Photoshop-Tutorial zu Filmplakat So landen die Hände im Gesicht

Das surrealistische Plakatmotiv des Horrorfilms "Oculus" ist ein Hingucker. Hier erklären wir, wie Sie das Motiv mit Photoshop nachbauen können. Zusätzlich brauchen Sie nur noch Fotos und einige Texturen.
Von Gabor Richter
Foto: Gabor Richter/ DOCMA

In einem Horrorfilm geht es vor allem ums Erzeugen von Angst. In vielen Geschichten findet sich als Stilmittel dafür eine eigene Welt hinter spiegelnden Oberflächen, die nicht nur ein Spiegelbild der Realität ist. So ist es auch in "Oculus" von 2013. Die zentrale Rolle spielt hier ein antiker Spiegel, hinter dessen Glas ein Dämon lauert. Er nährt sich von der Lebenskraft seiner Opfer und treibt diese durch Sinnestäuschungen in Wahnsinn und Tod.

Hier erklären wir, wie man das Plakatmotiv zum Horrorfilm mit Photoshop selbst nachbauen kann.

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Doc Baumanns Magazin für digitale Bildbearbeitung

März - April 2017

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Diesen Workshop können Sie mit jeder Photoshop-Version ab CS6 nachvollziehen. Im Prinzip funktioniert es aber bereits mit Photoshop CS2 - wesentliche Unterschiede im Detail bestehen nur im Raw-Konverter. Nur in den Photoshop CC-Versionen gibt es den praktischen "Camera-Raw Filter", der alle Raw-Entwicklungsmöglichkeiten direkt auf Ebenen anwendbar macht. In früheren Versionen müssen Sie sich hier mit verschiedenen Filtern und Einstellungsebenen behelfen.

Was Sie zum Nachbauen benötigen

Die Fotos der Personen stellen wir Ihnen hier auf der "Docma"-Website als Arbeitsmaterial zur Verfügung . Doch Sie lernen natürlich mehr, wenn Sie eigene Foto-Elemente verwenden.

1. Frequenztrennung

Foto: Gabor Richter/ DOCMA

Die Frequenztrennung erscheint recht kompliziert, erleichtert aber einige nachfolgende Retusche-Schritte, weil Sie damit die Schärfedetails von den gröberen Farb- und Tonwerten trennen. Ebenengruppen erhöhen dabei die Übersicht. Duplizieren Sie die Porträt-Ebene zweimal, legen Sie die obere Ebene in eine neue Gruppe "Details" und die untere in eine Gruppe "Tonwerte".

Damit auf der untersten Ebene nur die Farbwerte erhalten bleiben, wenden Sie den Filter "Gaußscher Weichzeichner" mit einem "Radius" von 8 Pixeln an (a im Bild). Damit in der oberen Gruppe nur die Details verbleiben, ändern Sie zunächst die Füllmethode auf " Lineares Licht" (b), wenden anschließend "Bild > Korrekturen > Helligkeit /Kontrast" mit aktivierter Checkbox "Früheren Wert verwenden" und "Kontrast" mit -50 an und bestätigen mit "OK" (c).

Die Details des Originals stellen Sie wieder her, indem Sie "Filter > Sonstige Filter > Hochpass" mit demselben, zuvor im Weichzeichner gewählten, Radius anwenden (d). Wenn Sie alles richtig gemacht haben, entspricht das Bild mit allen eingeblendeten Ebenen nun wieder dem Originalfoto.

2. Augen und Brauen entfernen

Foto: Gabor Richter/ DOCMA

Der Bereich der Augen wird für dieses Motiv später per Füllmethode durch Fotos von Händen überlagert. Aus diesem Grund retuschieren Sie zunächst die Augen und die Augenbrauenaus dem Porträt. Erzeugen Sie im Ordner "Tonwerte" an oberster Stelle eine neue Ebene "Augenretusche" (a).

Wählen Sie den "Kopierstempel" und achten Sie darauf, dass in seinen Werkzeugoptionen "Aufnehmen: Aktuelle und darunter" aktiviert ist (c). Reduzieren Sie die "Deckkraft" auf ungefähr 50 Prozent (b), setzen Sie die "Größe" auf 400 Pixel und die "Härte" der Pinselspitze auf 0 Prozent. Wählen Sie mit gehaltener "Alt"-Taste Quellbereiche von Stirn und Wangen und malen Sie diese über den Augenbereichen ein, um sie mit möglichst gleichmäßiger Farbe zu überdecken (d).

Wie Sie im großen Hintergrundbild sehen, scheinen die Augen aufgrund der Detail-Ebene noch durch. Retuschieren Sie auf dieser Ebene ebenfalls mit dem "Kopierstempel" - jedoch mit "Aufnehmen: Aktuelle Ebene". Setzen Sie hier zudem die "Deckkraft" auf 100 Prozent und die "Härte" auf mindestens 50 Prozent.

