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Photobombs: Gut ist, was das Bild versaut

Foto: Dave Beaudoin

Photobombing Je blöder, desto besser

Man kennt das: Da investiert man viel Geld in einen Fotografen, der einen wichtigen Tag dokumentieren soll - und entdeckt erst nachher, dass im Bildhintergrund ein Betrunkener Wasser lässt. Photobombs nennt man so etwas im Web - Bilder mit Sprengsatz. Und natürlich ist das "Kult".

Stolz lächelt der Bräutigam, glücklich die Braut - und breit der Knirps, der in dem Augenblick, als der Fotograf auf den Auslöser drückt, von einem reichlich irre blickenden Menschen von rechts ins Bild geschwungen wird. Oder: Bräutigam, Trauzeuge und stolzer Vater lächeln für ein Erinnerungsbild von der Hochzeitsfeier - und im Hintergrund hampelt ein enthemmter Endfünfziger mit hochgestreckten Armen durch das Bild wie ein Makak auf Magic Mushrooms.

Oder: Drei junge Freundinnen posieren in einem Nachtclub für einen Fotografen - und hinter ihnen zeigt ein männlicher Altersgenosse grimassierend, dass manche Männer etwas länger brauchen, die Pubertät zu überwinden. Oder: Endfünfzigerin posiert, um Eleganz bemüht sich auf ein Holzgatter abstützend und ulaubsentspannt lächelnd vor schöner Landschaft - und im Hintergrund kopulieren klein, aber bestens zu sehen zwei Esel.

All das ist profan, wäre in Zeiten der Analogfotografie als verdorbenes, missglücktes Bild verbucht und wahrscheinlich direkt entsorgt worden. Doch in Zeiten von Flickr, Blogs und Social Media geht so etwas mitunter um die Welt, denn Photobombs - Bilder mit eingebautem, nicht beabsichtigtem Sprengsatz - sind Kult, ein sogenanntes Internet-Meme. Zahlreiche Blogs haben sich darauf spezialisiert, so etwas zu sammeln (siehe Linkverzeichnis in der linken Spalte).

Photobombs gibt es in allen möglichen Varianten. Manche entstehen zufällig, weil im Augenblick des Auslösens ein Murmeltier vor die Linse springt, der betrunkene Onkel durch die Szene taumelt oder der Fotograf selbst Dinge im Bildhintergrund nicht erfasst hat. Andere entstehen absichtlich, weil es allzu oft jemanden gibt, der die angestrebte Idylle stören, sich selbst in den Vordergrund spielen möchte - oder schlicht glaubt, mit albernem Verhalten besonders erfolgreich Balzen zu können (ein besonders häufiger Irrtum).

Videobombs: Die Steigerung

Und sogar Profis im Photobombing gibt es. So wie Gabe Delahaye, einen der drei Redakteure des Profi-Blogs Videogum, der die diesjährige Comic-Con-Messe nutzte, um 45 kostümierte Comic- und Sci-Fi-Freaks durch gezielte Photobombs in den April zu schicken . Das mag vielleicht kein investigativer Journalismus sein, aber zumindest gekonnt ironischer, intriganter und irrsinnig komischer.

Den Vogel schießen allerdings Profis anderer Art ab. Paul Yarrow ist so einer, der es in Großbritannien kürzlich zu einiger Prominenz brachte: Immer wieder, immer häufiger latschte der übergewichtige 38-Jährige aus London durch das Bild, wenn TV-Reporter vor laufender Kamera ihren Senf zum Weltgeschehen abgaben. Denn das machen TV-Leute gern auf der Straße, obwohl es dafür keinerlei Grund gibt  - eine Tatsache, die nicht selten satirisch auf die Schippe genommen wird.

Auch Yarrow verfolgt dabei satirische Ziele, erzählte er Ende Juli dem "Evening Standard",  nachdem seine Identität nach wochenlanger Indiziensammlung durch den Blog Fidgetwith  aufgedeckt worden war. Der Ins-Bild-Latscher hatte im Web regelrechte Fans gefunden. Sein Motiv: Er habe gegen den Trend anlaufen wollen, dass TV-Leute selbst im Bildhintergrund nur gutaussehende Menschen zuließen, alle anderen aus dem Blickfeld der Kamera vertrieben. Mission erfüllt, könnte man sagen:

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