Mutterfirma von Pornhub Luxusbau des MindGeek-Chefs bei Brand zerstört

Kaum einer kennt ihn, dabei leitet er eine weltweit einflussreiche Firma: Feras Antoon ist der Chef von MindGeek. Nun stand ein ihm gehörendes Anwesen in Flammen. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.
Die Traumhaus-Baustelle in Montreal nach dem Brand: Feras Antoon wollte das Anwesen verkaufen

Die Traumhaus-Baustelle in Montreal nach dem Brand: Feras Antoon wollte das Anwesen verkaufen

Foto: Ryan Remiorz / imago images/ZUMA Press

Mehr als 80 Feuerwehrleute rückten in der Nacht zum Montag zu einem Löscheinsatz im kanadischen Montreal aus. Ein noch im Bau befindliches Luxusanwesen, das Feras Antoon gehört, dem Chef der Pornofirma MindGeek, stand in Flammen. Das Unternehmen betreibt weltweit populäre Sexvideo-Portale wie Pornhub, RedTube, Mydirtyhobby und Brazzers. »Vice« berichtet , dem Feuerwehreinsatz sei ein Anruf bei der Polizei vorausgegangen: Zwei Personen sollen beim unerlaubten Betreten des Grundstücks beobachtet worden sein.

Antoons Anwesen wird seit Kurzem online zum Verkauf angeboten  – für 19,8 Millionen kanadische Dollar, umgerechnet gut 13,2 Millionen Euro. »Das Äußere ist so gut wie fertig«, heißt es in der Anzeige, »ebenso wie die inneren Trennwände«. Wer das Haus auf dem über 6500 Quadratmeter großen Grundstück kaufe, könne das angedachte Design beibehalten oder es nach eigenem Geschmack umgestalten.

Der Luxusbau sollte unter anderem eine »Aquarium-Lounge«, ein Home-Spa, einen Billard-Raum, drei Garagen für jeweils drei Autos sowie einen Sportbereich für Basketball, Volleyball und Badminton bieten, außerdem elf Badezimmer. Die kanadische Nachrichtenseite CBC schreibt , Antoon habe das Grundstück, auf dem das Anwesen entstehen soll, für gut zwei Millionen kanadische Dollar gekauft. Er sei dabei auch in die Schlagzeilen geraten, weil er für den Hausbau mehr als 200 Bäume fällen ließ.

Das Feuer dürfte die Bauarbeiten nun zurückgeworfen haben. Ein Twitter-Video eines CBC-Reporters zeigt, wie es nach dem Brand auf dem Grundstück aussah .

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Verletzt wurde durch das Feuer niemand. Feras Antoon bestätigte »Vice«, dass es auf seinem Anwesen zu dem Brand kam. »Ich bin dankbar, dass meine Familie, ich und unsere Nachbarn in Sicherheit sind«, so Antoon. Mit Blick auf die laufenden polizeilichen Ermittlungen werde er sich nicht weiter äußern.

Es wird wegen Brandstiftung ermittelt

Die Polizei von Montreal geht bislang von Brandstiftung aus. Einer ihrer Sprecher sagte »Vice«, die für solche Fälle zuständige Abteilung der Behörde habe die Ermittlungen übernommen. Dem Sprecher zufolge hatten die vor Ort eintreffenden Polizisten sehen können, dass es zuerst im Inneren des Gebäudes gebrannt hatte.

Warum Antoon seinen Luxusbau noch vor der Fertigstellung verkaufen wollte, ist unbekannt. Überhaupt weiß man nicht viel über den Digitalunternehmer. Wie andere Topmanager aus der Pornobranche hält sich Antoon mit öffentlichen Auftritten zurück. Im Februar allerdings wurde der in Syrien geborene Unternehmer vom Ethik-Ausschuss des kanadischen Parlaments angehört .

Die MindGeek-Tochter Pornhub war zuvor durch einen »New York Times«-Artikel  unter Beschuss geraten. Autor Nicholas Kristof beleuchtete in dem weltweit viel beachteten Artikel die dunklen Seiten der Plattform. Er berichtete von Sexvideos mit Minderjährigen, von Clips, die nicht einvernehmlichen Sex zeigen, und heimlich gefilmten Spanneraufnahmen. Vorwürfe und Probleme, die zuvor schon andere Medien, Aktivistengruppen und Betroffene immer wieder angeprangert hatten, holten Pornhub so gesammelt ein.

Wer sind die Männer hinter MindGeek?

Wohl vor allem weil der Bericht Visa und Mastercard verschreckte, kündigte Pornhub als Reaktion auf die öffentliche Empörung neue Maßnahmen an , die die Plattform sicherer machen sollen, darunter die Verifizierung von Uploadern durch eine Drittfirma.

Der Auftritt von Antoon vor dem Ethik-Ausschuss warf dagegen neue Fragen auf, wie die, ob ein Unternehmenschef nicht wissen müsste, wie viele Tochterfirmen sein Unternehmen hat. Auf eine entsprechende Frage antwortete Antoon, das wisse er nicht aus dem Stegreif, weil man hin und wieder umstrukturiere. Eine Frage zu seinem Einkommen wollte Feras Antoon bewusst nicht beantworten.

Gefragt, wem MindGeek gehöre, sagte CEO Antoon, dass die Firma 2013 vom deutschen Unternehmer Fabian Thylmann an eine Gruppe von Personen verkauft worden sei. Dabei verwies Antoon auf sich sowie COO David Tassilo. Er gab aber auch zu Protokoll , dass über 50 Prozent des Unternehmens einem passiven Investor aus Europa namens Bernard Bergemar gehören, der nicht ins Tagesgeschäft eingebunden sei.

Bergemars Rolle war erst im Dezember 2020 durch einen Artikel der »Financial Times« öffentlich geworden . Die Zeitung schrieb damals von einem Geschäftsmann, dessen Name im Internet »fast völlig unsichtbar« sei.

mbö
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