Portale für Gerne-Leser Watson weiß, was Sie lesen wollen

Was darf's denn sein? Mittelalterlicher Meuchelmord, ein Gangster-Epos oder gar ein Techno-Thriller? Auf Bücher spezialisierte Online-Portale liefern Lesetipps für nahezu jeden Geschmack, garnieren ihr Angebot mit Nutzer-Rezensionen und helfen nebenbei dem Buchhandel.
Krimi-Berater Dr. Watson: Spezialsuchmaschine für spannende Literatur

Krimi-Berater Dr. Watson: Spezialsuchmaschine für spannende Literatur

Wer nicht weiß, was er als nächstes lesen soll, braucht Beratung. Entweder von der netten Buchhändlerin ums Eck oder aus dem Web. Von speziellen Buch-Suchmaschinen beispielsweise, die für jede Vorliebe den passenden Lesestoff finden sollen. So in etwa wie beim "Krimi-Berater Dr. Watson" auf der Internetseite Krimi-Couch.de . Soll die Handlung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angesiedelt sein? Eine Geschichte, in dem mindestens zwei weibliche Heldinnen vorkommen? Alles ist möglich: Der Nutzer kann sich per Suchmaske bis zum perfekt auf ihn zugeschnittenen Buch durchklicken.

Die Krimi-Couch ist nur eines von vielen innovativen Buchportalen. Auch das " Literaturcafé " oder die " Leselust " wenden sich via Web an Buchliebhaber, denen Amazons Kundenrezensionen nicht ausreichen, die im Internet Gleichgesinnte suchen, die sich ebenfalls über Bücher austauschen wollen. Einige Anbieter betreiben derartige Community-Angebote bereits seit Jahren. Sie sind, anders als Verlagswebseiten, zumeist aus eigenem Interesse, und nicht, um Geld abzuwerfen, entstanden.

"Am Anfang ging es einfach nur darum, die Wallander-Krimis in eine Reihenfolge zu bringen", erzählt Lars Schafft, der Mann hinter der Krimicouch, von den Anfängen im Jahr 2002. "Ich habe mich geärgert, dass er im dritten Roman, der auf Deutsch erschienen ist, noch verheiratet war, obwohl er im zweiten Fall geschieden wurde." Aus dieser kleinen Fleißaufgabe ist inzwischen ein großes Projekt geworden: Außer der Suchmaschine stehen rund 2.400 Rezensionen auf der Seite, rund 37.000 Leserbewertungen sind hinterlegt, im Frühjahr wurde Schafft's Angebot mit dem " Grimme Online Award" ausgezeichnet.

Inzwischen wurde das Angebot auch auf andere Genres ausgeweitet, zum Beispiel gibt es nun auch eine Histo-Couch und eine Kinderbuch- Couch. Der Germanistik- und Anglistik-Student Schafft kann nach eigenen Angaben von der auf den Seiten geschalteten Werbung leben, seine rund 50 Helfer bekommen eine "Anerkennung". Er gibt aber zu: "Wir zahlen nicht die Honorare, die wir eigentlich müssten." Häufig zeigt sich der Lohn auch in ungewohnter Form: "Es ist einfach toll, wenn wir einen Neuling zu unserem Treffer des Monats machen und dann trifft man den auf der Buchmesse und er bedankt sich für die erste gute Rezension im Ausland", erklärt der 30-Jährige.

Gemeinsam online lesen

Nicht nur Leser, sondern auch Autoren sollen mit dem Literaturcafé  erreicht werden. Bereits seit 1996 betreibt der gelernte Buchhändler Wolfgang Tischer die Seite, auf der auch Prosa, Lyrik und allgemeine Neuigkeiten aus der Verlagswelt veröffentlicht werden. Tischer möchte mit seinem Portal wie er sagt, vor allem "Menschen zusammenbringen, für die Literatur eine Leidenschaft ist".

Trotz geringer Werbeeinnahmen ist sein Internetangebot inzwischen ein Vollzeit-Job: Über Konzeptionen und Seminare, die sich im Verlagsumfeld aus dem Café ergeben haben, finanziert er sein eigenes Leben und die Webseite.

Eines der zahlreichen privat betriebenen Foren zur Literatur bietet Daniela Brezing mit " Leselust ". Hier stehen ebenfalls Buchbesprechungen im Mittelpunkt, aber die sehr rege Community trifft sich auch online zum gemeinsamen Lesen von Büchern. Kapitelweise wird dann über Nabokovs "Lolita" diskutiert oder der neue Roman von Juli Zeh durchgenommen. Doch auch, wer offline eine Leserunde sucht, bekommt bei Brezing einige Adressen und Anregungen genannt.

So widersprüchlich es zunächst scheinen mag, das traditionelle Buch ins Web zu hieven: Die vielfältige private und professionelle Internet-Landschaft zum Thema Literatur zeugt davon, dass die Rechnung aufgehen kann - und die virtuelle Welt nicht nur mit der Krimi-Suchmaschine für den ein oder anderen Zusatz-Euro an ganz realen Buchhändlerkassen sorgt.

Christian Fahrenbach, dpa
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