk Hogans Klage gegen ein Klatsch-Blog. Was treibt ihn an?
Peter Thiel

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Will man verstehen, was den Tech-Milliardär und Facebook-Investor Peter Thiel zu einer Schlüsselfigur im Streit um ein Sexvideo des Wrestlers Hulk Hogan gemacht hat, muss man einen Klatschartikel aus dem Jahr 2007 ergoogeln.

Der trägt die Überschrift "Peter Thiel is totally gay, people"  und outete den Investor, was diesem nicht gefiel. Das Textchen erschien im Silicon-Valley-Klatschblog "Valleywag", das wiederum dem Klatschblog-Imperium von Gawker gehörte. Und bei Gawker handelt es sich um eben jene Firma, die nun 140 Millionen Dollar Entschädigung an Wrestler Hogan zahlen muss, weil sie ein Sexvideo von ihm zeigte.

Gawker beschert das Urteil finanzielle Schwierigkeiten - schon mussten Unternehmensanteile verkauft werden - und in der Nacht zum Donnerstag kam heraus, dass ausgerechnet Thiel die Klage Hogans im Geheimen über lange Zeit und mit viel Geld unterstützt hat. Ein Rachefeldzug?

Die Episode zeigt Macht und Machtanspruch der Silicon-Valley-Größen, wo beim Disruptieren der Welt gern eigene Interessen mit Verweis auf das Allgemeinwohl geschmückt werden.

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Gerichtsentscheidung: Gawker erleidet Schlappe im Streit mit Hulk Hogan

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Zumindest gestand der 48-Jährige jetzt gegenüber der "New York Times"  ein, er habe schon vor Jahren ein Team von Anwälten finanziert, um "Opfer" von Gawkers Berichterstattung zu finden und bei Klagen zu unterstützen. Thiel sagte, er habe rund zehn Millionen Dollar (neun Millionen Euro) für Anwaltskosten gezahlt. "Es geht", so Thiel, "weniger um Rache als um konkrete Abschreckung." Die Blogs von Gawker hätten ohne Grund das Leben von Leuten ruiniert.

"Al-Qaida vom Silicon Valley"

Thiel ist im Silicon Valley einer der wichtigsten Investoren - unter anderem machte ihn ein frühes Investment in Facebook reich. Nach Einschätzung von Beobachtern könnte das Urteil die künftige Berichterstattung über das Privatleben von US-Prominenten nachhaltig beeinflussen und eine abschreckende Wirkung haben.

Das passt zur Agenda Thiels, aus der er keinen Hehl macht. Er selbst bezeichnete die Klatschseite einst als "al-Qaida vom Silicon Valley". Thiel will aber nicht nur in der Klatschberichterstattung eine radikale Veränderung der Verhältnisse - die Widersprüche seines Aktivismus sind dabei nicht immer leicht aufzulösen.

Gebürtiger Deutscher

Thiel ist Libertärer, hängt also jener Denkschule an, die den Staat möglichst kleinhalten will. Er spendet dafür schon mal 500.000 Dollar an Projekte zur Planung schwimmender Tech-Städte, die fernab vom Zugriff von Regierungen und Gesetzen auf dem Meer gedeihen sollen (bei dem Projekt ist bislang kein Vollzug zu melden). Gleichzeitig gründete er die Softwarefirma Palantir, zu deren Hauptkunden die CIA zählen soll.

In den Wahlkämpfen 2008 und 2012 unterstützte er den chancenlosen, libertären Präsidentschaftskandidaten Ron Paul, ist aber gleichzeitig im Lenkungsausschuss der Bilderberg-Konferenzen, auf denen sich die Staatenlenker tummeln.

Thiel ist in Frankfurt am Main als Sohn deutscher Eltern geboren und in Kalifornien aufgewachsen. Er arbeitete als Investmentbanker, bevor er ins Silicon Valley ging. Thiel machte sein Geld zunächst als ein Mitgründer des Bezahldienstes PayPal und dann als sehr früher Investor von Facebook. Der Milliardär sitzt auch im Verwaltungsrat von Facebook. Der Konzern kommentiert Thiels Aktion gegen Gawker nicht.

Thiel und Trump

In Berlin war Thiel zuletzt im Februar zu sehen, wo er beim Axel Springer Award eine kurze Laudatio auf Mark Zuckerberg hielt. Thiel lobte den Facebook-Gründer vor allem dafür, dass dieser - so wie er selbst - eine ganz eigene Vorstellung von der Zukunft habe.

Nun ist das Denken, dass sich der Staat möglichst stark aus Wirtschaft und Gesellschaft heraushalten soll, nicht untypisch fürs Silicon Valley. Und dass man Medienberichterstattung beim Disruptieren der Welt nicht besonders schätzt, ebenso. Thiel ragt aber heraus. In seinen Beschwerden über die Medien klingt er fast ein bisschen wie Donald Trump, zu dessen Forderungen im Wahlkampf gehört, das Klagerecht gegen unliebsame Berichterstattung auszuweiten, um Medien finanziell zu beschädigen.

Thiel ist gar einer der Delegierten Trumps für den Nominierungsparteitag der Republikaner im Juli - was im Silicon Valley, das Trump als gefährlich einschätzt, für große Verwunderung sorgte. Dort ist Thiel als schillernde Figur bekannt - er soll gar als Blaupause für den genialen, aber auch entrückten Investor namens Peter Gregory in der Sitcom "Silicon Valley" gedient haben.

Seinen Feldzug gegen das Blogkonglomerat Gawker versuchte Thiel prompt in Einklang mit der Denke des Silicon Valley zu bringen, wo jedermann mit der eigenen Firma und dem eigenen Geld immer gleich die Welt verbessern will. Thiel sagt, seine Millionen für die möglicherweise vernichtenden Klagen gegen Gawker seien eines seiner "größeren philanthropischen Engagements".

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