Deutsche Start-ups beim SXSW-Festival 28 Länder, 99 Probleme

Im Deutschen Haus beim SXSW-Festival in Texas haben sich deutsche Gründer getroffen, um über ihre Erfahrungen mit Regulierung in Europa zu sprechen - und einen Preis zu gewinnen. Konsens herrschte vor allem über eins: Gründen ist hierzulande noch immer enorm kompliziert.
South by Southwest Interactive: Zehntausende kommen zum Technikfestival

South by Southwest Interactive: Zehntausende kommen zum Technikfestival

Das Hamburger Start-up Protonet baut orangefarbene Kästen. Die sollen, wenn es nach Geschäftsführer Ali Jelveh geht, die Art und Weise revolutionieren, wie kleine und mittlere Unternehmen mit ihren Daten umgehen. Protonet-Boxen sind Unternehmensserver mit einer Benutzeroberfläche, die es ermöglichen soll, von überallher auf die Unternehmensdaten zuzugreifen, Arbeitsgruppen und Projekte zu organisieren, zu kommunizieren und Dateien zu bearbeiten. Eine "persönliche Cloud" soll jede Protonet -Box sein, als Alternative zu all jenen Cloud-Diensten, die dieser Tage dank Edward Snowden plötzlich nicht mehr ganz so sicher und attraktiv wirken, gerade für Unternehmen, die mit sensiblen Informationen umgehen.

Beim South-by-Southwest-Festival in Austin im amerikanischen Texas gewann Protonet nun einen Start-up-Preis: Organisiert von Hamburg Startups , ausgerichtet vom Reeperbahn-Festival , der Stadt Hamburg und SPIEGEL ONLINE waren drei junge Gründer nach Texas geflogen, um dort vor einem internationalen Publikum ihre Unternehmensideen zu präsentieren.

Neben Protonet trat Flying.com  an, eine Vielflieger-App, die ihren Nutzern Freude am Fliegen bereiten soll - mit Infografiken etwa über zurückgelegte Strecken, aber auch praktischen Handreichungen wie einem einheitlichen System zur Speicherung elektronischer Bordkarten. Außerdem war Tinnitracks  nach Austin gereist, ein Unternehmen, das Tinnitus-Patienten mit speziell auf ihr Problem abgestimmter Musik therapieren will. Am Ende trug Protonet mit einer Kombination aus Publikums- und Jury-Stimmen den Sieg davon.

"Neue Regeln für jedes Land, in das wir gehen"

Zuvor hatten mehrere Start-up-Gründer, darunter neben Ali Jelveh auch Claudia Helmig von Dawanda  und Jörg Land von Tinnitracks unter dem Titel "28 Länder, 99 Probleme" auf der Bühne des Deutschen Hauses des Festivals über die spezifischen Probleme diskutiert, die Start-ups in Europa begegnen. "Wir müssen uns mit Arbeitsrecht, Datenschutzregelungen, Internetrecht und so weiter auseinandersetzen", sagte Helmig, "und zwar nicht nur für unseren lokalen Markt, sondern für jedes Land, in das wir gehen".

Dass Tinnitracks ein Medizinprodukt sei, mache alles noch komplizierter, sagte Jörg Land: "Wir müssen uns zertifizieren lassen. Wir haben aber auch mit dem Thema Urheberrecht zu tun, weil wir Musik einsetzen, und mit vielen weiteren Regelungen - und all das nur für den deutschen Markt." In jedem neuen Markt, den man zu erschließen versuche, treffe man zudem noch auf ein jeweils anderes Gesundheitssystem.

"Wenn Sie die Welt gewinnen wollen, müssen Sie in die USA"

Jelveh ergänzte, wenn man, wie Protonet, Hardware baue, sei in Europa "alles reguliert": "Die Chemikalien, die Sie benutzen, sind reguliert, die Kunststoffe, die Verpackungen, für alles gibt es Regeln." Zwar gebe es für vieles EU-weite Regelungen, aber "diese Regelungen werden in unterschiedlichen Ländern oft unterschiedlich umgesetzt". In manchen Ländern dürfe man nur Hardware anbieten, wenn man dort auch ein Büro unterhalte, in anderen müsse man nur ein Online-Formular ausfüllen, in wieder anderen müsse man einen drei Monate langen juristischen Prozess durchlaufen.

Oft, sagt Jelveh, seien die Regeln so schwammig, dass erst ein Prozess klären könnte, ob sie überhaupt gebrochen worden seien. Sein Rat an deutsche Start-ups: "Kühner sein." Will sagen: Auch mal einfach etwas ausprobieren, und dann sehen, was passiert. Ein Vorgehen, das ein junges Unternehmen im schlimmsten Fall allerdings teuer zu stehen kommen kann.

Nicht nur wegen all der Regulierung, sondern auch wegen des günstigeren Börsenumfelds, der einfacheren Möglichkeiten, an Kapital zu kommen, des großen einheitlichen Marktes seien die USA für Start-ups bis heute einfach erfolgversprechender, sagt Jelveh: "Wenn sie die Welt gewinnen wollen, müssen sie das über die Staaten machen."

cis
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.