Preisausschreiben 200.000 Dollar gegen Politikmüdigkeit

Politikmüdigkeit verbreitet sich in den westlichen Demokratien schneller als Fußpilz. In den USA versuchen die Macher von "Hot or Not", den Jungwählern die Müdigkeit auszutreiben: Ihr Preisausschreiben belohnt "Wahl-Gewinner" mit bis zu 200.000 Dollar.

Mit Wahlen haben die Macher von "Hot or Not"  eine Menge Erfahrung. Jim Young und James Hong sind die Erfinder einer längst weit verbreiteten Idee: Man lasse Web-Nutzer ihre Privatfotos einschicken und die User darüber abstimmen, ob sie "hot" sind - oder nicht.

Das Ganze ergibt eine Art endlose Bildergalerie, nach Männlein und Weiblein zu filtern. Doch bei Hot or Not wird nicht nur abgestimmt, sondern auch verkuppelt: Wer sein Foto hinterlegt, lädt auch zum "Date" ein. Seit dem "Hot or Not"-Gründungsjahr 2000 hat das Konzept Hunderte von Nachahmern gefunden.

Dem geschäftlichen Erfolg der pubertären Grausamkeits-Seite hat das offenbar keinen Abbruch getan. Die kommende US-Präsidentenwahl nahmen Jim und James jedenfalls zum Anlass, auf ihrer Fleischbeschau-Plattform ein hoch dotiertes Preisausschreiben zu veranstalten.

Natürlich für einen guten Zweck: Ihnen, sagen sie, gehe es nur darum, ihre vornehmlich junge Kundschaft zur Wahlurne zu bewegen. Im Originalton der beiden klingt das so: "Kann es eine bessere Methode geben, das Bewusstsein für die Notwendigkeit zu schärfen, sich am demokratischen Prozess zu beteiligen, als Geld zu verschenken?"

Den beiden fiel keine ein, "und darum tun wir das". Heraus kam "Vote or Not" , der pekuniäre Köder für die Teilnahme an der Präsidentschaftswahl. Teilnehmen darf jeder US-Bürger über 18 Jahre, der versichert, bei der US-Präsidentschaftswahl seine Stimme abzugeben.

Wahlbereitschaft wird belohnt

Dass sie dabei ganz nebenbei Tausende von werblich verwertbaren Adressen generieren, ist wohl ein angenehmer Nebeneffekt. Denn um seine Gewinnchancen zu erhöhen kann man nicht nur sich selbst ins Teilnehmerverzeichnis eintragen, sondern auch Freunde, Bekannte oder Verwandte auffordern, dasselbe zu tun.

Geben diese bei ihrer Registrierung den "Empfehler" mit seiner Registrierungsnummer an, erhöhen sich dessen Gewinnchancen. Sollte ein so "Empfohlener" die ausgelobten 100.000 Dollar gewinnen, bekäme derjenige, der ihm den Tipp zur Teilnahme gab, nochmal 100.000 Dollar oben drauf. Je mehr potenzielle Wähler man zur Teilnahme bewegt, desto höher also die Gewinnchance. Und jeder Teilnehmer hat zudem ein Interesse daran, möglichst viele andere zur Teilnahme zu bewegen.

Ein cleverer Einsatz des "viral marketing"-Konzeptes, bei dem gezielt auf "Mundpropaganda" gesetzt wird, um eine Botschaft an dem Mann zu bringen. Die heißt hier in erster Linie "Geht wählen!", in zweiter "hin zu Hot or Not!".

Jim und James beteuern die Ernsthaftigkeit ihrer so locker servierten Wahl- und Eigenwerbung. Der Bequemlichkeit halber linken sie hinüber zu "Rock the Vote", wo man sich die Wahlregistrierungsunterlagen gleich ausdrucken kann. Überprüft, ob die Teilnehmer am Ende auch wirklich wählen gehen, wird nicht - und natürlich auch nicht, für wen die Teilnehmer abstimmen.

Das alles sei eine "verrückte Idee", sagen Jim und James, und gerade darum ein Grund für sie, ein solches Wahlwerbungs-Preisausschreiben zu veranstalten: Sie pflegen die Legende, die Idee zu Hot or Not im alkoholisierten Zustand gehabt zu haben. Diesmal sei das anders gewesen: "Wir waren aber auf dem Weg zu einer Bar." Immerhin.

Frank Patalong

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