QR-Codes Liebe Leserin, lieber Leser,

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wer über einen Friedhof spaziert, kann dort Grabsteine finden, die mit einem QR-Code ausgestattet sind. Hält man sein Smartphone darauf, bekommt man mehr über den Toten angezeigt. Leiht man einen E-Scooter, kann man einen am Roller angebrachten QR-Code einscannen und losfahren. In China hat der QR-Code längst das Bezahlen revolutioniert, sogar die klassische Visitenkarte wird dort durch den Austausch von QR-Codes via WeChat ersetzt.

Kurz: Der QR-Code hat sich durchgesetzt. QR steht für Quick Response, "schnelle Reaktion". Die quadratische Matrix besteht aus vielen kleinen schwarzen und weißen Quadraten, in denen Informationen codiert sind. Der Erfolg war alles andere als ausgemacht - im Gegenteil.

Lange sah es so aus, als friste diese Technologie ein Nischendasein, zu unpraktisch für den Massenmarkt und ohne größeren Sinn für Konsumenten. Vor 25 Jahren wurde der QR-Code ursprünglich für Toyota entwickelt. Er sollte dort helfen, Bauteile in der Produktion zu identifizieren. Heute ist er in der Breite angekommen.

Mit dem Handy scannen und losfahren: Per QR-Code können Nutzer Elektroroller schnell und einfach ausleihen
teutopress/ imago images

Mit dem Handy scannen und losfahren: Per QR-Code können Nutzer Elektroroller schnell und einfach ausleihen

Dass QR-Codes mittlerweile viel genutzt werden, hat auch damit zu tun, dass deren Anwendung einfacher geworden ist. Lange brauchte man eigene Apps, um die Codes entschlüsseln zu können. Nun reicht es, die Smartphonekamera auf das Viereck zu halten. Ist etwa ein Internet-Link hinterlegt, wird dieser sofort geöffnet. Auch die Erstellung eines QR-Codes ist einfach - jeder kann mithilfe unzähliger Dienste seine eigenen Pixelquadrate erstellen.

Vermisste aufspüren per Pixelquadrat

Die Zahl der Anwendungen für die schlauen Quadrate wird immer breiter und nützlicher: Nebenwirkungen von Medikamenten können über den Code aufgerufen werden. In Kleidungsstücke sind QR-Codes eingenäht, über die Interessierte die Lieferkette nachvollziehen können. Beim zum Otto-Konzern gehörenden Modehändler Bonprix können sich Kunden in einem Laden zunächst mit einer App einchecken, den QR-Code des Kleidungsstücks einscannen, die richtige Größe auswählen und es in die Umkleidekabine ordern.

Der Bauzubehörhersteller Würth betreibt einen Verkaufsraum in Vöhringen, zu dem sich Kunden auch nachts Zugang mittels QR-Code verschaffen können und die Waren per Rechnung bezahlen. In der Medizin werden QR-Codes für Übungen verwendet, etwa um bei einer Katastrophenschutzübung Informationen über den Zustand von Simulationspatienten zu erhalten.

Und manche Menschen lassen sich sogar QR-Codes am Körper anbringen: In der japanischen Stadt Iruma gibt es ein Projekt, bei dem an Demenz erkrankten Menschen QR-Codes auf Fuß- oder Fingernägel geklebt werden. Hinter dem Code steckt eine Identitätsnummer. Verirrt sich etwa ein Mensch, können die Codes helfen, festzustellen, wer sie sind.

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Seltsame Digitalwelt: Zugbegleiter der Zukunft

Neulich im ICE-Bordrestaurant zwischen Hamburg und Berlin: Ein sehr fürsorglicher Bordgastronom macht keinen Hehl daraus, dass er Laptops auf dem Restauranttisch weniger gut findet. Nachvollziehbar, schließlich gehören derlei Geräte in einem normalen Restaurant auch nicht auf den Tisch. Doch Bahnkunden lieben das rollende Büro und die Deutsche Bahn erlaubt seit diesem Jahr die Computernutzung nun auch offiziell.

Fünf Leute hatten an diesem Tag einen Laptop auf den Speisewagentischen vor sich platziert - jeder von ihnen hörte einen Hinweis des Bahn-Mitarbeiters: "Ich muss Sie darauf hinweisen, dass wir hier mit Getränken hantieren und keine Haftung übernehmen können, wenn Flüssigkeit über ihren Computer läuft." Zwei Gäste verstanden die versteckte Botschaft: Sie klappten ihren Laptop zu.

App der Woche: "Naboki"
getestet von Tobias Kirchner

Rainbow Train

Manchmal ist simpel einfach gut - das gilt insbesondere für Rätselspiele. "Naboki" kommt ganz ohne Texte, Tutorials und aufwendige Grafik aus. Ein gutes Spiel ist es trotzdem. Denn die auf den ersten Blick simplen Verschiebe- und Ebenen-Rätsel haben es in sich. Nicht nur der Schwierigkeitsgrad wird knackig, sondern auch das Suchtpotenzial. Denn so ist das Lösen der Rätsel in "Naboki" sehr befriedigend und mit der simplen Steuerung fühlt es sich einfach gut an, nach und nach die Aufgaben zu schaffen.

Für 0,99 Euro (Android) oder 1,09 (iOS), von Rainbow Train.: iOS, Android


Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "How useful is the smartwatch ECG?" (Englisch, 15 Leseminuten): Die Apple Watch kann möglicherweise Vorhofflimmern erkennen, eine Herzrhythmusstörung, die als Risikofaktor für Schlaganfälle gilt. Nach und nach beschäftigt sich auch die Fachwelt mit dem Thema und wertet Studiendaten weiter aus. In einer Untersuchung schnitt diese Erkennungsmethode als ziemlich zuverlässig ab.
  • "Tag X - interaktives Hörspiel für Amazon Alexa und Google Home" (Deutsch, 20 Spielminuten): Der Bayerische Rundfunk hat das Hörspiel digitaler gemacht. Entstanden ist eine Mischung aus Hörspiel und Spiel. Nutzer können die interaktive Geschichte etwa auf einem Smartspeaker anhören oder aber als Webversion abrufen.
  • "Ghost ships, crop circles, and soft gold: A GPS mystery in Shanghai" (Englisch, acht Leseminuten): Im Hafen von Shanghai werden die Positionsdaten von Schiffen immer wieder so manipuliert, dass sie vom Radar der Kontrolleure verschwinden. "Technology Review" erklärt, wie die Täuschungsmanöver funktionieren - und wer dahinterstecken könnte.

Ich wünsche Ihnen eine nicht zu graue Novemberwoche,

Ihr Martin U. Müller


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insgesamt 2 Beiträge
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kumi-ori 18.11.2019
1. Meine persönliche Geschäftsidee
Irgendwann werde ich auf große Werbeplakate (Ruf mich an!, Rettet die Wale, Jusus liebt Dich) meinen eigenen QR-Code aufkleben, auf dem dann codiert wird: überweise 1000 Euro an mein Konto auf den Bahamas.
5b- 18.11.2019
2. Aus der Zeit gefallen
Der Beitrag gehört ins Archiv da er nicht mehr zeitgemäß ist. QR Codes sind schon voll etabliert. Im Grunde sind sie nichts als digitale Zeichen. Sie können fast beliebig groß gestaltet sein. Meist enthalten sie nichts weiter als Links zu Webseiten. Das ist ungemein praktisch, technologisch aber von vorgestern.
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