Verstoß gegen Richtlinien Amazon wirft QAnon-Fanartikel von der Plattform

In Form von Stickern, Mützen, Fahnen und Büchern ist der Verschwörungsmythos QAnon auch in Amazons Onlineshop präsent. Jetzt überprüft das Unternehmen sein Sortiment.
QAnon-Slogan »WWG1WGA«: Dahinter verbirgt sich der Spruch »Where we go one we go all«

QAnon-Slogan »WWG1WGA«: Dahinter verbirgt sich der Spruch »Where we go one we go all«

Foto: Anadolu Agency / Anadolu Agency via Getty Images

Amazon hat nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters  sowie mehrerer US-Medien  angekündigt, diverse QAnon-Produkte von seiner Verkaufsplattform zu entfernen. Einem Sprecher des Unternehmens zufolge könne die Anpassung des Sortiments mehrere Tage dauern. Amazon begründet den Eingriff mit seinen Richtlinien, die unter anderem Hass- und Gewaltverherrlichung verbieten .

SPIEGEL-Informationen zufolge betrifft der Vorstoß auch Amazons deutschen Ableger Amazon.de. Auch hierzulande werden die Änderungen beim Angebot wohl nicht sofort, sondern eher binnen der nächsten Tage sichtbar sein.

Auf Amazon.de finden sich momentan zahlreiche QAnon-Fanartikel, darunter Tassen, Sticker, Masken und T-Shirts mit Aufdrucken wie »The Storm is here« oder dem QAnon-Leitspruch »Where we go one we go all« (»WWG1WGA«), der auf Deutsch sinngemäß »Wo einer hingeht, gehen wir alle hin« bedeutet.

Eine US-Flagge im QAnon-Remix

Am Dienstagmorgen ließ sich auf Amazon.de zum Beispiel eine US-Flagge bestellen, bei der eine Hälfte aus dem »WWG1WGA«-Spruch und einem großen Q besteht. Dazu heißt es »3x5 Fuß Flagge für Zuhause dekorativ, Hof dekorativ, Outdoor dekorativ, Urlaub Dekor, Bauernhof Dekoration«.

Neben solchen Produkten finden sich unter dem Suchbegriff »QAnon« auch viele Bücher – darunter Werke, die dem Verschwörungsmythos QAnon positiv gegenüberstehen, aber auch Sachbücher, die sich kritisch damit auseinandersetzen. Auf Letztere dürfte der jetzige Vorstoß keine Auswirkungen haben .

Viele der QAnon-Artikel auf Amazon.de werden von Dritthändlern angeboten. Einige Produkte wie Notizbücher mit QAnon-Motiv verkauft und versendet das Unternehmen aber auch direkt.

QAnon gilt als ernsthafte Bedrohung

QAnon-Unterstützer, wie es sie in den USA, aber auch in Deutschland gibt, verbindet der Glaube, dass eine geheime Elite die Welt regiert. Politiker und Vertreter demokratischer Institutionen sind in diesem Weltbild mindestens korrupt, im schlimmsten Fall pädophile Kindsmörder. Donald Trump dagegen gilt den Anhängern als Heilsbringer. Manche Sicherheitsexperten halten radikalisierte Anhänger von QAnon für die in den USA derzeit gefährlichste Gruppe.

Einige Webdienste wie Facebook – die selbst im Ruf stehen, die Gruppe in den vergangenen Jahren überhaupt bekannt gemacht zu haben – gehen schon seit einigen Monaten mit Sperren und Löschungen gegen QAnon vor. Twitter etwa wies am Dienstag darauf hin , dass es nach dem Sturm auf das Kapitol, an dem auch QAnon-Anhänger beteiligt waren, 70.000 Accounts gesperrt wurden, die QAnon-Inhalte verbreiteten.

Amazon hatte nach den Geschehnissen in Washington D.C. entschieden, der bei Rechtsradikalen und QAnon-Unterstützern beliebten App Parler nicht länger seine Clouddienste zur Verfügung zu stellen. Parler kündigte daraufhin an, sich einen neuen technischen Anbieter zu suchen. Seit Montag lässt sich die Website des Dienstes nicht mehr aufrufen.

Parler hat mittlerweile auch bekannt gegeben , sich juristisch dagegen wehren zu wollen, dass es Amazons Clouddienste nicht mehr nutzen darf.

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