WeChat Zensurvorwürfe gegen chinesische Messenger-App

Auf Anordnung von Behörden habe das chinesische Unternehmen Tencent Dutzende Nutzer der Messenger-App WeChat gesperrt, berichten Medien. Kritiker werfen der Firma vor, die Beiträge der Nutzer aus politischen Gründen zu zensieren.

Chinesische Mobilnutzerin: Überwiegend Journalisten und Aktivisten gesperrt
AFP

Chinesische Mobilnutzerin: Überwiegend Journalisten und Aktivisten gesperrt


Chinesische Behörden haben Medienberichten zufolge am Donnerstag veranlasst, die Accounts von etwa 40 Nutzern beim Kurznachrichtendiensts WeChat zu blockieren. Wie die Nachrichtagentur AP berichtet, seien die Nachrichten der gesperrten Nutzer öffentlich zugänglich gewesen und konnten somit von allen Mitgliedern abonniert werden. Teilweise folgten Hunderttausende WeChat-Mitglieder den Accounts.

Unter den gesperrten Nutzern sollen vor allem chinesische Journalisten und Aktivisten gewesen sein, die den Messenger nutzen, um Meinungsbeiträge zu politischen, wirtschaftlichen und juristischen Themen zu teilen.

Bürgerrechtler machen chinesische Behörden für die Aktion verantwortlich. Der Wissenschaftler und Internetaktivist Wen Yunchao sagte AP, die Zensur hänge mit der Tagung des Nationalen Volkskongresses in China zusammen, der am Donnerstag endete. Es sei die erste Aktion der Behörde für Internetsicherheit, die vor zwei Wochen ins Leben gerufen wurde. Deren Leiter, Xi Jinping, sehe das Internet als Bedrohung für die Partei, sagt Wen Yunchao, "und will die Rolle des Netzes bei politischen Fragen komplett abschalten".

Der Internetkonzern Tencent wehrt sich gegen die Vorwürfe, die Nutzer aus politischen Gründen gesperrt zu haben. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte das Unternehmen, man wolle die Übertragung von Pornografie, Gerüchten und Gewaltdarstellungen unterbinden. Um ein qualitativ hochwertiges Nutzererlebnis zu gewährleisten, "überprüfen und messen wir ständig auffällige Fälle von Spam, Gewalt, pornografischen und illegalen Inhalten", erklärte ein Konzernsprecher.

WeChat ist das chinesische Pendant zum Messenger-Service WhatsApp - und mit etwa 400 Millionen Nutzern ähnlich erfolgreich. Mit dem Dienst können sich die Nutzer gegenseitig kostenlose Text- und Sprachnachrichten senden, in Gruppen diskutieren und sich per Videotelefonie unterhalten. Tencent bewirbt seinen Dienst unter anderem mit Stars wie dem argentinischen Fußballprofi Lionel Messi.

Doch immer wieder gerät Tencent in die Schlagzeilen. Bereits im vergangenen Jahr war der Konzern kritisiert worden, als Nachrichten einiger Nutzer zensiert wurden und einige Wörter in Kurznachrichten nicht zugelassen waren. Wer beispielsweise die chinesische Bezeichnung des kontroversen Magazins "Southern Weekly" eintippte, bekam eine Fehlermeldung. Darin hieß es, die Nachrichten enthielten unerlaubte Wörter.

jbr

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insgesamt 14 Beiträge
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kilroy-was-here 14.03.2014
1. Das kenn ich...
Was meint Ihr, wie oft ich von Spon schon nicht durchgeschaltet wurde... So wie jetzt...
ehFrank 14.03.2014
2. OMG!! Zensur??
In China auch?? Unfassbar!! Bloß gut, daß es noch ein paar Restbiotope in der EU für Meinungsfreiheit gibt- das EU-Parlament hat gestern einen Antrag der Grünen und bürgerlichen Parteien für ein Sprechverbot für Altkanzler Schröder abgeschmettert. In wikipedia gibt es einen Eintrag Zensur in der Bundesrepublik Deutschland (http://de.wikipedia.org/wiki/Zensur_in_der_Bundesrepublik_Deutschland) "..ist in Deutschland eine verbotene Zensur im Sinne von Art. 5 Abs. 1, S. 3 Grundgesetz nur die Zensur durch den Staat oder dem Staat zurechenbare Stellen. Eine Vorauswahl privater Stellen, ob Beiträge veröffentlicht werden oder nicht (), ist daher keine Zensur im Sinne des Grundgesetzes und verfassungsrechtlich unbedenklich,.." Und WeChat in China dürfte wohl der Kategorie "private Stellen" zugeordnet werden.
daryl.f 14.03.2014
3. Warum in die Ferne schweifen..?
Zitat von sysopAFPAuf Anordnung von Behörden habe das chinesische Unternehmen Tencent Dutzende Nutzer der Messenger-App WeChat gesperrt, berichten Medien. Kritiker werfen der Firma vor, die Beiträge der Nutzer aus politischen Gründen zu zensieren. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/politzensur-in-china-wechat-unter-zensurverdacht-a-958638.html
...wenn die Zensur liegt so nah... SPON, Die Zeit,Süddeutsche…etc ., nur um einige in Deutschland zu nennen! Die pseudo-"kritischen" Beiträge werden zwar freigeschaltet – sobald es aber an die Substanz der "Eliten" geht –wird in den genannten Medien gnadenlos zensiert. Besonders in der "Zeit". Dagegen sind die Chinesen geradezu Weisenknaben. Da fällt mir ein: eine halbe Wahrheit, ist eine ganze Lüge.
Alastor2718 14.03.2014
4. App ist trotzdem gut.
Die App ist übrigens klasse, nutze ich schon eine Weile. Vor allem die Web-Chat Unterstützung ist nett. Da kann man wenn man heim kommt den Browser aufmachen, mit dem Handy nen QR Code vom Computer scannen zum synkronisieren und dann bequem am Rechner weiter chatten.
daryl.f 14.03.2014
5. Kurzkorrektur..
Zitat von daryl.f...wenn die Zensur liegt so nah... SPON, Die Zeit,Süddeutsche…etc ., nur um einige in Deutschland zu nennen! Die pseudo-"kritischen" Beiträge werden zwar freigeschaltet – sobald es aber an die Substanz der "Eliten" geht –wird in den genannten Medien gnadenlos zensiert. Besonders in der "Zeit". Dagegen sind die Chinesen geradezu Weisenknaben. Da fällt mir ein: eine halbe Wahrheit, ist eine ganze Lüge.
Kaum macht man einen Fehler, wird das durchgeschaltet :) Es sollte natürlich "W*a*isenknaben" heißen.. Na ja, wenigstens etwas..
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