Polizei-Festplatten Der Täter ist immer ein Vopo

Der Skandal um bei eBay versteigerte Polizei-Festplatten mit geheimen Informationen ist geklärt. Die sieben Festplatten wurden von einem Polizisten versteigert, der von seinem Innenminister prompt wieder zum "Volkspolizisten" degradiert wurde - und natürlich gekündigt.

Was macht man, wenn man ein schwarzes Schaf in den eigenen Reihen findet und sich das - als Polizeibehörde - gar nicht leisten kann oder will? Man setzt sich ab von dem Missetäter, erklärt das Fehlverhalten so zum individuellen Missgriff.

Auch im Falle der vor kurzem in eBay-Auktionen aufgetauchten Polizei-Festplatten mit teils vertraulichen Informationen haben keineswegs die Sicherheitsmaßnahmen bei betroffenen Brandenburger Polizei versagt - nein, gesündigt hatte die DDR-Volkspolizei.

Der hatte der Täter, ein "45-jähriger Angestellter des mittleren Polizeidienstes" nämlich seit 1982 angehört. Die elektronischen Bauteile stahl er aus einem Lager des Zentralen Dienstes der Polizei in Wünsdorf. Die Datenträger verscherbelte der Täter anschließend für kleines Geld in Online-Auktionen - ein kleiner illegaler Nebenverdienst mit "Volkseigentum".

Natürlich sei dem "ehemaligen Volkspolizisten" umgehend gekündigt worden, sagte Landesinnenminister Jörg Schönbohm in Potsdam. Auch die verhökerten Festplatten seien wieder in Polizeigewahrsam.

Da gehören sie auch einwandfrei hin: Auf den Datenträgern seien interne Alarmpläne für Geiselnahmen oder Entführungen, Namenslisten für die Besetzung von Krisenstäben, Einsatzbefehle und Lagebilder über die sicherheitspolitische Situation im Land gespeichert gewesen. Daran aber, so Schönbohm, war der Festplatten-Versteigerer nicht interessiert: "Er wollte das Geld."

Und dachte dabei offenbar, dass er nichts abderes täte, als E-Schrott zu verkaufen: gerade einmal 20 Euro kassierte er für die Festplatte, deren Auffinden zu seiner Überführung führte. Ein Student hatte die Festplatte der Polizei übergeben, nachdem er sie Daten eingesehen hatte.

Schönbohm reichte die Versicherung des Studenten, die geheimen Daten nicht weiter verwendet zu haben. Der Student ist auch der einzige Gewinner der kleinen Affäre: Er erhielt eine Belohnung von 2000 Euro.

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