Pranger Internet Südkorea outet Sexualstraftäter

Erneut hat die Regierung von Südkorea entschieden, Listen mit Namen verurteilter Sexualstraftäter ins WWW zu stellen. Die Praxis ist äußerst umstritten.


Zum dritten Mal in knapp einem Jahr hat die südkoreanische Regierung am Dienstag eine Liste mit Hunderten von Sexualstraftätern ins Internet gestellt. Das Verzeichnis über 671 Männer und Frauen umfasst nach Angaben der Jugendschutzkommission in Seoul wie zuvor die Namen, Alter, Geburtstage, Berufe und Wohnbezirke der Betroffenen. Fotos sowie die Anschriften wurden nicht angegeben. Die umstrittene Veröffentlichung ist Teil der Maßnahmen zur Bekämpfung einer zunehmenden Zahl von Sexualverbrechen in dem ostasiatischen Land.

Die Aufgelisteten wurden wegen verschiedener Delikte gegen Kinder und Jugendliche verurteilt - darunter Vergewaltigung oder versuchte Vergewaltigung, Belästigung Minderjähriger oder Förderung der Prostitution. Die Liste enthält auch die Namen von 53 Frauen.

Die Veröffentlichung der Listen ist umstritten. Während unter anderem Frauenrechtsgruppen den Schritt der Regierung unterstützten, kritisierten einige Menschenrechts-Organisationen, dass die betroffenen Personen zwei Mal wegen des desselben Verbrechens bestraft würden. Neben Südkorea praktizieren auch einige Polizeibehörden einzelner amerikanischer Bundesstaaten solche "Pranger", die als Sicherheitsmaßnahmen gegen eventuelle Gefahrenpotenziale gerechtfertigt werden.

In Großbritannien führte die unautorisierte Veröffentlichung von Namenslisten von Sexualstraftätern durch eine Boulevardzeitung zu gewalttätigen Unruhen, in deren Verlauf eine empörte Menge versuchte, einen verurteilten Pädophilen zu lynchen.



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