Pornhub Klage gegen Visa wegen Monetarisierung von Missbrauch zugelassen

Weil Visa gewusst habe, dass Pornhub Videos verbreitet, auf denen der sexuelle Missbrauch Minderjähriger zu sehen ist, werden beide Unternehmen verklagt. Ein US-Richter hat den Weg dafür frei gemacht.
In Bedrängnis: Mindgeek-Tochter Pornhub

In Bedrängnis: Mindgeek-Tochter Pornhub

Foto: Christoph Hardt / Future Image / IMAGO

Die Kalifornierin Serena Fleites verklagt zusammen mit 33 anderen Frauen zwei große Unternehmen: den Pornoanbieter MindGeek, zu dessen Tochterfirmen die Plattform Pornhub gehört, und den Zahlungs- und Kreditkartenanbieter Visa. Der Vorwurf von Fleites lautet: Auf Pornhub und anderen MindGeek-Pornoseiten sei gegen ihren Willen ein Sexvideo von ihr verbreitet worden. Sie selbst sei zum Zeitpunkt der Aufnahme erst 13 Jahre alt gewesen.

MindGeek habe nach ihrer Beschwerde mehrere Wochen gebraucht, um das Video zu entfernen, in der Zwischenzeit sei es mehrfach von Nutzern herunter- und erneut hochgeladen worden. MindGeek habe von den Werbeeinnahmen profitiert, die das Video eingespielt habe. Und Visa habe gewusst, dass die Pornoseiten Material enthielten, in dem der sexuelle Missbrauch Minderjähriger zu sehen ist – und trotzdem Zahlungen für Abos der Nutzer abgewickelt.

Der Zahlungsdienstleister hatte versucht, die Klage gegen sich für ungültig erklären zu lassen. Damit ist das Unternehmen nun gescheitert. Ein Gericht in Kalifornien befand die Vorwürfe der Klägerinnen für glaubhaft. Mit der Entscheidung geht kein Schuldspruch einher, der könnte allenfalls am Ende des Prozesses stehen, der nun aber vorangetrieben werden kann.

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Richter Cormac Carney schrieb in seiner Entscheidung , es sei plausibel, dass Visa »beabsichtigt habe, MindGeek bei der Monetarisierung von Kinderpornografie zu helfen«. Der Zahlungsdienstleister habe MindGeek »ein dringend benötigtes Werkzeug zur Verfügung gestellt – sein Zahlungsnetzwerk –, mit dem angeblichen Wissen, dass es reichlich monetarisierte Kinderpornografie auf MindGeeks Websites gibt«.

Visa teilte mit: »Dieses vorgerichtliche Urteil ist enttäuschend und zeichnet ein falsches Bild der Rolle von Visa sowie unserer Richtlinien und Handlungen. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass Visa in diesem Fall unrechtmäßig angeklagt wurde.«

Der Fall von Fleites wurde im Dezember 2020 bekannt, als die »New York Times« einen langen Artikel über die Leidensgeschichte der jungen Frau veröffentlichte. In der Folge stellte Visa seine Zahlungsdienste für MindGeek ein, ebenso wie Mastercard. MindGeek löschte nach eigenen Angaben zehn Millionen Videos von seinen Plattformen und änderte seine Upload-Möglichkeiten : Nur noch Nutzer, die ihre Identität bestätigt haben, dürfen selbst Videos hochladen.

Die beiden MindGeek-Chefs, Feras Antoon und David Tassilo, sind vor einigen Wochen zurückgetreten – kurz nach der Veröffentlichung eines weiteren für Pornhub-kritischen Artikels im »New Yorker«. Sie bleiben fürs Erste aber Anteilseigner.

pbe
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