3. Hände platzieren

Foto: Gabor Richter/ DOCMA

Die Hände habe ich einzeln fotografiert. Ziehen Sie beide Fotos nacheinander in die Arbeitsdatei und an die oberste Position in der Ebenen-Palette. Drehen und skalieren Sie die Ebenen-Hände (je nach Platzierungsvoreinstellung), direkt oder nachträglich (mit "Strg/Cmd-T") individuell, in die richtige Position und Größe.

Beachten Sie: Die Hände sollen hier optisch kleiner dargestellt werden, als es der Realität entspricht - es sind ja nicht die Hände der porträtierten Person.

Positionieren Sie die Hände so, dass die Finger über der Stirn liegen und die Handgelenke in Höhe der Nasenspitze enden. Wenn Größe und Position stimmen, selektieren Sie beide Hand-Ebenen in der "Ebenen"-Palette und fassen sie mit "Ebene > Auf eine Ebene reduzieren" zusammen. Wählen Sie mit dem Schnellauswahlwerkzeug" den Hintergrund aus. Achten Sie dabei darauf, dass "Automatisch verbessern" in der Optionsleiste aktiviert ist.

Nachdem Sie die Auswahl getroffen haben, löschen Sie den Hintergrund mit der "Rückschritt-Taste" und geben Sie dieser Ebene den Namen "Hände".

4. Tonwerte der Hände

Foto: Gabor Richter/ DOCMA

Die Hände sollen mit dem Gesicht verschmelzen. Wenden Sie dafür die im ersten Schritt beschriebene Frequenztrennungsmethode auf die im Schritt 3 erzeugte Ebene "Hände" an. Verschieben Sie die "Tonwert-Ebene" der Hände an die oberste Position in die "Tonwerte-Gruppe" (b). Um Farbverschiebungen zu vermeiden, setzen Sie die Füllmethode der Ebene auf "Luminanz" (a).

Jetzt pinseln Sie manuell die Übergänge zum Hintergrund ein: Erzeugen Sie eine Maske für diese Ebene, wählen Sie einen Pinsel mit schwarzer Vordergrundfarbe und einer "Deckkraft" von 50 Prozent und sorgen Sie für einen weichen Übergang entlang der Unterarm-, Hand- und Finger-Konturen. Variieren Sie dabei je nach Handregion die Größe und Weichheit der Pinselspitze.

5. Details der Hände

Foto: Gabor Richter/ DOCMA

Verschieben Sie die Detail-Ebene der Frequenztrennung aus dem vorherigen Schritt in die Gruppe "Details" (a). Erzeugen Sie mit einem "Alt"-Klick auf das Symbol für "Neue Ebenenmaske hinzufügen" eine neue, schwarze Ebenenmaske, durch die die Details der Finger und der Handoberflächen ausgeblendet werden.

Aktivieren Sie den "Pinsel" mit weißer Vordergrundfarbe. Stellen Sie seine "Deckkraft" auf 50 Prozent, die "Härte" auf 0 Prozent und die Pinselspitzengröße auf 70 Pixel. Mit diesen Einstellungen malen Sie nun die Konturen der Hand und der Finger zurück (b).

Lassen Sie die Pinselstriche an der Handwurzel sanft auslaufen und betonen Sie die Konturen an den Fingerspitzen. Durch die beschriebene Kombination der Detailebenen des Gesichts und der Hände erreichen Sie, dass die Handrücken dieselbe Textur wie das Gesicht aufweisen.

6. Schatten malen

Foto: Gabor Richter/ DOCMA

Nach Schritt 5 scheinen die Hände noch einfach flach auf dem Gesicht zu liegen (a). Für eine plastischere Darstellung, malen Sie Schatten ein. Erzeugen Sie eine neue leere Ebene unterhalb der Tonwert ebene der Hände. Aktivieren Sie den Pinsel und wählen Sie eine Größe von circa 60 Pixel, einer Härte von 0 Prozent und einer Deckkraft von 10 Prozent. Halten Sie die "Alt"-Taste gedrückt, um die Pipette zu aktivieren.

Wählen Sie einen Farbton aus den Bildbereichen, in denen die Hände durch Schatten "abgerundet" sind. Mit diesem aufgenommenen, dunklen Hautton malen Sie (b) mit den genannten Einstellungen Strich für Strich die neuen Schatten unterhalb der Hände ein, bis Sie den erwünschten Tiefe-Effekt erreicht haben (c).

