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22. April 2005, 14:20 Uhr

PR-Stunt

Opera-Chef will nach Amerika schwimmen

...wenn es die neueste Version seines Opera-Browsers bis Samstag auf eine Million Downloads bringt. Das könnte durchaus passieren: In den ersten 48 Stunden zählte Opera 8 satte 600.000 Downloads.

Steiles Versprechen: Opera-Chef Tetzchner wäre nur durch einen Misserfolg seines Programms zu retten

Steiles Versprechen: Opera-Chef Tetzchner wäre nur durch einen Misserfolg seines Programms zu retten

Ein Gag ist es auf jeden Fall, und noch nicht einmal ein schlechter: Für den Fall, dass Opera 8 bis Samstagvormittag eine Million Mal heruntergeladen werden sollte, verspricht Firmenchef Jon S. von Tetzchner, den Atlantik von Norwegen nach Amerika schwimmend zu durchqueren. Ein kleines Kakao-Päuschen in seiner Heimat Island wolle er sich allerdings schon leisten.

Das ist ein ziemlich vollmundiges Versprechen und fällt natürlich in die Kategorie PR-Gag. Gekonnt trommelt Tetzchner so für seine Browser-Alternative. Dabei ist es gar nicht unmöglich, dass es Opera 8 innerhalb der Frist zu einer Million Downloads bringt. Nach Firmenangaben zählte Opera in den ersten 48 Stunden nach dem Release am 19. April satte 600.000 Downloads - und das, obwohl die Server des Unternehmens ständig überlastet und zeitweilig nicht mehr zu erreichen waren.

Das habe sich nun geändert, teilt Opera im Kielwasser von Tetzchners Gag-Meldung schwimmend mit: In Anbetracht des Ansturmes habe Opera die Zahl der Server erhöht. Damit wären die technischen Voraussetzungen gegeben, die millionenfache Auslieferung des Programms auch möglich zu machen. Und wenn es tatsächlich so weit kommt?

Tetzchner stehe nun im Wort, es zumindest zu versuchen, sagt die Firma. "Ich bin mir nur nicht sicher, ob er sich im Klaren ist, wie kalt die norwegische See im April ist", kommentierte Personalchefin Anne Stavnes, die offenbar nicht daran glaubt, dass Tetzchner bei einem eventuell stattfindenen Schwimmversuch noch dazu kommen könne, auch die Temperatur des offenen Nordatlantiks zu erproben.

"Wie auch immer, nachdem ich Jon schon früher in seiner roten Schwimmkleidung gesehen habe, weiß ich nicht, was beängstigender wäre: Zu den USA hinüber zu schwimmen - oder Zuschauern diesen Anblick zuzumuten."

Und Tusch: Eine so pfiffige PR-Arbeit will belohnt werden. Nachdem wir uns nun also zum Vehikel für Operas Download-Nachhilfe haben instrumentalisieren lassen, wollen auch wir belohnt werden: Zu gern sähen wir Tetzchner bei seinem tapferen Atlantik-Überquerungsversuch zu. Darum noch einmal der Hinweis: Das Programm ist es durchaus wert, getestet zu werden!

Frank Patalong

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