DRM in HTML5 Protestpetition gegen Kopierschutz im Browser

Im Web formiert sich Widerstand gegen eine Erweiterung im fast fertigen HTML5-Standard. Die könnte Digital Rights Management unterstützen, also Kopierschutzmechanismen. Netzpolitische Organisationen kämpfen gegen den Vorstoß von Google, Netflix und Microsoft.
Von Eva Huber

Hamburg - Fast 10.000 Unterschriften haben US-Bürgerrechtler über die Plattform Defective by Design  bereits gesammelt. Die Petition richtet sich gegen einen Vorstoß von Google, Microsoft und Netflix, der sich an das Webstandard-Konsortium W3C richtet. Die Konzerne wünschen sich im neuen HTML5-Standard eine Erweiterung, mit der verschlüsselte Medieninhalte über HTML5 ausgegeben werden können. Die sogenannte Encripted Media Extension  (EME) würde als Schnittstelle im Browser dienen, um geschützte und verschlüsselte Inhalte wie Videos und Musik zu erkennen. Die Kritiker des Vorstoßes sehen darin die Möglichkeit, Digital Rights Management (DRM) durch die Hintertür in jeden Browser zu schmuggeln, und kritisieren das.

"Die Befürchtung ist, dass der offene HTML-Standard als universelle Basisschnittstelle für DRM dienen soll", erklärt Leonhard Dobusch. Er forscht an der Freien Universität Berlin unter anderem zum Thema freies Internet. Die Aktivisten fürchteten Einschränkungen für die Nutzer, die dann womöglich nicht mehr auf alle Inhalte online zugreifen könnten. "Der Text der Petition ist natürlich etwas alarmistisch, aber die Befürchtungen sind nicht ganz unberechtigt", sagt Dobusch.

Die amerikanische Bürgerrechtsgruppe Electronic Frontier Foundation  (EFF) sieht Hollywood hinter dem Vorstoß der Konzerne. Durch die Erweiterung soll Produzenten von Filmen und Musik mehr Kontrolle darüber gegeben werden, was mit ihren Produkten im Netz passiert. Genau das verärgert die Kritiker. Denn tatsächlich ist das Digital Rights Management mehr als Kopierschutz. Es verhindert etwa, dass ein für einen Kindle gekauftes E-Book auf einem anderen Reader gelesen werden kann und gilt deshalb als äußerst nutzerunfreundlich.

DRM-Systeme werden seit jeher auch eingesetzt, um die digitalen Ökosysteme einzelner Anbieter voneinander abzugrenzen und den Nutzer so im eigenen System einzusperren. Leidgeprüfte Nutzer können davon ein Lied singen: Windows-Media-Dateien, die nicht auf iPods laufen, Dateien in Apples AAC-Format, die wiederum auf anderen MP3-Spielern nicht abspielbar sind.

Ob das World-Wide-Web-Konsortium W3C auf den Vorschlag eingeht, ist derzeit offen. Leonhard Dobusch fragt sich, warum das W3C überhaupt Konzerninteressen helfen sollte. Der HTML-Standard solle neutral sein und auf allen Plattformen funktionieren. "Das DRM ist nicht plattformneutral. Es unterstützt immer nur bestimmte Plattformen."

Bis zum 3. Mai will die Initiative gegen EME 50.000 Unterschriften gesammelt haben und die Petition an das W3C übergeben - pünktlich zum von Defective by Design selbst ausgerufenen internationalen Tag gegen digitales Rechtemanagement.

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