Phrasenschwein online Schlaue Sprüche machen das Leben leichter

Zu jeder Situation gibt es den richtigen Spruch. Wem nichts Eigenes einfällt, sollte zumindest wichtige Menschen oder Volksweisheiten zitieren können, um die Tücken des Alltags souverän zu meistern. Zitatsammlungen im Netz können dabei helfen. Frei nach dem Motto: Geht nicht gibt's nicht!
Von Sven Preger

Nervös sitzen sie sich gegenüber - das Licht der Kerze flackert in ihren Augen. Lächelnd schaut sie ihn an, auf der Suche nach seinem Blick, der unruhig durch den Raum gleitet. In seinem Kopf immer wieder dieselbe Frage: Wie kann ich es ihr nur sagen? Mit Shakespeare vielleicht: "Meine Großzügigkeit ist so grenzenlos wie das Meer. Meine Liebe ist so tief: Je mehr ich Dir gebe, desto mehr habe ich, denn beides ist unendlich." Was einst für Romeo und Julia gut genug war, sollte auch fürs Alltagsleben des 21. Jahrhunderts reichen.

Denn Sprichwörter sind wie Medizin. Einige wirken sofort, andere muss man erst verdaut haben, um die Wirkung zu erfahren.

Doch keine Bange: Um solch hochtrabende Reden zu schwingen, müssen nicht Shakespeares gesammelte Werke komplett gelesen werden. Eine gezielte Suche auf der richtigen Homepage kann helfen, so zum Beispiel bei www.bartleby.com. Die Seite ist nach der Hauptfigur einer Kurzgeschichte Hermann Melvilles benannt, einem Schreiber in einer Anwaltskanzlei. Dort finden sich Zitate für ein prickelndes Zweiertreffen, den familiären Trauerfall oder philosophische Diskussionen aller Art. Denn wer mag auf der Suche nach dem Sinn schon den geschliffenen Worten Aristoteles' widersprechen: "Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen." Genau!

Vor Gebrauch Paroli laufen lassen

Nach Angaben der Betreiber finden sich immerhin 86.000 Einträge auf der Seite, nach eigenen Angaben eine der größten Zitatsammlungen der Welt, sauber geordnet nach Kategorien und Verfasser. Wer gleich mit einem ganzen Gedicht protzen möchte oder den Osterspaziergang aus Goethes Faust noch einmal nachlesen will, der wird ebenfalls fündig. Denn über 10.000 Gedichte und Dramen stehen zur freien Auswahl - auf englisch versteht sich.

Die Werke Goethes, Schillers oder Heines müssen allerdings nicht mühsam rückübersetzt werden, denn auch in der Sprache der Dichter und Denker sind die Zitatlexika auf dem Vormarsch. Unter www.aphorismen.de finden sich reichlich Beispiele - 90.000 sollen es sein. Besonderer Service für die Leser: Eine Hitliste weist auf die beliebtesten Sprüche hin, angeführt wird dieser Katalog von folgender Einsicht: "Mit viel Alkohol erscheint manches vielleicht zweifach, aber vieles sicher auch einfach." Der deutsche Autor Gregor Brand soll diese Lebensweisheit in die Welt gesetzt haben.

Besonders beliebt sind darüber hinaus die Sprichwörter, fachmännisch auch Aphorismen genannt, die verschiedene Weisheiten durcheinander bringen. Wer sich nicht ganz sicher über das benutzte Sprachbild ist, sollte es vor der Benutzung deshalb lieber noch einmal Paroli laufen lassen. Sonst könnte schon mal eine gewagte These zum Umgang mit den Mitmenschen entstehen: "Liebe das Eisen wie dich selbst und schmiede deinen Nächsten, solange er noch warm ist!"

Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn

Doch auch dem Unsicheren kann online geholfen werden - auf den Seiten des Goethe-Instituts. Dort ist ein kleines Quiz angelegt: Zu verschiedenen Bildern gibt es jeweils drei Sprichwörter. Die Aufgabe besteht darin, den Bildern die richtigen Weisheiten zuzuordnen - ein Beispiel: Ein kleines, braungefedertes Huhn steht dort etwas schief vor ein paar Krümeln. Ein schwieriges Rätsel, denn schließlich gibt es einige Sprichwörter zu Hühnern, etwa über das Lachen derselben oder den wettervorhersagenden Hahn auf dem Misthaufen. Der entscheidende Hinweis ist die gelbe Schleife mit den drei schwarzen Punkten, die das Huhn um den Hals trägt. Ob es allerdings bei dem starren Blick in die Luft tatsächlich fündig wird, verrät das Bild nicht.

Wichtigste Nachschubquelle für die Zitatseiten sind zumeist ihre Nutzer. Diese schicken immer neue Sprichwörter und Volksweisheiten an die Datenbank. Ein unbekannter Verfasser etwa schreibt sein männliches Geheimrezept für die Nachwelt auf: "Liebe auf dem Wasserbett finden alle Frauen nett." Wem bei solchen Kalauern das Lachen im Halse stecken bleibt, der mag seine weitere Existenz trotzdem als gesichert ansehen. Denn schließlich gilt: Auch wer sich verschluckt, ist noch nicht gleich weg.

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