Onlinedaten von Politikern veröffentlicht 22-Jähriger für Hacking-Angriffe auf Abgeordnete verurteilt

Er soll die Daten zahlreicher Politiker und Prominenter ins Netz gestellt haben: Im Prozess gegen den geständigen "0rbit" ist ein Urteil gefallen. Die Staatsanwaltschaft geht von 1500 Opfern aus.
Amtsgericht Alsfeld: Die Verhandlung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt

Amtsgericht Alsfeld: Die Verhandlung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt

Foto: Arne Dedert / dpa

Das Amtsgericht Alsfeld hat am Mittwoch einen 22-jährigen Hacker verurteilt, weil er Daten von zahlreichen Prominenten und Politikern ausgespäht habe. Zum Abschluss der nicht öffentlichen Verhandlung befand das Gericht den 22-Jährigen für schuldig und sprach eine Jugendstrafe von neun Monaten aus. Die Strafe ist für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, teilte das Gericht mit. Das Urteil ist rechtskräftig.

Der 22-Jährige hatte zuvor am ersten Tag der Hauptverhandlung umfassend gestanden, wie Oberstaatsanwalt Benjamin Krause von der Frankfurter Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) erklärte. Der Angeklagte musste sich im hessischen Alsfeld vor dem Jugendschöffengericht unter anderem wegen des Ausspähens und der Veröffentlichung privater Daten verantworten.

Der Prozess fand ohne Presse und Zuschauer statt, weil der Angeklagte zum Tatzeitpunkt als Jugendlicher beziehungsweise Heranwachsender galt. Der Prozess sei besonders, auch wegen der großen Zahl Betroffener, erklärte Krause. Nachdem im Vorfeld der Verhandlung von 1000 Opfern die Rede war, geht die Staatsanwaltschaft nun von 1500 Geschädigten aus.

Passwortplattform erleichterte Hacking-Angriffe

Der Fall hatte Anfang 2019 bundesweit für Aufsehen gesorgt. Laut Ermittlern war der Angeklagte damals Schüler und lebte bei seinen Eltern. Aus Ärger über öffentliche Äußerungen seiner Opfer - darunter Bundestagsabgeordnete - habe er angefangen, private Daten wie Adressen, Telefon- und Kreditkartennummern von diesen zu sammeln. Dabei verschaffte er sich laut Anklage Zugang zu Onlineprofilen und kaufte gestohlene Daten im Netz.

Eine besonders wichtige Rolle spielten dabei nach SPIEGEL-Recherchen die Dienste der Plattform Weleakinfo.com. Über diese Seite wurden bis zu ihrer Abschaltung im Januar 2020 Milliarden Zugangsdaten wie Passwörter und Mail-Adressen für zwei Euro pro Monat zum Verkauf angeboten. Neben den darüber abgegriffenen Zugangsdaten soll "0rbit" in einigen Fällen auch die Funktion zum Zurücksetzen eines Passworts genutzt haben, um Konten seiner Opfer zu hacken.

Auf Twitter veröffentlichte der Angeklagte, der im Netz unter Pseudonymen wie "0rbit" und "g0d" unterwegs gewesen sein soll, die Daten schrittweise in einer Art "Adventskalender". Er soll auch versucht haben, Opfer mit der Veröffentlichung zu erpressen

hpp/dpa
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