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09. Juni 2007, 09:19 Uhr

Preistreiberei

Billiger bauen per Internet

Fachmännische Hilfe für Bau und Renovierung ist teuer. Billiger soll es mit Handwerkerbörsenauktionen gehen. Dort unterbieten Maurer, Tischler und Maler ihre Preise. Doch nicht immer halten die Angebote, was sie versprechen. Gewinnen kann nur, wer einige Grundregeln beachtet.

Es klingt verlockend einfach: Man braucht einen Handwerker, und statt in zeitraubenden Telefonaten Kostenvoranschläge einzuholen und zu vergleichen, stellt man den Auftrag einfach ins Internet. Dazu versieht man ihn mit dem Maximalpreis und beobachtet, wie sich die Handwerker um die Arbeit reißen und gegenseitig unterbieten. Klick, der günstigste gewinnt.

Das ist das Prinzip von Handwerkerauktionen im Netz. Doch das vermeintliche Schnäppchen kann teuer werden. Denn bei der Auftragsvergabe via Internet lauern einige Fallstricke.

Handwerker aus dem Internet: Auch seltene Gewerke, wie etwa eine Kunstmalerin, kann man per Handwerkerauktion beauftragen
obs/MY-HAMMER AG

Handwerker aus dem Internet: Auch seltene Gewerke, wie etwa eine Kunstmalerin, kann man per Handwerkerauktion beauftragen

Die Handwerkerportale heißen "my-hammer.de", "blauarbeit.de", oder "jobdoo.de": Wer Arbeiten rund um Haus und Garten erledigen lassen will, hat die Wahl zwischen einer ganzen Reihe von Anbietern. Bevor man einsteigt, lohnt sich ein Blick auf das Kleingedruckte der Internet-Seite. Denn es gibt Unterschiede bei den Kosten und beim Versteigerungsverfahren.

Manche Portale verlangen nur eine niedrige Gebühr, um den Auftrag einzustellen, andere lassen sich an einer erfolgreichen Auftragsvergabe beteiligen. Gemeinsam ist allen Anbietern, dass sie lediglich als Vermittler auftreten und nicht für die Qualität der Arbeiten gerade stehen. Den Vertrag schließen Kunde und Handwerksunternehmen.

Eine echte Rückwärts-Auktion, bei der automatisch der günstigste Bieter den Zuschlag bekommt, findet bei den wenigsten statt. Die meisten bieten dem Auftraggeber die Möglichkeit, nach Ende der Auktion zwischen den verschiedenen Bietern zu wählen. "Man sollte sich die Entscheidungsfreiheit nicht nehmen lassen, ob und wem man den Auftrag erteilt", rät Christian Michaelis, Bau-Experte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Denn dann könne man die Qualifikation der Anbieter durch einen Anruf bei der Handwerkskammer überprüfen, sich Referenzobjekte nennen lassen oder sich gezielt einen Betrieb in der Region suchen. "Sich nur nach dem niedrigsten Preis zu richten, ist ziemlich riskant", sagt der Verbraucherschützer.

Wer via Internet seine Arbeitskraft offeriert, ist nämlich auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Hinter dem Bieter könne sich ein unerfahrener Gelegenheitsjobber genauso verbergen wie ein seit Jahrzehnten tätiger Meisterbetrieb, betont Michaelis: "Da sollte man vor der Vergabe auf jeden Fall nachfragen." Außerdem empfiehlt sich ein Blick auf den Gewerbeschein - auch wenn die meisten Portale zusichern, dass als Maßnahme gegen Schwarzarbeit nur eingetragene Gewerbebetriebe mitbieten dürfen. "Manche Arbeiten dürfen nur von Betrieben durchgeführt werden, die in die Handwerksrolle eingetragenen sind", sagt der Experte. Wer Gas- und Wasserleitungen von Aushilfen ohne Gesellenbrief richten lässt, läuft Gefahr, bei Pfusch zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Erster Schritt für eine erfolgreiche Auktion ist eine möglichst detaillierte Beschreibung des Auftrags. Und hier beginnen schon die Schwierigkeiten: "Für einen Laien ist eine exakte Angebotsbeschreibung kaum machbar", sagt Michaelis. Da muss zum Beispiel ein Wohnzimmer gestrichen werden: Man misst Wände und Decke aus, errechnet die zu streichenden Quadratmeter. "Aber um den Arbeitsaufwand kalkulieren zu können, muss der Maler auch wissen, wie der Untergrund aussieht, ob dunkle Farben zweimal überstrichen oder gar alte Schichten entfernt werden müssen", erläutert Michaelis. Muss der Handwerker mehr tun, als der Ausschreibung zu entnehmen war, darf er nachkalkulieren - und der vermeintliche Schnäppchenauftrag wird möglicherweise deutlich teurer.

Ähnlich sieht man es auch beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH): "Im Gegensatz zu gewerblichen Auftraggebern können Privatleute nur selten alle notwendigen Angaben machen, die für eine verlässliche Angebotskalkulation erforderlich sind", heißt es dort.

Der Preisvergleich werde durch das Internet daher "nur auf den ersten Blick und bei sehr schlichten Tätigkeiten einfacher".

Es mache deshalb Sinn, schon während der laufenden Auktion Kontakt mit interessanten Bietern aufzunehmen und Details zu besprechen oder eine Ortsbesichtigung zu vereinbaren, empfiehlt Bau-Experte Michaelis. Bei komplizierten Arbeiten sollte man sich Referenzobjekte nennen lassen. "Die Bewertungen, die in den Handwerkerportalen nach abgeschlossener Arbeit abgegeben werden können, würde ich mit Vorsicht genießen", sagt Michaelis: "Das sind Bewertungen von Laien, die oft nicht sehr viel über die Qualität der Arbeit aussagen."

Das weitere Verfahren ist wie bei konventionell vergebenen Aufträgen auch. "Bezahlen sollte man erst, wenn man die Qualität der Arbeit sorgfältig geprüft hat", sagt der Bauexperte der Verbraucherzentrale. Mängel müsse man umgehend reklamieren.

Gewährleistungsansprüche hat man wie bei allen Werkverträgen in der Regel zwei Jahre lang. Aber auch hier sitzt die Tücke im Detail. "Hat man ein weit entfernt gelegenes Unternehmen beauftragt, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass der Handwerker noch mal anreist, um Mängel zu beheben", gibt Michaelis zu bedenken.

Eva Dignös/ddp

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