Hunderte Server ausgefallen Massive IT-Störung legt Porsche-Produktion lahm

Mehr als 200 Server von Porsche waren am Dienstag ausgefallen: Nach SPIEGEL-Informationen stand dadurch nicht nur die Produktion vorübergehend still. Ausgangspunkt war ein fehlerhafter Datenspeicher.

Stillstand nach IT-Ausfall: Produktion des Porsche Macan in Leipzig
Matthias Rietschel/ REUTERS

Stillstand nach IT-Ausfall: Produktion des Porsche Macan in Leipzig

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Der Sportwagen-Hersteller Porsche musste seine Produktion im Stammwerk in Zuffenhausen sowie in Leipzig vorübergehend einstellen. Ein massiver Serverausfall war der Grund dafür.

Am frühen Dienstagabend informierte das Porsche-Management alle Mitarbeiter weltweit per E-Mail über die IT-Störung. Demnach waren alle auf SAP-Software basierenden Prozesse betroffen. Ab Mittag seien erste Probleme gemeldet worden, in den folgenden Stunden zeigte sich das ganze Ausmaß der Störung, heißt es.

In Zuffenhausen, wo mehr als 7000 Mitarbeiter täglich rund 200 Autos vom Band lassen, kam die Fertigung durch den IT-Ausfall zunächst komplett zum Stillstand. Auch in Leipzig, wo der Panamera und der Macan gefertigt werden, kam die Produktion zum Erliegen.

Nicht nur die Herstellung, auch Ersatzteillager und Kundenprozesse fielen komplett aus. 211 Server waren von den Problemen betroffen, heißt es in der Rundmail. Eine Möglichkeit, über Ersatzserver oder andere Umwege die Produktion wieder zum Laufen zu bringen, gab es demnach zunächst nicht.

Am Dienstagabend sei die Produktion aber schrittweise wieder angelaufen, teilte ein Porsche-Sprecher dem SPIEGEL am Mittwoch mit. Ein Angriff von außen oder eine Infektion mit Schadsoftware war seinen Angaben zufolge nicht der Grund für die Störung. Ein fehlerhafter Datenspeicher war der Ausgangspunkt, präzisierte Porsche später, es habe sich also um ein Hardware-Problem gehandelt. Allerdings habe eine Software, die Auswirkungen auf weitere Systeme hätte stoppen sollen, nicht funktioniert. Der Produktionsausfall werde aber "keine nachhaltigen wirtschaftlichen Auswirkungen" auf Porsche haben, sondern wieder aufgeholt werden.

Pilz Gruppe: "Sämtliche Computersysteme vom Netz"

Bereits am Sonntag sind beim Automatisierungsspezialisten Pilz aus Ostfildern "sämtliche Computersysteme vom Netz genommen" worden. Das Unternehmen sieht sich anders als Porsche aber als "Opfer eines gezielten Cyberangriffs". Betroffen seien "weltweit sämtliche Server- und PC-Arbeitsplätze inklusive des Kommunikationsnetzwerkes", teilt die Pilz Gruppe mit. Die Störungen würden "noch einige Tage andauern". Mehr wollte eine Unternehmenssprecherin auf SPIEGEL-Anfrage nicht dazu sagen, sie verwies auf die laufenden Ermittlungen des Landeskriminalamtes.

In den vergangenen Jahren hat Schadsoftware in verschiedenen deutschen Unternehmen vergleichbare Auswirkungen gehabt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte bereits im Dezember und zuletzt noch einmal im September von mehreren Fällen gesprochen, in denen es durch die Malware Emotet "große Produktionsausfälle" gab, "da ganze Unternehmensnetzwerke neu aufgebaut werden mussten".

Die Ransomware WannaCry wiederum befiel 2017 innerhalb weniger Tage weltweit rund 200.000 Rechner und sorgte für Schäden von mindestens mehreren Hundert Millionen Euro, andere Schätzungen gingen in den Milliardenbereich. Auch damals war ein Autohersteller betroffen: Renault in Frankreich.

