Notfall-Netzwerk Katastropheneinsatz für W-Lan-Router

Forscher frischen die Diskussion um kritische Infrastrukturen auf. Sie schlagen vor, dass sich private W-Lan-Router und mobile Internetgeräte in Krisenzeiten untereinander vernetzen - auch gegen den Wunsch ihrer Besitzer. So könnten Helfer auch nach Katastrophen kommunizieren.
W-Lan-Router: Im Krisenfall Knotenpunkte für ein alternatives Helfer-Netzwerk

W-Lan-Router: Im Krisenfall Knotenpunkte für ein alternatives Helfer-Netzwerk

Foto: Armin Weigel/ picture alliance / dpa

"Kommunikation ist für Notfallhelfer entscheidend," sagen die Autoren des Forschungspapiers "First responder communication in urban environments (PDF-Datei).  Doch bisher wird nicht genug dafür getan, dass die Notfallmannschaften beispielsweise nach einer Umweltkatastrophe zuverlässig kommunizieren können. "Leider passen sich die Kommunikationstechnologien der Helfer nicht gut an das Ausmaß der Katastrophe an." Die nötige Infrastruktur könnte gestört, zum Beispiel Mobilfunksender in einem Erbebengebiet zerstört sein.

Forscher Immanuel Schweizer von der TU Darmstadt erklärt SPIEGEL ONLINE: "Wir glauben, dass sich Ersthelfer im Katastropheneinsatz ad hoc vernetzen", also drahtlose Verbindungen zwischen ihren Geräten aufbauen sollten. "Dadurch ergibt sich eine erhöhte Ausfallsicherheit und eine robustere Übertragung von Daten."

Um dieser Idee nachzugehen, haben die Forscher nun ein theoretisches Konzept entwickelt, ob und wie Alltags-Internetgeräte ein alternatives Kommunikationsnetz  zwischen Krisenort, Rettungsleitstelle und Krankenhaus herstellen könnten. Es funktioniert, schließen die Forscher - wenn man die Besitzer zum Mitmachen zwingt.

Ihr Plan: W-Lan-Router und andere Internetgeräte sollen im Katastrophen-Umfeld von den Rettungskräften in eine Art Notfallmodus versetzt werden können, sich miteinander vernetzen und nur noch Daten der Helfer übertragen.

Problemfaktor Stromversorgung

Wie das aussehen könnte, simulierten die Forscher mit realen Funknetzdaten aus Darmstadt. Die Ergebnisse waren überraschend: "Die Dichte von Routern in Deutschland ist so hoch, dass man auch mit einem Bruchteil der Geräte bereits die Robustheit [des Netzwerks] erhöhen kann."

Für die Diskussion um den Schutz kritischer Infrastrukturen bedeute das laut Schweizer, "dass durch die Nutzung bestehender Infrastrukturen ein stabiles Netz aufgebaut werden kann, ohne die Kosten nach oben zu treiben." Sprich: Setzt man die Idee der Darmstädter Forscher um, könnten an sich empfindliche Datennetze relativ einfach für den Krisenfall abgehärtet werden. Und auch ein Mitmachzwang sei nicht überall nötig: "Die Nutzer könnten sich freiwillig ein Zusatzmodul herunterladen, welches dieses Ad-hoc-Netz softwareseitig ermöglicht. Dadurch bliebe die Selbstbestimmung und Unabhängigkeit der Nutzer gewährleistet."

Zumindest in städtischen Gebieten sei die Dichte solcher Geräte hoch genug, um robuste so genannte Ad-hoc-Funknetzwerke herstellen zu können. Weitere Forschungen sollen nun zeigen, welche Datenaustausch-Protokolle einen schnellen und sicheren Datentransport innerhalb solch eines Notfall-Netzwerkes bewerkstelligen könnten - und welche Rolle die Akkulaufzeit von mobilen, in einen Notfallmodus versetzten Internetgeräten spielt.

Denn das ist der wunde Punkt privater W-Lan-Router: Ein Stromaggregat, um sie im Notfall mit Strom zu versorgen, wird nur in den wenigsten Haushalten stehen.

fkn
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