Internet-Filter in Großbritannien Jede fünfte Website bleibt hängen

Die britischen Internet-Filter sieben offenbar ziemlich viel aus. Laut Digitalaktivisten bleiben 19.000 der 100.000 beliebtesten Seiten in mindestens einem Filter hängen. Auch offenkundig harmlose Angebote sind betroffen.
Blog "Guido Fawkes": Wie viele andere Seiten blockiert

Blog "Guido Fawkes": Wie viele andere Seiten blockiert

Ungefähr jede fünfte populäre Webseite wird von Internet-Filtern blockiert, die in britischen Mobilfunk- und W-Lan-Netzen installiert sind - das berichtet die Open Rights Group. Nach eigenen Angaben haben die Digitalaktivisten die laut Statistikdienst Alexa.com 100.000 meistbesuchten Webseiten näher untersucht. Dabei stellten sie fest, dass 19.000 dieser Seite durch die Filter mindestens eines britischen Netzanbieters blockiert werden.

Unklar bleibt, was die Sperrung bestimmter Seiten veranlasst haben könnte. Unter den blockierten Auftritten finden sich etwa die Webpräsenz eines Porsche-Händlers, zwei feministische Blogs, ein Blog über den syrischen Bürgerkrieg und das Verschwörungs-Blog "Guido Fawkes".

Dem "Guardian"  sagte Open-Rights-Chef Jim Killock, Online-Filter könnten Kunden am Aufruf von Anbieterseiten hindern, politische Kommentare blockieren oder Weiterbildungsmaßnahmen beeinträchtigen: "Die Regierung hat darauf gedrungen, dass jeder den Kinderschutz äußerst ernst nehmen muss und dass Filter die angemessene Antwort seien. Die Leute werden dazu angehalten, viele Inhalte zu filtern, die gar nicht gefiltert werden müssten und die für Kinder gar keine Gefahr darstellen."

Online-Pornografie ja oder nein?

Auf Initiative von Premier David Cameron werden britische Surfer im Netz durch Filter vor Pornografie und anderen möglicherweise unliebsamen Inhalten geschützt. Jeder Brite mit einem Internetanschluss muss verbindlich erklären, ob und welchen Breitbandfilter er vorschalten lassen möchte. Dieses Angebot richtet sich vor allem an Haushalte mit Kindern.

Die Filter sieben nicht nur pornografisches Material aus. Es werden auch thematische Bezüge zu Selbstmord, Waffen und Gewalt, Glücksspiel, Drogen, Alkohol, Tabak erfasst. Zusätzlich kann der Anschlussnutzer alles blockieren lassen, was mit Partnervermittlungen, Raubkopien von Musik und Filmen und sozialen Netzwerken zu hat.

Zu scharf eingestellte Netzfilter haben schon häufig für Schlagzeilen gesorgt. Im Januar machte die Nachricht die Runde, dass ein Update für das Online-Strategiespiel "League of Legends" in Großbritanniens Pornofilter hängenblieben ist. Der Grund: die Dateinamen VarusExpirationTimer.luaobj sowie XerathMageChainsExtended.luaobj enthielten jeweils die Buchstabenfolge "sex" - damit erfüllten sie bereits die Blockade-Kriterien .

Im Februar amüsierten sich Internetnutzer über die Berliner Stadtverwaltung. Deren Beamte konnten Artikel über die abwertende Äußerung einer US-Diplomatin über die EU nicht von ihrem Arbeitsplatz aus lesen. Weil in den Texten das Wort "Fuck" vorkam, wurden diese offenbar als pornografisch eingestuft. Die Beamten erhielten beim Aufruf daher stets nur den Hinweis "Angeforderte URL konnte nicht geöffnet werden. Zugriff verweigert".

meu
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