Die Malware NotPetya hatte kurz darauf sogar für Schäden in Höhe von geschätzt zehn Milliarden Dollar gesorgt, indem sie sich rasend schnell verbreitete und Daten auf befallenen Rechnern unwiederbringlich verschlüsselte.

Hinweis: Der Artikel wurde mit Angaben von Porsche aktualisiert. In einer früheren Fassung dieses Artikels stand außerdem, in Leipzig produziere Porsche auch den Cayenne. Das ist nicht länger der Fall, wir haben die Passage korrigiert.



insgesamt 61 Beiträge
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ricky_rickmers 16.10.2019
1. Und plötzlich.....
.....stimmen die Abgaswerte nicht mehr.
Chris Hape 16.10.2019
2. Passiert: IT wird oft nur als Kostenfaktor gesehen
Für alle, die in der IT arbeiten oder gearbeitet haben sind solche Meldungen ja nicht überraschend. Zum einen gibt es keine 100% Verfügbarkeit - man kann die Ausfälle durch HA-Konzepte aber auf ein Minimum reduzieren. Aber: wenn 99,x gewährleistet sein sollen, steigen pro 9 hinter dem Komma die Kosten fast exponentell :). Man muss ja zumindest die kritischen Komponenten wie Netzwerkinfrastruktur und Server (+ Raum) usw. redundant vorhalten und das am besten noch bei verschiedenen Providern. Das wiederum für zu hohen Kosten in Anschaffung und Verwaltung, die Unternehmen oft scheuen. Weiterhin braucht man entweder das qualifizierte Personal (und vor allem auch genug davon - und nicht nur eine Rumpfmannschaft) oder zumindest gute Dienstleister, die einen 24x7 Betrieb mit Entstörung professionell covern können.
ollifast 16.10.2019
3. Wozu Redundanz
Ersatzsysteme braucht es nicht, Geiz ist schließlich geil. IT-Fachleute braucht es auch keine, wichtig sind BWLer für solche Sparmaßnahmen ...
mimas101 16.10.2019
4. Hmm Tja
Wird wohl daran gelegen haben das die Firmen heute auf eine IT-Monokultur eines einzigen OS-Herstellers setzen. Dann kommen noch die empfindsamen Gemüter hinzu die Massenpaniken, Arbeitsblockaden und sonst was bekommen wenn der Startknopf zwecks Solitärauswahl im Büro etwas anders aussieht als der bei ihrem Billig-PC, was dann noch mehr Druck erzeugt Software-Monokulturen in PCs anzulegen. Allerdings, mich wundert das Porsche keinerlei Katastrophenvorsorge durch ein Reservesystem oder ähnliches hat, denn eine 100%ige Ausfallsicherheit gibt es nicht. Die Produktionsausfälle dürften die Portokasse überlastet haben.
tepchen 16.10.2019
5.
Zitat von Chris HapeFür alle, die in der IT arbeiten oder gearbeitet haben sind solche Meldungen ja nicht überraschend. Zum einen gibt es keine 100% Verfügbarkeit - man kann die Ausfälle durch HA-Konzepte aber auf ein Minimum reduzieren. Aber: wenn 99,x gewährleistet sein sollen, steigen pro 9 hinter dem Komma die Kosten fast exponentell :). Man muss ja zumindest die kritischen Komponenten wie Netzwerkinfrastruktur und Server (+ Raum) usw. redundant vorhalten und das am besten noch bei verschiedenen Providern. Das wiederum für zu hohen Kosten in Anschaffung und Verwaltung, die Unternehmen oft scheuen. Weiterhin braucht man entweder das qualifizierte Personal (und vor allem auch genug davon - und nicht nur eine Rumpfmannschaft) oder zumindest gute Dienstleister, die einen 24x7 Betrieb mit Entstörung professionell covern können.
Wer sagt denn das es bei Porsche nicht so ist? Zu meinen Zeiten bei der PIKS war es jedenfalls so und ich kann mir nicht vorstellen das die in den letzten 10 Jahren sich zurück entwickelt haben. Ohne die Ursachen zu kennen braucht es keine Aufregung.
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