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02. August 2018, 09:02 Uhr

Projekt "Dragonfly"

Google soll zensierte Suche für China planen

Eine Android-App, die Suchbegriffe wie "Menschenrechte" und "Demokratie" blockiert? Mehreren Medienberichten zufolge will Google mit einer solchen Suchmaschine zurück auf den chinesischen Markt.

Google will Medienberichten zufolge eine Suchmaschine auf den chinesischen Markt bringen, die Suchbegriffe wie Menschenrechte, Demokratie oder friedliche Proteste zensiert und den Zugriff auf bestimmte Websites blockiert. Nach den Enthüllungen im US-Portal "The Intercept" bestätigten namentlich nicht genannte Quellen auch der "New York Times" sowie der Nachrichtenagentur Reuters die angeblichen Pläne.

Das Projekt "Dragonfly" habe Google im Frühjahr 2017 begonnen und seit einem Treffen zwischen Konzernchef Sundar Pichai und einem ranghohen chinesischen Funktionär im Dezember beschleunigt, schreibt "The Intercept" unter Berufung auf unternehmensinterne Dokumente und mit dem Vorhaben Vertrauten.

Angeblich gibt es internen Widerstand bei Google

Die App für das mobile Betriebssystem Android sei bereits chinesischen Regierungsstellen vorgeführt worden. Innerhalb der nächsten sechs bis neun Monate könnte Google sie auf den Markt bringen, sofern Peking die Genehmigung erteile, hieß es weiter. Die "New York Times" und Reuters berichten auch von internem Widerstand bei Google gegen das Vorhaben.

Eine zensierte Suchmaschine würde eine Wende in Googles Chinapolitik darstellen: Das Unternehmen hatte sich 2010 zumindest teilweise aus dem großen Markt zurückgezogen, um sich nicht weiter selbst zensieren zu müssen. Auch Facebook, Twitter oder WhatsApp werden dort blockiert. Google und Facebook suchen aber nach einem Zugang zu dem weltgrößten Internetmarkt mit 730 Millionen Internetnutzern.

Ein Google-Sprecher teilte nun mit, das Unternehmen biete eine Reihe von mobilen Apps in China an, unterstütze chinesische Entwickler und investiere in dortige Unternehmen. "Zu Spekulationen äußern wir uns nicht", fügte er hinzu.

EFF: "Google lässt sich benutzen"

Eine staatliche kontrollierte Zeitung in China schrieb laut Reuters allerdings, die Berichte seien nach Angaben "relevanter Stellen" unwahr.

Amnesty-International-Forscher Patrick Poon in Hongkong aber geht davon aus, dass die Berichte stimmen und befürchtet "einen Sieg für die chinesische Regierung". "Es sendet ein Signal, dass sich niemand mehr die Mühe macht, die Zensur herauszufordern." Er fragte auch, wie Google dann die Privatsphäre seiner Nutzer schützen werde: "Wird Google auch einknicken und persönliche Daten herausrücken, sollten die chinesischen Behörden das verlangen?"

Auch die Electronic Frontier Foundation (EFF), die sich für Grundrechte im Internetzeitalter einsetzt, übte Kritik. "Das ist äußerst enttäuschend", sagte Eva Galperin von EFF der "Wired". Die chinesische Regierung benutze Google dann "letztendlich als Propagandawerkzeug - und Google lässt sich benutzen".

Der Aktienkurs von Baidu, dem größten chinesischen Suchmaschinenbetreiber, fiel um 7,7 Prozentpunkte, obwohl die Quartalsergebnisse des Unternehmens besser als erwartet ausgefallen waren.

pbe/dpa/AFP/Reuters

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