7. Dodge and Burn

Foto: Gabor Richter/ DOCMA

In diesem Schritt setzen Sie Licht-Akzente und geben Ihrem Bild Form und Tiefe. Halten Sie die "Alt"-Taste gedrückt und klicken Sie auf das "Neue Ebene erstellen"-Symbol in der "Ebenen"-Palette. Benennen Sie die Ebene mit "Dodge and Burn", setzen Sie den "Modus" auf "Weiches Licht" und aktivieren Sie die "50 Prozent Grau"-Option. Aktivieren Sie das "Pinsel"-Werkzeug mit einer "Deckkraft" von nur 3-5 Prozent, einer "Härte" von 0 Prozent und einer "Größe" von etwa 40 Pixel.

Dieser Schritt ermöglicht zum einen das Malen mit Licht: Gestalten Sie Lippen und Nase plastischer. Zum anderen können Sie hier vor allem die Hände nachträglich modellieren und mit mehr Tiefe versehen. Verwenden Sie schwarze Vordergrundfarbe, um die bereits schattigen Bereiche noch mehr abzudunkeln. Mit Weiß als Vordergrundfarbe betonen Sie Glanzstellen an Kinn, Nasenspitze, Lippen und Fingern.

Die finale Dodge-and-Burn-Ebene (a) sowie das Ergebnis (b) dieses Schrittes sehen Sie rechts.

8. Optionale Texturen

Foto: Gabor Richter/ DOCMA

Dieser Schritt ist Geschmackssache. Die zusätzlichen Texturen sind nicht essenziell, sie sind jedoch auch im originalen Kinoplakat zu sehen. Über "Datei > Platzieren und einbetten" oder durch einfaches Drag & Drop laden Sie die beiden mitgelieferten Texturen als Ebene ins Bild. Legen Sie "Textur 1" zunächst über die linke Hand, duplizieren Sie die Ebene und ziehen Sie die Kopie auch über die rechte Hand. Reduzieren Sie beide Textur-Ebenen auf eine einzelne.

Damit sich die Textur mit dem Motiv verrechnet, ändern Sie die Ebenen-Füllmethode auf "Ineinanderkopieren". Wiederholen Sie diesen Schritt mit der zweiten Textur. Sollte Ihnen die Überlagerung der zweiten Textur zu stark und vielleicht auch zu unruhig erscheinen, reduzieren Sie die Deckkraft (wie im Beispiel auf ungefähr 40 Prozent). Fassen Sie alle Texturen zu einer neuen Gruppe zusammen und geben Sie dieser den Namen "Textur" (a).

Fügen Sie eine Ebenenmaske hinzu, die Sie mit "Strg/Cmd-I" invertieren. Malen Sie die Textur-Effekte anschließend mit einem weißen Pinsel, einer Deckkraft von 10 Prozent und einer Größe von 40 Pixel nur über den Händen zurück ins Bild (b), bis Sie die gewünschte Überlagerungsstärke erreicht haben.

9. Camera Raw-Filter

Foto: Gabor Richter/ DOCMA

Fassen Sie mit "Strg/Cmd-Shift-Alt-E" alle bisherigen sichtbaren Ebenen auf der obersten Ebene zu einer neuen zusammen. Auf diese neue Ebene wenden Sie den "Camera Raw-Filter" an. Als Erstes geben Sie dem Motiv in den "Grundeinstellungen" (nicht abgebildet) generell mehr globalen und lokalen Kontrast ("Kontrast": +10, "Lichter": +10 und "Tiefen": -20; "Klarheit": +10). Ungesättigte Farben verstärken Sie, indem Sie die "Dynamik" auf +15 setzen, die "Sättigung" insgesamt dagegen reduzieren (-35).

Mit dem "Radialfilter" (a) dunkeln Sie mit "Effekt: Außen" und "Belichtung" auf -1 gezielter ab als mit den Standard-Vignettierungsoptionen. Für eine weitere, selektive Abdunklung des Halsbereichs nutzen Sie den linearen "Verlaufsfilter" (b). Setzen Sie hier die Belichtung auf -2,8.

10. Finaler Bildlook

Foto: Gabor Richter/ DOCMA

Um dem gesamten Motiv zum Schluss einen etwas düsteren, bedrohlicheren Bildlook zu verpassen, geben Sie den dunklen Bildbereichen einen leichten Rotstich und reduzieren zudem die Sättigung.

Erzeugen Sie dafür eine neue Ebene vom Typ "Gradationskurve" und wählen Sie den Rot-Kanal aus. Schieben Sie den Schwarzpunkt (links unten) nach oben, bis die Ausgabe auf 15 steht (a).

Für eine darüber hinausgehende, gezielte Kontrast- und Farbabstimmung erzeugen Sie zusätzlich eine Einstellungsebene vom Typ "Schwarzweiß". Setzen Sie die Füllmethode der Ebene auf "Negativ Multiplizieren" und stellen Sie für die "Rottöne" -200 und für die "Gelbtöne" einen Wert von +100 ein (b).

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.