Propaganda im Netz Nordkorea schickt Foren-Trolle in den Kampf

Lästern im Auftrag der Regierung: Nordkorea bildet Medienberichten zufolge professionelle Trolle aus, die in Südkorea schlechte Stimmung im Netz verbreiten - um die Moral des Nachbarlandes zu schwächen.
Nordkoreanische Soldaten: Angeblich hat das kommunistische Land eine ganze Cyber-Armee

Nordkoreanische Soldaten: Angeblich hat das kommunistische Land eine ganze Cyber-Armee

Foto: KCNA/ REUTERS

Nordkorea verlagert den Konflikt mit seinem südlichen Nachbarland immer weiter ins Netz. Die kommunistische Regierung bildet offenbar professionelle Forentrolle aus, die mit Kommentaren auf südkoreanischen Internetseiten schlechte Stimmung verbreiten sollen. 200 Agenten sind laut der koreanischen Tageszeitung "The Chonsun Ilbo"  hauptberuflich damit beschäftigt, negative Bemerkungen über Südkorea im Web zu hinterlassen. Die Zeitung bezieht sich auf eine südkoreanische Forschergruppe.

Laut den Wissenschaftlern arbeiten insgesamt etwa 3000 Cyberwar-Experten für den nordkoreanischen Geheimdienst, darunter 200 Trolle. Deren Aufgabe sei es, die Moral im Nachbarland zu schwächen. Ein Sprecher des Police Policy Institute sagte, der Norden habe ein Team von Online-Trollen zusammengestellt, deren Aufgabe es sei, Kommentare auf den wichtigsten Portalen in Südkorea zu hinterlassen. Sie verschleierten ihre Identität, indem sie persönliche Daten von Südkoreanern stehlen und sich dahinter verbergen.

Nach Angaben des Instituts führen die Agenten aus Nordkorea ihre psychologische Online-Kriegsführung auf 140 Internetseiten und leiten ihre Zugriffe über Server in 19 Ländern um, um Spuren zu verwischen. Im Jahr 2011 haben die Agenten demnach mehr als 27.000 Propaganda-Kommentare gegen den Süden gepostet, im vergangenen Jahr seien es bereits mehr als 41.000 gewesen.

"The Chonsun Ilbo" zufolge steht der Süden im Internet-Krieg verglichen mit dem Norden eher schlecht da. Zwar würden auch einige junge Südkoreaner die Grundlagen des Hacking lernen. Doch während in Nordkorea jährlich 300 neue Cyberwar-Agenten ausgebildet werden, seien es im Süden lediglich 30.

Bei Hackerangriffen auf Ziele in Südkorea fällt der Verdacht meist auf das kommunistische Nachbarland. Bei einer Attacke auf Regierungsseiten im Juni dieses Jahres sah sich Südkorea in der Annahme bestätigt, dass der Norden sich seit Jahren auf einen Cyber-Krieg vorbereitet. Die Regierung in Seoul macht Pjöngjang für etliche Angriffe in den vergangenen Jahren verantwortlich.

jbr
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