Prime Video, Apple TV+ und Co. Warum man Streamingfilme nicht wirklich kaufen kann

Eine Klage in den USA wirft die Frage auf: Was bekommt man eigentlich, wenn man bei einem Streamingdienst auf den Button "Film kaufen" klickt? Die Antworten der Anbieter sind eindeutig.
Amazon Prime Video: Nur ein theoretisches Szenario, wie der Konzern behauptet?

Amazon Prime Video: Nur ein theoretisches Szenario, wie der Konzern behauptet?

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Amazons Anwälte versuchen in den USA, eine Sammelklage gegen den Videodienst Prime Video zu verhindern. Wie der "Hollywood Reporter" berichtet , wirft eine Kundin dem Unternehmen vor, Nutzer des Streamingangebots mit dem Button "Film kaufen" zu täuschen. Schließlich könnten dort gekaufte Filme nach einer gewissen Zeit aus der Bibliothek der Anwender verschwinden.

Amazon wehrt sich gegen die Vorwürfe der Klägerin mit dem Hinweis, dass sie nur von einem theoretischen Szenario ausgehe und den anonymen Beitrag eines "Reddit"-Nutzers sowie einen acht Jahre alten Artikel als Beleg anführe, dass gekaufte Filme aus dem Angebot verschwinden können. Die bisher von der Klägerin gekauften Videos seien jedoch alle noch verfügbar.

Außerdem verweist der Konzern auf seine Nutzungsbedingungen, die "jedes Mal eingeblendet werden, sobald Kunden digitale Inhalte bei Amazon Prime Video kaufen". Darin werde deutlich gemacht, dass die "Käufer nur eine begrenzte Lizenz erwerben, um Videoinhalte anzuschauen, und dass Inhalte aufgrund lizenzrechtlicher Einschränkungen oder anderer Gründe der Anbieter möglicherweise nicht mehr verfügbar sein können". Ein Gericht in Kalifornien muss nun klären, ob die Klage zugelassen oder abgewiesen wird.

Was bedeutet beim Streaming eigentlich "Film kaufen"?

Doch der Fall wirft die grundsätzliche Frage auf: Was bedeutet es eigentlich, wenn man einen Film bei einem Streamingdienst wie Apple TV+, Amazon Prime Video, Google Play Filme oder anderen Anbietern kauft? Schließlich kosten die online abrufbaren Filme mit bis zu 20 Euro ähnlich viel wie DVDs und Blu-Rays im Handel, sind aber an das Nutzerkonto des Käufers gekoppelt – und es gelten auch sonst andere Regeln als beim Kauf von Filmen auf Datenträgern.

Für die Rechtsanwältin Carola Sieling, ist Amazons Erklärung nicht überraschend. "Auch nach deutschem Recht handelt es sich bei einem gekauften Film über einen Streamingdienst nicht um einen Kauf im rechtlichen Sinne", sagt die Expertin für IT-Recht dem SPIEGEL. Denn das würde bedeuten, dass man komplett über den Film verfügen könne. Das sei beispielsweise bei einem Buch der Fall, das man nach dem Kauf weiterverkaufen darf.

Bei Online-Kaufvideos läuft das anders. "Wenn ich Filme bei Amazon und Apple kaufe, fühlt sich das zwar an wie ein Kauf, das ist es aber nicht." Es handle sich eher um eine Nutzungserlaubnis. Daher hält Sieling die Button-Beschriftung "Kaufen" bei Filmen für fehl am Platze. "Das ist irreführend für den Verbraucher", denn das Eigentum werde hier nicht wie beim klassischen Kauf einer DVD oder Blu-Ray auf den Käufer übertragen.

Dennoch rät die Anwältin von rechtlichen Schritten ab, wenn die Anbieter nachträglich einen Film aus der Download-Bibliothek der Nutzer löschen. Schließlich hätten sich Apple, Amazon und Co. über ihre Nutzungsbedingungen abgesichert. "Die Streamingdienste würden unter Umständen selbst eine Urheberrechtsverletzung begehen, wenn sie die Filme weiterhin anbieten würden, obwohl ihnen entsprechende Nutzungsrechte fehlen", sagt Sieling.

Anders verhalte es sich, wenn die Filme plötzlich in einer schlechteren Qualität als zum Kaufzeitpunkt verfügbar sind. Wird etwa ein in 4K-Auflösung gekaufter Film plötzlich nur noch in Full-HD angeboten, greife das Mängelrecht. "Wenn eine Qualität versprochen wurde, dann ist das vereinbart und sollte auch eingehalten werden." Man müsse zwar im Einzelfall prüfen, was laut Nutzungsbedingungen zulässig sind, doch der Kunde "muss dann entschädigt werden".

Entschädigung für entfernte Filme

Vor zwei Jahren legte sich ein Kunde mit Apple an, weil er sich Filme bei iTunes gekauft hatte, die dann aber plötzlich nicht mehr zum Download verfügbar waren. Apples Nutzungslizenzen waren ausgelaufen. Bei Twitter veröffentlichte er seinen Schriftverkehr mit dem Kundenservice . Die Apple-Mitarbeiter entschädigten ihn mit Gutscheinen. Die Filme aber nahm der Konzern mit der Begründung nicht wieder ins Sortiment auf, dass Apple selbst nur ein Ladengeschäft sei und nur das anbieten könne, was Studios und Filmverleiher zur Verfügung stellen.

Das Unternehmen verweist ebenfalls auf seine Nutzungsbedingungen . Die Passage dazu fällt ziemlich knapp aus, doch Apple behält sich ganz klar vor, Filme aus dem Programm zu nehmen. "Inhalte stehen gegebenenfalls nicht für erneute Downloads zur Verfügung, wenn sie nicht mehr über unsere Dienste angeboten werden", heißt es dort. Wenn Nutzer die Filme bereits auf ihre Festplatte geladen haben, werden die Filme und Serien dort aber dem Unternehmen zufolge nicht gelöscht.

Bei Google sieht das anders aus. Gekaufte Inhalte stehen dem Nutzer laut Nutzungsbedingungen  nur so lange zur Verfügung, "wie Google zu deren Bereitstellung an Sie berechtigt ist". In einigen Fällen sei es möglich, dass Inhalte von Geräten gelöscht werden oder der Zugriff beendet werde, wenn Rechte erlöschen. In diesen Fällen sollen die Nutzer im Voraus informiert werden. Wenn die Anwender einen Film nicht rechtzeitig heruntergeladen haben, "erhalten Sie, falls möglich, von Google entweder einen Ersatz für die Inhalte oder eine vollständige oder teilweise Erstattung des Preises für diese Inhalte."